„Das Rhizom selbst kann die verschiedensten Formen annehmen, von der Verästelung und Ausbreitung nach allen Richtungen an der Oberfläche bis zur Verdichtung in Knollen und Knötchen.
Im Rhizom gibt es das Beste und das Schlimmste: die Kartoffel, die Quecke, das Unkraut.“ So beschreiben Gilles Deleuze und Felix Guattari 1976 („Rhizome“) ein labyrinthisches Modell, in dem Bezüge nicht länger, wie im traditionellen Labyrinth, zwei- bzw. dreidimensional geschaffen werden können, sondern auf allen Ebenen, sozusagen unendlich, wie in einem Hypertext funktionieren.
Für den 1988 von Christian Bachler, Ursula Strauß und Leo Kreisel gegründeten KünstlerInnen-Verein Rhizom ist das biologische und von Deleuze und Guattari zum Modell der Postmoderne adaptierte Prinzip erklärtes Programm. Das um seine Gründer ständig erweiterte KünstlerInnen-Kollektiv bemüht sich seit nunmehr 18 Jahren einerseits um internationale Kulturaustauschprojekte, andererseits werden lokale Situationen – in den letzten Jahren vor allem im Bereich Jakomini – zum Thema künstlerischer Auseinandersetzungen gemacht. So inszenierte man etwa 2001 das „Jackson Real Roadmovie“ im Bereich der Jakoministraße, eine theatralische Aktion in Anlehnung an alltägliche und skurrile urbane Situationen mit unzähligen DarstellerInnen wie Zimmer suchenden Seemännern, geheimnisvollen Prominenten in Stretch-Limousinen und zwar nicht zu lokalisierenden, aber zu hörenden Ariensängerinnen. Oder: 1996 wurde an KünstlerInnen in Sarajewo ein Paket mit nummerierten Keilrahmen und 20 Einwegkameras mit der Bitte geschickt, ihre Arbeitssituationen zu dokumentieren und die Ergebnisse zurück nach Graz zu senden. Christian Bachler affichierte die eingelangten Fotografien auf den eigenen Arbeitsmantel (Foto) – und zeigte sich „geprägt“ von der Kunst.
Neben dem adaptierten „Hotel Rhizom“ bezog das Kollektiv seit 2001 acht Lokale in der Jakoministraße als Basis und Arbeitszentrale. Im bisher letzten, das mit Anfang August wieder aufgegeben werden muss, dem Rhizom im Donauland, präsentiert Rhizom nun anhand von Dokumentationsmaterial und Kunstwerken seine eigene Kunstgeschichte der vergangenen 18 Jahre. Eine Schau, die Anlass ist, die eigene Vergangenheit in neuem Arrangement Revue passieren zu lassen.
Eröffnet wird am Donnerstag, 27. Juli 2006, um 17.00 Uhr. Geöffnet ist die Ausstellung „lebend.geschichte.rhizom“ bis Samstag, 29. Juli 2006, jeweils von 17.00 bis 22.00 Uhr.
Programm + guided tour: täglich ab 20.00 Uhr.
Ausstellungsort:
RHIZOM im Donauland
Jakoministraße 15, 8010 Graz
T 0699/12040482
http://rhizom.mur.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Empfehlung
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