Während der Fahrt auf der B 54 Wechselbundesstraße, bei km 107,14 bis km 107,348 - Ortsende Gleisdorf, nach dem Kreisverkehr auf der Bundesstraße Richtung Hartberg, werden herkömmliche Sehgewohnheiten entlang gähnend langweiliger Lärmschutzwände kurzfristig durch Kunstgenuss unterbrochen. Ein Projekt der Künstler Alfred Resch und Arnold Reinisch.
Es ist immer ein besonderes Kunstereignis, wenn man dort auf sie trifft, wo man sie nicht vermuten würde: Kunst im öffentlichen Raum scheint hierzulande in den letzten Jahren ein wenig aus dem Blickfeld geraten zu sein. Umso bemerkenswerter ist es, wenn Autobahngesellschaften (die Asfinag veranstaltet Wettbewerbe zur Gestaltung von Autobahnabschnitten) oder wie in diesem Falle das Verkehrsreferat des Landes Steiermark die Initiative ergreifen. Als "Ausstellung mit jährlich fünf Millionen Besuchern" betitelte das Referat seine Pressemeldung und verweist damit schmunzelnd auf das Verkehrsaufkommen. Sichtlich zufrieden mit dem außergewöhnlichen 210m langen Stück und bis zu über 4m hohen Lärmschutzwand, zeigt sich auch Projektleiter Ing. Michael Mandl von der FA 18A (Gesamtverkehr und Projektierung).
Das Projekt der Künstler Alfred Resch und Arnold Reinisch, die sich in den letzten Jahren des Öfteren zu gemeinsamen Ausstellungen und Arbeiten treffen, und die mehr verbindet als die gleichen Anfangsbuchstaben ihrer Namen, nimmt Bezug zum Ort, zur Stadt Gleisdorf, die im Jahr 2001, gemeinsam mit Weiz, Ort der Landesausstellung "Energie und Umwelt" war und zudem den Titel "Solarhauptstadt Europas" erhielt.
Drei Gestaltungselemente beinhaltet die künstlerische Intervention: "+" und "-" sind reliefartig - vor- und zurückspringend - über den gesamten massiven Wandteil in unterschiedlicher Dichte verteilt und verweisen auf elektrische Polung, Energiepotential, Energiefluss als allgemein gültige und bekannte Zeichen, wie sie aus Physikunterricht, Batteriebezeichnungen und diversen Gerätebeschriftungen bestens geläufig sind.
Als zweites Gestaltungselement fungieren Bildtafeln, deren Inhalte mit Solarenergie in Zusammenhang stehen – z.B. Vergrößerungen von Solarzellen, Kristallstrukturen, die Sonne und dergleichen. Eine außergewöhnliche Interpretation des Mediums Bildtafel, das im herkömmlichen Kunstkontext zum kontemplativen Verweilen einlädt und hier, der Geschwindigkeit ausgesetzt, lediglich als kurzer "Blickfang" Einblicke in ein Metathema vermittelt.
Die Schall-Wall-Installation ist das dritte Gestaltungselement, eine Objektinstallation, die gleichzeitig den Titel der gesamten künstlerischen Intervention wiedergibt und die Begriffe Schall – Wall – All kombiniert. Die Installation zielt auf drei Bereiche ab: erstens auf das Begriffliche (Schall – Wall – All), zweitens auf die Tatsache, dass durch die Lärmschutzwand das dahinter Ausgeblendete in anderer Form wieder sichtbar wird, nämlich die nicht mehr sichtbare Nutzung des Wohnens. Symbolisiert wird dies durch die konzentrierte Verwendung von Satellitenantennen. Drittens entstehen unterschiedliche Bezüge zu Energie, Wellen und Information: Physikalisch gesehen ist Schall eine Welle - Schallwellen werden durch die Lärmschutzwand abgeblockt; die Antennen wiederum empfangen elektromagnetische Wellen, welche als Informationen gesammelt und durchgelassen werden. Der Bezug zum Solarthema ist die Energie aus dem "ALL", Strahlungswellen, die genützt werden.
Auch wenn sich die Bedeutungsebenen in der Geschwindigkeit des Vorbeifahrens nicht gleich erschließen, die Einladung zur Auseinandersetzung mit Kunst bereichert die Fadesse immer gleich aussehender Lärmschutzwandabschnitte.
Kurzbiografien
Alfred Resch, geboren 1962 in Graz, freischaffender Künstler; seit 1981: Malerei, Objekte, Fotografie; parallel dazu bis 1991 Ausbildung in Elektronik sowie Studium der Architektur.
Arnold Reinisch, geboren 1962 in Graz, freischaffender Künstler: Malerei, Fotografie, Skulpturen, Objekte, Installationen, Video, Design.
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer-Mmadu, Empfehlung
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