Konsequent schräg, experimentell, widerständig und offen

Die Minoriten in Graz feiern, am Freitag den 16.09.2005, ihren 30. Geburtstag.

14/09/2005

Die Minoriten in Graz feiern, am Freitag den 16.09.2005, ihren 30. Geburtstag.

Ein Warenhaus sollte es werden, ein Kulturzentrum ist es geworden. Ein Glück für Graz, dass die ursprünglichen Pläne, das baufällige Kloster dem Handel zu überlassen, nicht umgesetzt wurden. Und ein weiteres Glück, dass sich das katholische Multitalent Josef Fink (1941-1999) und der evangelische Theatermann Harald Seuter zusammenfanden, um gemeinsam die Marke Minoriten aufzubauen. Das kongeniale Duo schaffte es schon nach kurzer Zeit, am Mariahilferplatz eine der wichtigsten Adressen der Kunst und Gegenwartskultur zu etablieren. Das Mehrspartenhaus im Schnittfeld von zeitgenössischer Kunst, Literatur, Neuer Musik, Theater für junges Publikum, Tanz, Wissenschaft und Religion offeriert jährlich an die 150 Veranstaltungen. Die Minoriten, die bewusst nicht auf Besucherzahlen schauen und in ihrer Programmkonzeption auf Kontinuität achten, verfügen über ein Budget von 250.000 Euro pro Jahr. 70 Prozent kommen von Stadt, Land und Bund, 30 Prozent steuert die Diözese Graz-Seckau bei.

Nach dem frühen Tod des Künstlerseelsorgers, Autors und Maler Josef Fink im November 1999 hat Johannes Rauchenberger Anfang 2000 die Nachfolge angetreten. Unterstützt wird er von zehn Fachfrauen und Fachmännern, wie er sie nennt, und gemeinsam machen sie konsequent das, was sie für gut erachten: Widerständigem, Experimentellem, Schrägem, Offenem, Ungenehmem, auch Unangenehmem eine – durchaus prachtvolle – Präsentation zu bieten, „mit den Schwellen der Qualität und umgreifender Humanität“ ergänzt Bischof Egon Kapellari.

Zum 30er gibt es heute ab 19 Uhr ein „Fest mit Kunst und was sonst noch Leib und Seele zusammenhält“, sagt Rauchenberger, der mit einem vollen Haus rechnet. Er hat zuvor Literaten und Literatinnen gebeten, Texte, die die Zahl 30 an- und umspielen – wobei eine Minute Sprechdauer dabei nicht überstiegen werden soll – zu verfassen, Franzobel, Anna Nöst, Jacques Roubaud,Gerhild Steinbuch, Olga Flor, Alfred Kolleritsch u.a. sind dieser Bitte nachgekommen. Die kurzen Texte werden von Schauspielern vorgetragen. Es wird aber auch Uraufführungen – so genannte 1-Minuten Geburtstagsgrüße“´ von 22 Komponisten und Komponistinnen wie Beat Furrer, Georg Friedrich Haas, Gerd Kühr, Joanna Wozny, Elisabeth Harnik, geben, interpretiert von herausragenden Musikern, die dem Kulturzentrum besonders verbunden sind wie beispielsweise Sylvie Lacroix (artresonanztrio) oder Andreas Lindenbaum (Klangforum Wien). Kunst von Josef Finks wird ebenfalls zu sehen sein: der Stiegenaufgang zum Minoritensaal wird mit ausgewählten Werken des charismatischen Kirchenmannes behängt.

Verfasser/in:
Denise Leising, Empfehlung

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