Der steirische herbst 2004 steht unter dem Motto: ... Krise ist immer ...
Obwohl man "im Zeichen der Krise ein weites Feld betritt", wird Architektur heuer nicht thematisiert. Keine Fortsetzung der erfolgreichen Ausstellungstätigkeit - zur Erinnerung: die "Latenten Utopien" des Vorjahrs haben mehr Besucher angezogen als je eine Herbst-Ausstellung davor - kein Anknüpfen an die Diskussion um die wesentlich imageprägenden Bauten von 2003, kein Diskurs zu gesellschaftsrelevanten Themen der Architektur. Der Optimist schließt daraus, dass Architektur nicht in der Krise ist. Eine Schlußfolgerung, die so falsch nicht sein kann, denn nie zuvor war Architektur als Thema in den Medien so präsent und zu keiner Zeit wurde Architektur derart häufig als Corporate-Identity-Faktor be- und genützt.
Folgt man dem eigentlichen Wortsinn von Krise, lat. crisis, von "Scheidung, Entscheidung" oder auch "scheiden, trennen", dann wäre Architektur jedoch auch für den heurigen steirischen herbst ein Thema. Fragen nach dem Wohin der Architektur angesichts verstärkter ökonomischer und ökologischer Zwänge, nach dem Wie von Städtebau und Architektur im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen, Stadtflucht und Ausfransung der Stadtränder sind höchst aktuell, weil sie nach grundsätzlichen Entscheidungen verlangen.Vielleicht sind sie als Frage/Antwort in den zahlreichen anderen Programmen des Herbstes - in "Third Places" "junk space" "...ce qui arrive..." "Ökonomie" oder in "Bewegliche Teile" enthalten? Oder gar in "Gelegenheit und Reue", einer geplanten Ausstellung des Grazer Kunstvereins, die sich mit der Frage nach dem günstigsten Augenblick, eine Gelegenheit beim Schopf zu packen, beschäftigen wird?
- Verfasser/in:
- Karin Tschavgova
- Kommentar
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