Die aktuelle Ausstellung im MUWA - Museum der Wahrnehmung in Graz.
Das Phänomen der Bildproduktion und ein darauf aufbauender Realitätsdiskurs stehen im Mittelpunkt der Arbeiten von Klaus Schuster. Darauf verweist Dr. Werner Fenz bei seiner Rede zur Ausstellungseröffnung im Museum der Wahrnehmung. Unter dem Titel „selbstorganisation" wird die bisher umfassendste Ausstellung des 1964 in Voitsberg geborenen und in Wien lebenden Künstlers noch bis 21. Mai 2006 gezeigt.
Schuster beschäftigt sich in seinem Werk mit der Konstruktion von Räumen und der Herstellung einer virtuellen Form von Realität. Für einen flüchtigen Blick handelt es sich bei den Arbeiten um großformatige Fotografien. Nähert man sich aber den Bildern, entpuppen sie sich als computergenerierte Räume, menschenleer und bedeutungsschwanger. In ihrem Detailreichtum, ihrer dreidimensionalen Qualität und ihrer Ästhetik erinnern die Werke an virtual reality Computerspiele. Je wirklicher die Illusion, desto eher kann der/die BetrachterIn in eine eigens erschaffene Realität gezogen werden. Eine vergleichbare Faszination geht von Schusters weiteren Arbeiten aus, allein die Inhalte sind subtiler zugänglich: In einem Bild hängt die amerikanische Flagge schlapp von einer auf Hochglanz polierten Messingstange in einem spärlich beleuchteten Raum. In einem anderen spiegelt sich ein halbversunkener chromgrün glänzender Wohnwagen auf einer düsteren Wasseroberfläche. In einem weiteren sehen wir ein Megaphon auf türkisem Hintergrund, sonst nichts. Welche Bedeutungen kann der/die BetrachterIn in den Arbeiten finden? Jedes dieser Computerbilder wirft uns zurück auf eine Suche nach dem Sinn, in dem was das Bild erzählt – eine Suche, die nicht unbedingt befriedigt wird.
Bits und Bytes lassen diese Bildräume entstehen und damit eine bestimmte Form der Illusion – einen Hyperrealismus, der wahrer scheint als die Wirklichkeit. In ihrer verblüffend nah an die Realität anschließenden Wirkung erinnern die Bilder an die Tradition der flämischen Renaissancemalerei. Schuster schließt auf seine Weise an das damals beliebte Genre des Stilllebens an. Je mehr sich ein Bild an die Wirklichkeit annähert, desto bizarrer ist seine Beziehung zur Realität. Klaus Schuster erschafft eine eigene Bildrealität, ein virtuelles Raumgefüge, eine Fantasiewelt. Mit diesen Konstrukten gelingt es ihm, einen pointierten Kommentar zum Diskurs der verschiedenen Ebenen von Wirklichkeit abzugeben.
So gesehen kann seine Arbeit als Beitrag zu einer Analyse der Bildrhetorik gesehen werden. Das Bild, das so oft in den Medien als Beleg der Wirklichkeit vorgeführt wird, wird auf seine innere Struktur analysiert und dekonstruiert. In seinen Arbeiten gelingt es Klaus Schuster die Mechanismen der Realitäskonstruktion sichtbar zu machen und den/die BetrachterIn für einen Augenblick aus dem Alltag der Bilderflut heraus für die Wahrnehmung von Bildern zu sensibilisieren.KLAUS SCHUSTER / selbstorganisation
_ Ausstellungsdauer: 24.2.2006 bis 20.5. 2006
_ Öffnungszeiten: täglich außer Dienstag, von 14.00 Uhr bis 18.30 Uhr.
_ Ausstellungsort:
MUWA - Museum der Wahrnehmung
Friedrichgasse 41, A 8010 Graz
T +43 (0)316/81 15 99
F +43 (0)316/81 15 99-4
muwa@muwa.at
IM MICRO.KINO: Videoarbeiten von Klaus Schuster
Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft mit Texten von Werner Fenz, Manisha Jothady und Anselm Wagner. Dieses ist gratis zur Eintrittskarte erhältlich bzw. für Euro 3,50.-. Nach Ende der Ausstellung können Sie Begleithefte nach Verfügbarkeit im Rahmen von Workshops beziehen.
KURZBIOGRAFIE > KLAUS SCHUSTER
1964 geboren in Voitsberg.
Von 1985-90 studierte Schuster bei O. Oberhuber und E. Caramelle an der Akademie für angewandten Kunst in Wien. Der Künstler lebt in Wien.
1988 "glück auf", Schuhfabrik Köflach; "besucher", steirischer herbst, Graz und Kulturreferat München, Künstlerwerkstatt Lothringerstraße, München; 1994 "styrian window" Neue Galerie Graz; 1997 "pose to pose" in der Reihe Retina steirischer herbst, Graz, steirischer Foto- und Medienkunstpreis 1997; 2000 "auge: experiment" Kärntner Landesgalerie, Klagenfurt, "sentimental journey", mit W.W. Anger, ESC im Labor, Graz und Galerie Cult Wien; 2001 "barock virtuell" Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz; 2004 "der widerstand der fotografie", Camera Austria, Graz; 2005 Thomas K. Lang Gallery at Webster University, Wien, Galerie Fotoforum Bozen.
- Verfasser/in:
- Eva Martischnig, Empfehlung
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