Körper im Raum – Maria Lassnig und Liz Larner

Peter Pakesch und Adam Budak entwickelten für das Kunsthaus Graz eine Ausstellung mit neuesten Arbeiten von Maria Lassnig, in Korrespondenz oder Gegenüberstellung zu den

13/02/2006

Mit dem malerischen Prinzip von Körpergefühlsbildern der späten 1940er-Jahre hat Maria Lassnig eigentlich nie gebrochen. Dem Unverständnis, das ihrer informellen Malerei bis in die 1970er-Jahre entgegengebracht wurde, begegnete sie mit der zeitweiligen Abkehr vom Thema und benannte ihre Bilder nicht mehr, „als ich meine Knödel und Farbhaufen als ‘Selbstporträts’ behauptend, nur Hohn erntete“, wie Lassnig 1970 anlässlich einer Personale in der neuen Galerie Graz festhielt. Zeiten und Einsichten ändern sich bekanntlich. Nach Documenta- und Biennale-Teilnahmen und nach der Verleihung des Großen Österreichischen Staatspreises lautete der Titel einer Lassnig’schen „Wanderausstellung“, die 1989 auch in Graz zu sehen war, Mit dem Kopf durch die Wand. Der Ausstellungstitel entsprach dem einer Arbeit aus einer Werkreihe namens Innerhalb und außerhalb der Leinwand, in der sich Lassnig mit dem Durchbrechen der Leinwand mittels dargestelltem Körper in Bild-im-Bild-Situationen auseinander setzte.

Peter Pakesch und Adam Budak haben für das Kunsthaus Graz eine Ausstellung mit neuesten Arbeiten der 1919 in Kärnten geborenen Maria Lassnig entwickelt, in Korrespondenz oder Gegenüberstellung zu den plastischen Werken der 1960 in Sacramento, Kalifornien, gebornen Liz Larner. Den Künstlerinnen – die einander zuvor nicht bekannt waren, wie Lassnig in der Pressevorschau zur Ausstellung erwähnte – ist jedenfalls, und naheliegend, der Umgang mit der Raum-Problematik im Tafelbild an Grenzen zwischen Figur und Abstraktion beziehungsweise die skulpturale Konstruktion und Befragung des Raumes gemein.

Schon während ihres Studiums an der Akademie der bildenden Künste wich Lassnig in ihrer Farbästhetik von der damals kanonischen Ton-in-Ton-Malerei ab und entwickelte das von ihr als „senkrechtes“ oder „absolutes Farbsehen“ bezeichnete Prinzip, nach dem ihre Palette auf Primär- und Komplementärfarben basiert. Die formalen De- und Konstruktionen, vorwiegend am Selbstbildnis und in den 1990er-Jahren auch über die Darstellung von Hybridwesen variiert, transportieren deutlich psychosoziale und existenzielle Fragen. Auch in den aktuell gezeigten Arbeiten bleiben diese Untersuchungen in formaler und inhaltlicher Behandlung virulent, dafür stehen beredte Titel wie 3 Arten zu sein oder Trauer, beide aus dem Jahr 2004. Interessant die Interpretationshaltung Lassnigs gegenüber einer Arbeit aus dem Jahr 2005. Im Selbstporträt mit dem Titel Du oder Ich richtet die Lassnig-Figur eine Pistole an die eigene Schläfe, während sie eine zweite auf den Betrachter richtet. Im Radio-Interview zur Ausstellung kommentierte Lassnig dieses Bild lakonisch: Es bedürfte keiner Interpretation. Gleichwohl und vielleicht unbewusst nähert sie sich in diesem Bild aber einem Grundthema der Malerei und der Ungewissheit um eine Identität der dargestellten Figur als Abbild - oder wer, sollte man sich fragen, behauptet hier Du oder Ich. Der Rezipient gegenüber dem Bild oder die Autorin gegenüber dem Rezipienten und bezeichnet der Bildinhalt ein Gegenüber oder ein Selbst?

In den Plastiken und Skulpturen von Liz Larner findet Maria Lassnig beider gemeinsame Ausgangsbedingungen in der Beschäftigung mit dem Werk von Jackson Pollock. Was sich vormals aus einem zunächst gestischen Impetus entwickelte, geht in von Kalkül getragene Strukturierung über. Der Ausstellungstitel Zwei oder Drei oder Etwas spielt mit einem Werktitel von Liz Larner: 2 as 3 and Some Too (1997-98) ist eine plastische Konstruktion aus Stahlrohren in der sich zwei (?) unregelmäßige Kuben durchdringen, eine analytische Skulptur als Medium der Hinterfragung von Raumgrenzen und einer Erinnerung an konstruktivistische Tendenzen. Eine offensichtlich vormale Weiterentwicklung war in der Eröffnungsausstellung Einbildung des Kunsthauses Graz zu sehen, ein sich allen geometrischen Bezeichnungen entziehender Körper, beinahe Kugel, der aus der Durchdringung etlicher anderer Körper entsteht. Imposant die für den Space01 unter der biomorphen Blase adaptierte Großinstallation Chain Perspective Reflected (1992), eine mittels Stahlketten und Spiegel in den Raum gezeichnete Anordnung der Prinzipien der Zentralperspektive, zugleich Präsentation wie Repräsentation von Raum (Räumen) im Raum.

Im Rahmen der DIAGONALE 06 ist in einer Hommage an die Künstlerin Maria Lassnig deren filmisches Gesamtwerk in neu restaurierten Kopien zu sehen (www.diagonale.at).

Zwei oder Drei oder Etwas, Maria Lassnig und Liz Larner

04.02. - 07.05.2006

Kunsthaus Graz/Space01

Lendkai 1

Öffnungszeiten:

DI-SO 10.00-18.00 Uhr

Do 10.00-20.00 Uhr

MO geschlossen

Maria Lassnig Film Retrospektive

22.03.2006, 19:00 Uhr

KIZ - Kino im Augarten

Friedrichstraße 24, 8010 Graz

In Zusammenarbeit mit DIAGONALE 06

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Empfehlung

Weiterführende Links

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Maria Lassnig, 3 Arten zu sein, 2004, Öl auf Leinwand, 126 x 205 cm
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Liz Larner, I Thought I Saw A Pussycat, 1997-98
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Maria Lassnig, Du oder Ich, 2005, Öl auf Leinwand, 203 x 155 cm
lassnig_4__jungfrau_wizzards_foto_wm.jpg
Liz Larner, Reflector Wizards, 1992, Maria Lassnig, Eiserne Jungfrau und fleischige Jungfrau, 2004
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Liz Larner, Foto wm
lassnig_6__maria_lassnig_foto_wm.jpg
Maria Lassnig, Foto wm
lassnig_7__ausstellungsansicht7_kl_foto_kunsthaus.jpg
Liz Larner, Reflector, 1991
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Liz Larner und Maria Lassnig

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