Eine Film- und eine Buchempfehlung aus aktuellem Anlass.
FILM
„Lemon Tree – Etz Limon“, ein Film von Eran Riklis
Eran Riklis, ein israelischer Filmemacher versucht, das Problem zwischen Israelis und Palästinensern ‚möglichst objektiv’ aus seiner persönlichen Sicht darzustellen.
Der Zitronenbaum, ein palästinensische Symbol für Freiheit und Leben wird plötzlich zum Sicherheitsrisiko für Israel. Daher muss der wunderschöne, alte und fruchtbare Zitronenhain der ersehnten Sicherheit geopfert und stattdessen eine acht Meter hohe Betonmauer errichtet werden. So wird der palästinensischen Seite die Existenz- und Lebensgrundlage genommen, den Israelis die Lebensqualität (Raum, Aussicht auf den Zitronenhain).
Das Hauptthema ‚Nahostkonflikt’ ist in alltägliche, berührende, persönliche, religiöse und gesellschaftliche Themen eingeflochten.
Der Film hinterlässt ratlose Betroffenheit mit menschlichen Lichtblicken.
„Lemon Tree – Etz Limon“
2008, Israel / Deutschland / Frankreich
Regie: Etz Limon
Ab 01.01.2009, 18.00 Uhr
im KIZ Augartenkino
Friedrichstraße 24, Graz
BUCH
Dem Film „Lemon Tree“ stelle ich ein Buch gegenüber, das das Nahostproblem aus der ‚möglichst objektiven’ palästinensischen Sicht darstellt.
Beiden Autoren ist der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern das größte Anliegen. Eran Riklis stellt das Problem dar, Sari Nusseibeh sucht aktiv auf friedlichem Weg nach einer praktischen Lösung.
„Es war einmal ein Land - ein Leben in Palästina“, von Sari Nusseibeh
Sari Nusseibeh entstammt einer ehemals bedeutenden und wohlhabenden palästinensischen Familie in Ostjerusalem, die seit 638 n.Ch. (und noch immer) den Schlüssel der Grabeskirche bewacht. Nach Studium und Lehre islamischer Philosophie in Oxford und Harvard leitet er seit 1995 die AL-Quds-Universität in Ostjerusalem. Er ist mit der Engländerin Lucy Austin verheiratet.
Aus dem Hintergrund suchte und sucht er unermüdlich auch und besonders, wenn die Situation eskaliert und wieder aussichtslos erscheint, nach einem neuerlichen Weg zu Friedensgesprächen. Damit qualifizierte er sich als ein von beiden Seiten, den Palästinensern und den Israelis anerkannter Gesprächspartner.
Er erzählt sein Leben, das sich fast wie ein Krimi liest, weil man dieses Kontinuum von Leiden und Lebensgefahr und ständig zu treffenden Entscheidungen fast nicht glauben kann.
„ Gewalt kommt nicht aus dem Nichts. Menschen können durchdrehen, und ob das passiert, daran wirkt jeder von uns insofern mit, als er für Andere eine verschlossene oder eine offene Tür ist.(…) Seltsam, dass Israel seit Jahrzehnten eine Schlacht nach der anderen gewinnt - und zugleich an der einzigen Front, auf die es ankommt, verliert.“
Das vom Ehepaar Nusseibeh eröffnete „Lemon Tree“ Café, das sich sehr schnell zu einem lebendigen und wichtigen interkulturellen und intellektuellen Treffpunkt in Ostjerusalem entwickelt hatte, musste nach einiger Zeit aus Sicherheitsgründen geschlossen werden.
Sari Nusseibeh
‚Es war einmal ein Land’
Ein Leben in Palästina
Antje Kunstmann Verlag, München 2008
ISBN-10 3888975107
ISBN-139783888975107
Gebunden, 527 Seiten, einige Fotos
24,90 Euro
- Verfasser/in:
- Eva Mohringer-Milowiz, Empfehlung

