Zum ersten Mal wurden an der Architekturfakultät der TUGraz die besten Diplomarbeiten eines Studienjahres (September 2002-September 2003) von der fünfköpfigen hochkarätig besetzten Jury, bestehend aus Arch. Roman Delguan, Arch. Hans Gangoly, Prof. Kari Jormakka, Prof. Arch. Klaus Kada und Arch. Anna Popelka, ausgewählt und prämiert.
Die Wirtschaft (die Firmen A-Null, bene, Katzenberger, Porr und forbo) stellte Sachpreise zur Verfügung und bekräftigte ihr Anliegen, die positive Allianz von Wirtschaft und Universität weiterhin zu fördern.
28 Projekte von insgesamt ca. 250 Diplomarbeiten, hervorgegangen aus einer Vorauswahl der jeweiligen Diplomtermine - Arch. Inge Andritz, DI Eva Grubbauer, Dr. Brigitte Franzen zeichneten für die Vorjury verantwotlich - wurden der nochmaligen Analyse unterzogen: kein einfaches Unterfangen, behandeln Diplomarbeiten in der Regel von Studierenden frei gewählte Themen in einer ebenso frei gewählten Umsetzung, noch losgelöst von der Realität und ihren wirtschaftlichen und technischen Zwängen - sozusagen die finale Umsetzung von Wissen und Gedanken, erarbeitet in einer mehr oder weniger lange andauernden Auseinandersetzung mit Architektur, genannt Studium.
Und hier setzt die Kritik der Jury, vorgetragen von Klaus Kada an. Den meisten Projekten fehle es an Enthusiasmus, am lustvollen Entwickeln und am konsequenten Weiterdenken von guten Ideen und Gedanken, vielmehr fließe ein Gutteil der Energie in die Diplombücher, in die Produktion von "Hochglanzfolianten".
Das Eigentliche der Architektur, das Erkennen von Zusammenhängen, das Zuendedenken von Ansätzen, die Individualität, die Seele in der Architektur kommen in diesem Prozess zu kurz.
Diese Kritik richtet sich keineswegs bloss an die Studierenden, sondern angesprochen ist auch die mangelnde Kommunikation von Lehrenden und Studierenden, in weiterer Folge das Hinterfragen des Ausbildungssystems an den Universitäten - nicht nur Graz.
Die Kritik mindert auch in keinster Weise den Wert der Veranstaltung, vielmehr soll sie Ansporn sein für eine ebenso fundierte wie inhaltreiche und vorallem sinnliche Auseinandersetzung mit Architektur, denn Architektur greift wie kaum eine andere Disziplin direkt und unvermittelt in unser Leben ein und manifestiert die Befindlichkeiten einer Gesellschaft über Jahrhunderte.
Ein Appell an die Studierenden, eine Herausforderung für den GAD AWARD 2004!
Die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen GAD AWARD - GRAZER ARCHITEKTUR DIPLOM AWARD:
Dagmar Herbst, „Japanisches Bad“, Betreuerin: Ulrike Tischler
Ben Rinkens, „Produktions- und Wohngebäude an der Grunerstraße, Berlin – Mitte“, Betreuer: Roger Riewe
Eva Rossian, „El camino blanco / Der weiße Weg“, Betreuerin: Ulrike Tischler
Sonja Krug und Karl Heinz Putz, „Welcome to Egypt“, Betreuer: Joost Meuwissen
Fabian Wallmüller, „out of sight“ Urbanismus im Backstagebereich, Betreuer: Hrvoje Njiric
Die Ausstellung ist an Werktagen vom 10.10.03 bis 16.10.03 jeweils von 8:00 bis 17:00 im HS 2 öffentlich zugänglich.
P.S.: Auch für die Architekturtheorie scheint die Sinnlichkeit der Architektur wieder Thema zu sein, wie dies Hanno Rauterberg in seiner Rezension von vier neuen Anthologien zur Architekturtheorie bemerkte: "Erst in jüngster Zeit ist das Interesse an den unscharfen, von keinem Statiker zu berechnenden Kräften der Architektur wieder erwacht, erst jetzt erinnert man sich wieder der sieben Sinne des Menschen, fragt nach der Atmosphäre, dem Klang, dem Duft eines Hauses." (http://www.zeit.de/2003/42/LB-st-Arch-Theorie)






