Kopf-an-Kopf-Rennen beim Bau der Kinderkrippen Prochaskagasse und Schönbrunngasse

Aufgrund der Kindergarten-Bauoffensive wird derzeit in Graz mit Hochdruck am Bau zweier Kinderkrippen gearbeitet. Beide liegen im Zeitplan, beide sind Projekte der Grazer

24/06/2010

Mit Hochdruck wird derzeit in Graz am Bau zweier Kinderkrippen gearbeitet. Beide liegen im Zeitplan, beide sind Projekte der Grazer Bau- und Grünlandsicherungs GmbH (GBG). Die Projekte unterliegen einem enormen Zeitdruck, der ein Resultat der Kindergarten-Bauoffensive ist und Auswirkungen bis hin zur Bauweise der Gebäude nach sich zieht. Im Rahmen der Offensive schüttet das Land Steiermark erhöhte Förderungen für den Bau von Kinderkrippen und Kindergärten aus, sofern diese im Herbst 2010 übergeben werden können. Die Entscheidung zum Neubau zweier Kinderkrippen (in der Prochaskagasse und der Schönbrunngasse) fiel im Juni 2009. Der engagierte Terminplan bedeutete für die GBG somit eine Frist von nur 16 Monaten von der Freigabe des Wettbewerbes (inkl. Wettbewerbsauslobung, Planung und Bau) bis zur Fertigstellung. Die reine Bauzeit liegt bei schier unmöglichen sechs Monaten. Um die Realisierung der beiden Projekte zu ermöglichen, wurde bereits im Wettbewerb der kurzen Bauphase Rechnung getragen und die Holzbauweise mit einem hohen Grad an Vorfertigung festgeschrieben.

Nötig wurden die Bauten durch das zu geringe Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen in Graz. So sieht eine EU-Richtlinie Betreuungsplätze für 33 % der 0 bis 3-Jährigen vor. Derzeit liege die Deckung bei etwa 20 %, so Bmst. Ing. Rainer Plösch von der GBG.

Kinderkrippe Prochaskagasse

Planung: Arch. DI Hubert Wolfschwenger, Graz

Architekt DI Hubert Wolfschwenger gewann im Sommer 2009 den Wettbewerb zum Neubau einer Kinderkrippe für vier Gruppen in der Prochaskagasse in Graz-Andritz. Er setzte den Baukörper ganz bewusst nicht an den Rand des Grundstückes, wie in der Auslobung vorgesehen, sondern nahe zu den Bestandsgebäuden (einem Kindergarten, einem Schülerhort und einer Musikschule) am selben Grundstück. Diesen Schritt begründet Wolfschwenger zum einen mit der Stärkung des städtebaulichen Ensembles, zum anderen bringe der gewählte Bauplatz hochwassertechnische Vorteile (Vermeidung zusätzlicher Barrieren für abfließendes Wasser im Überschwemmungsfall).

Nach dem Wettbewerbsgewinn begann das Büro Wolfschwenger im Herbst 2009 die Planung und reichte das Projekt bereits im Dezember 2009 ein. Am 2. Juni 2010 wurde die Gleiche gefeiert.

Der eingeschossige Baukörper wird über ein zentrales, multifunktionales Foyer erschlossen, welches durch ein großzügiges Glasdach belichtet wird. Der Sonnenschutz soll hier durch eine außen liegende Screenanlage bewerkstelligt werden. Die Konstruktion wird, wie im Wettbewerb gefordert, in Holzbauweise ausgeführt. Die hochwärmegedämmte und hinterlüftete Außenfassade trägt zur Erreichung des Niedrigstenergiestandards bei. Die Heizung erfolgt parallel über Luft- bzw. Fußbodenheizung. Die Innenwände werden als Kreuzlagenholzplatten (KLH) teilweise in Sichtqualität ausgeführt, die Wände der Gruppenräume mit Gipskarton-Vorsatzschalen ausgekleidet. Auch die Einrichtung, deren Ausführung in Massivholz vorgesehen ist, wird von Wolfschwenger geplant. Als Übergang zum Außenraum verfügen je zwei Gruppenräume über eine gemeinsame, teilüberdachte Terrasse.

Baubeginn: Anfang 2010

Gleichenfeier: 2. Juni 2010

Baufertigstellung: Ende 2010

Projektkosten: 2,25 Mio Euro

Anzahl der betreuten Kinder: 56

Kinderkrippe Schönbrunngasse

Planung: Arch. DI Martin Strobl, Graz

Der Wettbewerb zum Neubau einer Kinderkrippe in der Schönbrunngasse wurde im September 2009 von Arch. DI Martin Strobl gewonnen. Der kompakte Baukörper wurde, nahe dem bestehenden Kindergarten, an den nordöstlichen Rand des Grundstückes gesetzt. Es soll möglichst wenig der wertvollen parkartigen Freifläche auf dem großzügigen Areal, welches demnächst auch den Neubau der Volksschule Mariagrün beherbergen wird, verloren gehen.

Der bewusste Umgang mit der Hanglage bewirkt die Aufteilung der Nutzflächen auf zwei Geschosse. Die fünf Gruppen sind – nach Südosten bzw. Südwesten orientiert – auf beide Ebenen aufgeteilt und verfügen jeweils über überdachte Terrassenbereiche als Übergang zum Außenraum. Der Hauptzugang liegt an der Nordostecke im ersten Obergeschoss. Über ein vielseitig nutzbares Foyer werden drei der Gruppenbereiche erschlossen. Der Bezug zum umliegenden Grünraum wird über großzügige Verglasungen sichergestellt. Zur Gewährleistung der Barrierenfreiheit wird ein Aufzug errichtet, der im Bereich des Personaleinganges die Ebenen verbindet.

Der Wettbewerbsauslobung Folge leistend werden Fassaden und Innenwände aus Holz hergestellt und zu einem überwiegenden Teil vorgefertigt. Ein Großteil der Holzelemente wird in Sichtqualität ausgeführt. In den Gruppenräumen werden akustisch wirksame Holzpaneele als Vorsatzschalen an den Wänden sowie Fichtenholzlamellen an den Decken verbaut. Die Böden in den Gruppenräumen werden aus Ahorn gefertigt, die Gangbereiche in Naturkautschuk.

Die Verwendung der beiden Holzarten Ahorn und Fichte setzt sich in der Einrichtung aus massivem Ahorn konsequent fort.

Das Gebäude wird über die Lüftungsanlage sowie eine Fußbodenheizung beheizt und erreicht „Passivhausstandard A+“. Im Bereich eines shedartigen Oberlichtbandes ist die Errichtung einer Photovoltaikanlage vorbereitet, die aber aus Kostengründen nicht zur Ausführung kommen soll.

Dem engen Zeitkorsett, das die Kindergarten-Bauoffensive vorgibt, muss auch im Büro Strobl Rechnung gezollt werden. Zum einen ist ein mit vier Mitarbeitern vergleichsweise großes Planungsteam am Projekt beschäftigt, zum anderen mussten alle Urlaube bis auf weiteres gestrichen werden. Dank des Engagements aller Beteiligten liegt auch dieser Bau bislang im Zeitplan.

Die Gleichenfeier erfolgt am 1. Juli 2010. (siehe GAT-Kalendarium).

Baubeginn: Anfang 2010

Gleichenfeier: 1. Juli 2010

Baufertigstellung: September 2010

Projektkosten: 2,75 Mio Euro

Anzahl der betreuten Kinder: 70 (Platz für Mädchen und Buben)

KONTAKT:

wolfschwenger_architekt

Arch. DI Hubert WOLFSCHWENGER

Brockmanngasse 118/III/24, 8010 Graz

T 0316/81 72 77, F 0316/81 72 77-4

h.wolfschwenger@aon.at

Arch. DI Martin Strobl

Schillerstrasse 47/2, A-8010 Graz

T 0316/38 84 00, F 0316/38 84 00-4

office@strobl-architektur.at

Verfasser/in:
Martin Brischnik, Bericht

Weiterführende Links

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Schaubild Kinderkrippe Prochaskagasse, Graz. Planung: Arch. DI Hibert Wolfschwenger, Graz
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Baustelle Kinderkrippe Prochaskagasse. Stand: Mitte Mai 2010. Foto: Büro wolfschwenger_architekt
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Gleichenfeier Kinderkrippe Prochaskagasse (2. Juni 2010). Foto: MB
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Gleichenfeier Kinderkrippe Prochaskagasse. Foto: MB
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Gleichenfeier Kinderkrippe Prochaskagasse. Foto: MB
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Gleichenfeier Kinderkrippe Prochaskagasse. Foto: MB
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Baustelle Kinderkrippe Schönbrunngasse. Stand: Mitte Mai 2010. Foto: Büro Strobl
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Baustelle Kinderkrippe Schönbrunngasse. Stand: Mitte Juni 2010. Foto: MB
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Baustelle Kinderkrippe Schönbrunngasse. Stand: Mitte Juni 2010. Foto: MB
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Baustelle Kinderkrippe Schönbrunngasse. Stand: Mitte Juni 2010. Foto: MB
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Baustelle Kinderkrippe Schönbrunngasse. Stand: Mitte Juni 2010. Foto: MB
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Baustelle Kinderkrippe Prochaskagasse. Stand: Mitte Mai 2010. Foto: Büro wolfschwenger_architekt

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