La Strada 2010 "Hitchhike the wind"

Der Film dokumentiert eine ungewöhnliche Reise von fünf jungen Leuten durch die Steppe Kasachstans mit einem alten Auto, das, mit Mast und Segeln ausgestattet, nur vom Wi

05/08/2010

Das Ziel der Reise, der Aralsee in Kasachstan, sieht man in dem Dokumentarfilm „Hitchhike the wind“ nicht. Man erfährt auch nichts über die Umweltkatastrophe des einst viertgrößten Binnensalzsees, der seit den 60er Jahren, bedingt durch die ausbeuterische Landwirtschaft zu Sowjetzeiten, austrocknet. Aber man sieht fünf abenteuerlustige, junge, bastelfreudige StudentInnen, die eine Idee hatten, nämlich Freiheit und Lebenslust zu suchen in einer zugrundegehenden Welt – und Sommerferien 2009 der anderen Art machten.

Die Route führte über rund 800 km von der kleinen, heruntergekommenen Stadt Akalyk in das Gebiet des ehemaligen Aralsees, der gegenwärtig aus zwei Hauptseen und mehreren kleineren Seefragmenten besteht. Die Landschaft der Steppenwüste war nicht nur die optimale, sondern auch kontrastreichste Kulisse für das Unternehmen. Das knallrot leuchtende Segel stach in der Wüstenlandschaft genauso heraus wie im Alltag der Einheimischen – durch Absurdität und Skurrilität kaum zu überbieten. Oder mit den Worten der Protagonisten ausgedrückt: „Die Reise mit einem Segelfahrzeug zu den Schiffswracks des Aralsees ist Synonym für den Spagat zwischen dem Lebenswillen des Individuums und der Vergänglichkeit des Seins.“

Die Surrealität besteht in der visuellen Mischung: die skurrile Vorstellung, mit einem Auto durch die Wüste zu segeln und dabei die harte unwirtliche Lebensrealität der Landbevölkerung Kasachstan wahrzunehmen. Gerade das macht die gelungene unterhaltsame und humorvolle Wirkung des Filmes aus.

Insgesamt vermittelt der Film sehr gut und unverblümt den täglichen K(r)ampf des Sommerurlaubs: Windflaute, sechs Reifenpannen auf 20 Kilometern, im Sand stecken bleiben, Tau- und Segelrisse, stundenlanges Leinenzopf flechten, monotones Hauptnahrungsmittel Reis mit Tomatensauce, Magenverstimmungen, lokale Spezialitäten, hoher Wodkakonsum, sprachliche Unklarheiten, Autopannen, Orientierungslosigkeit, Sprachbarrieren, zahlreiche Übersetzungsversuche etc.

Philosophische Lagerfeuererkenntnisse geben dem Film einen komischen Tiefgang, der zwischendurch so manche Erinnerung an eigene Erlebnisse weckt.

Das Ende des Filmes, das Ausbrennen des Wüstenseglers, überrascht und schockiert unser ökologisches Grundverständnis und lässt einen Vergleich mit den brennenden Autos bei Ausschreitungen, zuletzt in Griechenland, hochkommen. Ein versteckter Protest?

Am Schluss fragt man sich, ob man auch den Mut hätte, mit einer derartig abstrusen Idee in ein fremdes Land zu reisen? Den Mut, seine eigenen verrückten Ideen und Luftschiffe umzusetzen? Einfach für zwei Monate aussteigen – geht das noch? Oder ist man schon derart in der Realität gefangen, dass man nur mehr ein gutes Publikum für derartige Filme abgibt?

Für La Strada 2010 (30. Juli bis 7. August 2010) wurden zwei leicht abgeänderte Filmversionen erstellt, die auf jeweils einer Leinwand gleichzeitig abgespielt werden. Musikalisch begleitet werden die Vorführungen – unter der kompositorischen Leitung von Franz Schmuck – von Wolfgang Puschnig, Armin Pokorn und Juan Carlos Sungurlian.

Kinostart der Originalversion ist im Herbst.

TERMINE:

La Strada 2010: "Hitchhike the wind" (A, 2009)

Do 05.08., Fr 06.08, Sa, 07.08., jeweils 21:00 Uhr, im Augarten Graz.

ProtagonistInnen / Filmteam:

Nina Rath (Konzept, Kamera, Schnittassistenz)

Nikolai Friedrich (Idee, Konzept, Segelkonstruktion, Navigation)

Jan Zischka (Kamera, Schnitt)

Miriam Friedrich (Konzept)

Michael Friedrich (Idee, Konzept, Segelkonstruktion, Navigation)

Verfasser/in:
Petra Kickenweitz, Empfehlung

Weiterführende Links

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kickenweitz_la_strada_3.jpg
Filstill: www.hitchhikethewind.at
kickenweitz_la_strada_04.jpg
Filstill: www.hitchhikethewind.at

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