In der vergangenen Woche fand in London das für alle Architekturinteressierten wunderbare „London Festival of Architecture 2010“ (19.6. bis 4.7) statt. Gerade eben komme ich von einer Tagung, organisiert von AD (Architectural Design Magazine) zum 80-jährigen Bestehen, bei der Peter Cook, Neil Spiller, Patrick Schumacher, Beatriz Colomina, Charles Jencks und andere vorgetragen und über Vergangenheit und Zukunft von AD als Trendsetter und Wegweiser für „cutting-edge Research“ in Architektur diskutiert haben.
Diese Woche veranstalten auch sämtliche Architekturschulen in London ihre „summer shows“, wo genau diese Trends gezeigt werden. Die Ausstellungen zeigen the state-of-the-art, bevor die Forschung Mainstream in der Architekturpraxis wird. Die Architekturschulen stehen ähnlich wie bei anderen Unternehmen im harten Konkurrenzkampf, aber vor allem im internationalen Wettbewerb zueinander. Jetzt entscheiden die jungen Talente aus der ganzen Welt, wo und bei wem sie die nächsten Jahre studieren werden, und die Eltern schließen Kredite für die Finanzierung des Studiums ihrer Sprösslinge ab. Schließlich geht es auch darum, wer nach dem Studium die besten Jobs bekommt.
Nach dem Besuch von einigen Ausstellungen - Westminster, Architectural Association School of Architecture – AA, Royal College of Art, Bartlett - bestätigt sich, was in London „common sense“ ist: Die AA und die Bartlett, die in ewiger Rivalität zueinander stehen, sind die besten Schulen. Im Architect’s Journal vom 20.05.2010 wird in einer Umfrage die Bartlett von Architekten mit Abstand als die beste Schule im UK bezeichnet und das seit Jahren - die anderen Schulen bis auf AA gelten als relativ unbedeutend. Allerdings schwindet dieser Abstand zwischen den Schulen immer mehr. Besonders durch Patrick Schumachers Spezial-Kommando-Design-Abteilung AADRL (Design Research Labor) und die Zurückstellung der völlig diagrammatischen Architektur hat die AA stark aufgeholt. Durch diesen Umstand, aber auch aufgrund der RIBA-Empfehlung, wonach die Architekturausbildung stärkeren Bezug zur Gebäudeproduktion haben soll, hat auch die Bartlett sofort darauf reagiert. Ein neuer Dekan sowie ein neuer Direktor wurden bestellt sowie ein neuer Leiter für die Diplom-Programme. Für die Leitung der Diploma-Units wurden zusätzlich einige neue Mitarbeiter bestellt.
ORTLOS Architects wurde dieses Jahr mit der Leitung einer neuen Unit (Diploma Unit 13) beauftragt, was eine tolle Erfahrung für die Wettbewerbsorientiertheit des Systems bedeutet. Konstante Qualitätssicherung und Kontrolle der Leistung fordern von Lernenden, aber auch Lehrenden das Maximum. Und zwar das Maximum, was das Finden und Erstellen von Konzepten, Experimenten und Innovation, Design und Ausformulierung bis hin zu Zeichnungen und Modellen betrifft.
Biografische Notiz:
DI IVAN REDI
Architekturstudium an der TU Graz.
Mitarbeit u. a. im Daniel Libeskind Studio und Thom Mayne Studio, Architekturbüro Morphosis Architects, Architekturbüro Domenig-Eisenköck.
Seit 2000 ORTLOS Architects mit Arch. DI Andrea Redi und Emil Gruber.
Bis 2002 Unterricht für computerunterstütztes Planen an der TU Graz, seit 2004 Lehrauftrag für Entwerfen am Wohnbauinstitut der TU Graz, seit 2010 Leitung der Diploma Unit 13 an der Bartlett, Faculty of the Built Environment in London mit Andrea Redi.
Doktoratstudium (PhD) „Neue Entwurfsstrategien in Architektur“.
- Verfasser/in:
- Ivan Redi, Bericht














