Land am Strome

Kommentar zum Bau zweier Staustufen im Landschaftsschutzgebiet Murauen Graz-Werndorf

15/02/2010

Kommentar zum Bau zweier Staustufen im Landschaftsschutzgebiet Murauen Graz-Werndorf.

Seitdem ein Sanierungsprogramm die Mur wieder zum grünen Fluss werden ließ, wurde

für die Grazerinnen und Grazer ein weiteres Stück Natur mitten in der Stadt wieder greif- und spürbar. Mit dem Bau der Muruferpromenade wurden Uferzonen neu gestaltet. Viele Stadtbewohner suchen seither ihre Lieblingsplätze am Fluss auf und entspannen sich. Auch im Fluss kehrte das Leben zurück. Eine erstaunliche Anzahl von Fischarten tummelt sich in der Mur mitten in Graz, darunter auch der in Österreich sehr selten vorkommende Huchen.

Vor den Toren der Stadt liegen die im Jahr 1981 zum geschützten Landschaftsteil erklärten Murauen.

Trotz der Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten Regulierung der Mur zählen sie zu den reichhaltigsten biogenetischen Reservaten mit zahlreichen unter Artenschutz stehenden Tieren und Pflanzen. Wegen der guten Anbindung an das Rad- und Fußwegenetz sind sie ein leicht und umweltfreundlich erreichbares Erholungsgebiet für 500.000 Menschen. Noch 2003 sollte dem mit öffentlichem Grünraum unterversorgten Grazer Süden mehr sanfte Nutzung des Naturjuwels ermöglicht werden. Bürgermeister Nagl gab sich damals überzeugt: "Es gibt so viele qualitätsvolle Plätze in dieser Au, die das zweitgrößte Augebiet in ganz Österreich ist, man muss sie nur entsprechend herzeigen.“

Damit ist nun wohl Schluss, denn der Ausbau der Wasserkraft an den letzten freien Fließstrecken der Mur hat Vorrang vor der Freizeitnutzung und dem Naturschutz. Zwei 13 km lange Streifen des Auwaldes werden für die beiden Staustufen Gössendorf und Werndorf der STEWEAG gerodet, insgesamt mehr als 50 ha. Die beiden Projekte sollen zwar in den Landschafts- und Naturraum integriert werden, verändern diesen jedoch mit negativen Auswirkungen auf Biotope und Ökosysteme, die Forstwirtschaft, das Landschaftsbild und die Wassersportnutzung. Im Zuge der Kraftwerksbauten wird der Mur beinahe das gesamte Wasservolumen für die Wasserkraft entnommen. Weniger als ein Prozent der Wassermenge wird der Rest-Au zugeführt - viel zu wenig, um ein hochkomplexes Ökosystem für die Zukunft zu sichern.

Da in Zeiten eines stetig wachsenden, aber nicht hinterfragten Energieverbrauchs die ausreichende Versorgung mit Strom Priorität genießt, überwiegt dieses öffentliche Interesse gegenüber dem Landschaftsschutz und somit der Erholung.

Berücksichtigt man die Zerstörung des Landschaftsbildes und die Verminderung der Erholungsfunktion, dann verliert die Wasserkraft als erneuerbarer Energieträger wohl ihre ökologisch „weiße Weste“. Denn Flusslandschaften sind in Österreich eine begrenzte Ressource, sind sie einmal wegen eines Kraftwerkbaus verbraucht, wachsen sie nicht mehr nach. Beeinträchtigt man für zukünftige Generationen ihre Wohlfahrtsfunktion - damit ist der Verlust an landschaftlichen Schönheiten und reichhaltiger Natur gemeint - dann ist ein weiterer Ausbau der Wasserkraft keine Lösung im Sinne von Nachhaltigkeit.

DI SUSANNE WECHTISCH lebt in Graz.

Architekturstudium an der Technischen Universität Graz.

Kreativnomadin in den Bereichen Malerei, Grafik und Fotografie.

Ausstellungen und Malreisen in Österreich.

Bevorzugte Themen sind Landschaften am Wasser, Stadtnatur

KONTAKT: susawe@gmx.at

Verfasser/in:
Susanne Wechtitsch
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Mithilfe eines Sanierungsprogramms wurde die Mur in den letzten Jahren wieder zu einem artenreichen Fluss, an dem man gerne Erholung sucht. Wie lange wird das noch möglich sein?
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Mithilfe eines Sanierungsprogramms wurde die Mur in den letzten Jahren wieder zu einem artenreichen Fluss, an dem man gerne Erholung sucht. Wie lange wird das noch möglich sein?
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Abholzung in den Murauen südlich von Graz
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Ausleitung für die Staustufe Gössendorf. Fotos: Susanne Wechtitsch

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