In der 3. Klasse Volksschule ist die Heimatumgebung – in diesem Fall die Stadt Graz – ein wichtiges Thema im Sachunterricht. In dem im folgenden beschriebenen Projekt wurde in einer Woche (4 Projekttage) das Thema Stadt aus architektonischer und städtebaulicher Sicht ergänzend zum aktuellen Unterrichtsstoff bearbeitet.
Projektziel war es, die Vorstellungen, Wünsche und Erfahrungen der Kinder zum Thema Stadt zu artikulieren und diese in einem eigenen Stadtmodell räumlich umzusetzen. Im Vordergrund stand die gemeinsame Verwirklichung „ihrer Stadt“ im Sinne des sozialen Lernens, wobei in begleitenden theoretischen Inputs immer wieder auf die Stadt Graz Bezug genommen wurde.
Die Auseinandersetzung mit der Komplexität einer Stadt und ihren Gestaltungsmöglichkeiten sollte sich auch in der Wahl der Methoden wiederfinden. Hier lag der Schwerpunkt auf der praktischen Arbeit in Kleingruppen, im partizipativem Ansatz und der Konsensfindung durch gemeinsame Abstimmung.
Begonnen wurde mit dem eigenen, privaten Raum. Dazu erhielt jedes Kind eine Vorlage, anhand derer es seine eigene Wohneinheit gestalten konnte.
Der Schwerpunkt lag hier auf der inhaltlichen Auseinandersetzung und der Identifikation mit ihrem eigenen Raum, der ja später ein Teil der gemeinsamen Stadt werden sollte.
Wichtig war hier auch die Thematisierung des Begriffes „privat“. Was heißt privat? Was darf ich hier? Wer darf bestimmen?
Anschließend gestalteten die Kinder - in Gruppen – ihren Stadtteil. Jede Gruppe erhielt eine definierte Stadtteilfläche, die nach Belieben bebaut werden konnte. Erste „Reklamationen“ kamen als die Kinder erkannten, dass die zu gestaltende Fläche im Verhältnis zur Anzahl ihrer Gebäude relativ klein war. Von einigen wurde daraufhin – individuell durchaus verständlich – der Wunsch nach „mehr Platz“ formuliert. Aber somit wurde Dichte als Merkmal städtischen Zusammenlebens erkannt.
Die einzelnen Stadtteile wurden schließlich zusammengefügt und gemeinsam beschlossen was in unserer Stadt noch fehlt, welche Gebäude bzw. was in unserem Stadtmodell noch realisiert werden sollte. Es kam zu einem richtigen Bauboom und teilweise wurden von den Kindern zuhause sogar noch weitere Gebäude gebaut, wie zB. eine Burg, für die nachträglich sogar der Stadtgrundriss erweitert werden musste.
Beim Einfügen dieser Gebäude in die Stadt wurde für jedes Gebäude der beste Platz gesucht und die Standorte auf ihre Eignung für bestimmte Funktionen diskutiert. Letztendlich erging es den Kindern wie vermutlich vielen Stadtplanern: Stadt ist einfach nie fertig!
Stadtexkursion:
Von mehreren Schulausgängen kannten die Kinder bereits einige architektonisch bedeutende Gebäude von Graz. In Vorbereitung der Architekturexkursion wurden in der Schule Fotos von ausgewählten Grazer Bauten gezeigt und ohne vorerst auf deren genaue Funktion einzugehen, ihr äußeres Erscheinungsbild besprochen: Welches Haus ist alt, welches neu, was ist ein modernes Haus, ein lustiges Haus, ein wichtiges Haus und woran erkennt man diese.
Für die Exkursion erhielt jedes Kind einen eigenen kleinen Stadtplan mit den Fotos der besprochenen Gebäude und gemeinsam ging es auf die Suche.
Schule: VS Feldkirchen, 3. Klasee
Lehrerin: Gabriele Verbosek
Expertin: Irene Gaulhofer
Ein Projekt im Rahmen des Programmes "RAUM spüren – (be)greifen – bauen" im Juni 2009
Verfasser/in: Irene Gaulhofer
- Verfasser/in:
- Irene Gaulhofer






