Das niederländische Architektur- und Designbüro UNStudio, 1988 von Ben van Berkel und Caroline Bos gegründet, „mag das Klassische mit Verdrehungen“. So beschreiben van Berkel und Bos ihren Zugang zu Musik und Architektur.
Das Haus für Musik und Musiktheater der Kunstuniversität Graz, MUMUTH, wurde zehn Jahre lang geplant, zwei Jahre lang gebaut und wird am 1. März mit der Aufführung des Instituts für Musiktheater von Mozarts „Die Zauberflöte“ eröffnet.
So ganz dürften Institution und das Haus im Weichbild von Graz noch nicht verankert sein. Der Fahrer des Taxis, das Ben van Berkel vom Hotel zum Mumuth brachte, hatte sich zunächst geirrt, dann verirrt, um schließlich doch vom KUG-Neubau Reiterkaserne zum neuesten Bau in der Lichtenfelsgasse zu finden. Zur Pressevorstellung kam der Architekt damit zwar verspätet, umso konziser erläuterte Ben van Berkel dann aber die Überlegungen seines Entwurfs: Die dominante und tragende Spiral-Struktur, der TWIST, sei für ihn der direkteste Bezug zur Musik. Ursprünglich sollte die Spirale den Bau auch von außen charakterisieren. Die weitere Entwicklung führte aber in das „coil motiv“ im Innenbereich, aufgenommen von einer mehrschichtigen Schale, nach einem Design-Modell, das Ben van Berkel „blob-to-box“ nennt. Damit wird das Gebäude, ausgehend vom mehrgeschossigen Raum des Theaters an der Parkseite, durch eine Reihe von ineinander „fließenden“ Räumen (Blob) an der Lichtenfelsgasse strukturiert. Drei Musik- und Proberäume, je auf einer Ebene, liegen so am großen Aufführungsraum mit einer Kapazität von bis zu 450 Sitzplätzen.
Schwieriger auszuführen als jener im Mercedes-Benz-Museum, erklärt Ben van Berkel, war der TWIST über die drei Ebenen. Selbstverdichtender Beton musste hier von unten nach oben gepumpt werden. Licht, Farbgebung und Materialcharakteristik verstärken eine Art von Welleneffekt. Das Fassadenornament, eine Assoziation zu „Bühnenschminke“ und formal an Lettern bzw. Notenschrift erinnernd, wird plastisch wiederholt an den Wänden des Konzert- und Theatersaals und bewirkt – wie an musikalischen Beispielen vorgeführt – die hervorragende Akustik. Die Anforderungen für diesen Saal reichen von Kammerkonzert über elektronische Musik bis zu Jazz und Oper. Die Nachhallzeit im Raum beträgt 1,4 Sekunden und kann elektronisch bis auf etwa 2 Sekunden verlängert werden. Benannt wird der zentrale Aufführungssaal des MUMUTH nach dem verstorbenen Ehrenmitglied der Grazer Musikuniversität György Ligeti. Laut dagegen, aber keineswegs unangenehm, wirkt die rote, über den Twist nach oben geschwungene Treppe. – Rektor Georg Schulz verweist allerdings noch auf eine Erfahrungsphase, nachdem man dieses Haus für Musik und Theater wohl auch als Instrument interpretieren kann, das eventuell in Details nachgestimmt werden muss.
Eröffnung am 1. März (geschlossene Veranstaltung)
Weitere Aufführung von W. A. Mozarts „Die Zauberflöte“ am 3., 5., und 7. März. Ab 2. April, im Rahmen von abo@MUMUTH, folgt eine Inszenierung der „Johannes-Passion BWV 245“ im Bühnenbild von Ben van Berkel, weitere Vorstellungen am 4., 6. und 8. April.
Informationen und Karten unter Tel. 0316/ 389-1330 und www.kug.ac.at
PROJEKTDATEN:
Planung: UNStudio, Amsterdam
Ben van Berkel. Caroline Bos, Hannes Pfau und Miklos Deri, Kirsten Hollmann, Markus Berger, Florian Pischetsrieder, Uli Horner, Albert Gnodde, Peter Trummer, Maarten van Tuijl, Matthew Johnston, Mike Green, Monica Pacheco, Ger Gijzen, Wouter de Jonge.
Auftraggeber: BIG Bundesimmobiliengesellschaft
Nutzer: KUG Kunstuniversität für Musik und Musiktheater
Planungsphase 1998 (Wettbewerb) – 2003
Umsetzungsphase 2006-2008
Bauübergabe: 13. August 2008
Eröffnung: 1. März 2009
Tragwerksplanung: Arup London
Örtl. Bauaufsicht: Peter Mandl und Partner, Graz
Akustik und Bauphysik:
ZT Tomberger, Graz
Pro Acoustics Engineering, Graz
Bühnentechnik: e.f.f.e.c.t.s. techn. Büro, Klosterneuburg
Gesamtnutzfläche: ca. 2.800 m²
Baukosten: ca. 14 Mio Euro
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Bericht
Weiterführende Links








