Arbeiten von Hartmut Skerbisch und Katharina Heinrich im Gironcoli Museum
Der Idee eines uneingeschränkten Kommunikationsraumes folgend, legte noch im Jahr 2007 der Verein kunstGarten im Grazer Dr.-Schlossar-Park das „Gartenlabyrinth“ nach Konzept und Entwurf von Hartmut Skerbisch an. Auf einer rechteckigen Rasenfläche von etwa 40 mal 60 Metern wurden 1900 Buchsbäume entlang einer komplexen Zirkelgeometrie gepflanzt, deren „generativer Ursprung“ eine „Bodenskulptur aus rostfreiem Stahl“ (Skerbisch) ist. Das damit bestehende Labyrinth ist initiale Struktur eines, dem Prinzip von Fraktalen vergleichbar, ideell endlos weiter zu führenden Systems. Und es ist die letzte, noch in seinem Beisein ausgeführte Arbeit des 2009 verstorbenen Künstlers.
Eine Hommage an Hartmut Skerbisch hat nun der Verein der Freunde des Gironcoli Museums bei Schloss Herberstein mit einer Sonderausstellung eingerichtet. In Anlehnung an eine zentralen Thematik seiner Arbeiten, der Durchdringung von Außen- und Innenraum, befinden sich vor dem Museumseingang zwei große Plastiken, der „Pythagoräische Baum“, eine Vorarbeit zu seinem „3D-Fraktal H/ortho“ und die „Sphäre 315“. Im Ausstellungsraum werden „Sphärencluster“, drei weitere „Sphären“, das „3D-Fraktal H/diagonal“, eine „Säule“ und Entwurf- und Konstruktionszeichnungen der Werke gezeigt.
Sinngemäß führte Rainer Fuchs zur Eröffnung aus, dass Skerbischs Arbeiten auf Analyse und Konstruktion basieren. Mittels mathematischer und geometrischer Methoden suchte er nach dem Systemischen im vermeintlichen Chaos und nach möglichen Freiräumen in Systemen. Um nun Fuchs wie Skerbisch nach meinem Verständnis zu paraphrasieren darf der durchaus gesellschaftskritische Hartmut Skerbisch in seiner Berufung als Künstler aber keineswegs als eine Art Anarchist im – oder gegenüber dem – wie immer gearteten Systemischen verstanden werden. Vielmehr basieren seine Plastiken auf Analysen geometrisch grundlegender Voraussetzungen, die in Vervielfältigung der gefundenen Struktur zu einer sukzessiven, fallweise proportionalen Erweiterung der jeweiligen Plastik und, darüber hinaus gedacht, des von ihm jeweils errichteten Systems führen. Am Beispiel der verschieden großen „Sphären“ vorgeführt heißt das, es handelt sich immer um eine proportionale Darstellung des Globus’ (die größte befindet sich im Außenbereich des Schlosses Kalsdorf bei Ilz und hat einen Durchmesser von über 20 Metern); interpretiert nach Mikrostruktur wäre die Analogie ein Atomkern mit Ladungsteilchen, nach Makrostruktur ein Planetensystem und so weiter. Skerbischs Plastiken sind also nicht als autonome zu verstehen, vielmehr als emblematisch sinnbildliche die, wie das „Gartenlabyrinth“, über die konkrete Materialität hinaus zu denken und in Vergleichen auch an gesellschaftliche Systeme angelegt werden können. „Kunst“, so eine dem entsprechende Sentenz von Hartmut Skerbisch, „ist ein Werkzeug zur Selbstbestimmung des Menschen.“ – Als Schriftzug in einem Leuchtkasten wird diese Aussage ab 13. Mai, 19.00 Uhr, am „Rastplatz K.U.L.M“ an der Bundesstraße 54 bei Pischelsdorf zu lesen sein.
Zugleich mit den Arbeiten von Hartmut Skerbisch sind im Herbersteiner Museum auch „Flechtwerke“ der Gironcoli-Schülerin Katharina Heinrich präsentiert. Wenngleich diese Netze aus Kautschukbändern gewissermaßen unwillkürlich wirken, liegt deren Modellierung dennoch eine strenge Gesetzmäßigkeit zugrunde. Im Dachgebälk des Museumsbaus von Hermann Eisenköck und über den Großplastiken von Bruno Gironcoli hängend, muten sie wie Einnistungen an – in einem merkwürdigen Kontrast zur Zimmermannsarbeit der Tragwerkskonstruktion.
Zu sehen ist die Ausstellung im Gironcoli Museum in Buchberg 1, St. Johann bei Herberstein, noch bis zum 20. Juni. www.gironcoli-museum.com
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Empfehlung
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