Am 11. April 2005 wird das im Juni 2004 aus dem EU-weiten Architektenwettbewerb für den Bau eines Textil- und Industriemuseums in Augsburg als Sieger hervorgegangene Projekt des Grazer Architekten Klaus Kada der Öffentlichkeit präsentiert. Kada, zu dessen bedeutendsten Bauten das Festspielhaus in St. Pölten, die Stadthalle in Graz und die Europäische Akademie in Bozen zählen, konnte sich mit seinem Entwurf für das Museum in Augsburg gegen 160 Teilnehmer aus ganz Europa durchsetzten.
Der Architektenwettbewerb für das bayerische Textil- und Industriemuseum (TIM) wurde von der Stadt Augsburg bereits im Dezember 2003 als begrenzt offener einstufiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem EWR-offenen Bewerbungsverfahren zur Auswahl von 25 Teilnehmern ausgeschrieben. Zugelassen waren freischaffende, angestellte und beamtete Architekten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) sowie aus den Staaten der Vertragsparteien des WTO-Übereinkommens über das öffentliche Beschaffungswesen (GPA). Das Preisgericht tagte im Juni 2004.
Fachpreisrichter waren Prof. Ulrich Holzscheiter, Günter Billenstein (Stadt Augsburg), Dr. Peter Burianek (Regierung von Schwaben), Dr. Karl Demharter (Stadt Augsburg) und Gerhard Tham (Stadt Augsburg).
Ziel des EU-weiten Architektenwettbewerbs war die Erlangung eines Entwurfs für den Ausbau der ehemaligen Spinnerei- Weberei- und Lagerbebäude der Augsburger Kammgarnspinnerei zu einem Textil- und Industriemuseum (TIM), dessen Trägerschaft nach Fertigstellung der Freistaat Bayern übernehmen wird. Die Bauaufgabe bestand darin, durch ein entsprechendes architektonisches und gestalterisches Konzept für die genannten Gebäude und den Außenbereich optimale Rahmenbedingungen für einen Museumsbetrieb zu schaffen. Das TIM soll mit einer Gesamtfläche von 2.800 m² ein flexibles Museum darstellen, das nicht nur auf eine attraktive Dauerausstellung, sondern auch auf einen regen Sonderausstellungsbetrieb mit Begleitveranstaltungen setzt. Angestrebt wird ein internationales Ausstellungsprogramm in Zusammenarbeit mit den europäischen Partnermuseen. Anliegen des Auslobers war, bei den Planungen die Authentizität des ehemaligen Industriestandortes zu wahren, d. h., dass auch "unschöne" Elemente Bestand haben und Teil einer Konzeption sein dürfen, oder, dass neue Konstruktionen und Oberflächen einer hier zu definierenden Ästhetik folgen können. Der Bau soll in seiner Gestaltung für die städtebauliche Weiterentwicklung des ehemaligen Industreistandortes impulsgebend wirken.
Die Stadt Augsburg hat als Kostenobergrenze für die Gesamtkosten rund 6,3 Mio EURO festgelegt.
PROJEKTBESCHREIBUNG
(Auszug aus dem Juryprotokoll)
Der Verfasser löst die Erschließungsproblematik (Eingang im Osten, Signet im Westen) auf überzeugende Weise. Das über der Gebäudefuge zwischen Kopf- und Shedbau nach Westen auskragende Flugdach mit der darunter liegenden, bewusst industriell anmutenden Anlieferung dient als weithin sichtbare Ortsmarke. Der Haupteingang liegt niveaugleich zum Vorplatz und wird durch ein hoch aufragendes Kunstwerk betont.
Im Gebäudeinneren sind die Kasse und der skulptural gestaltete und frei in den Raum gestellte Multimediaraum mit umliegendem Café folgerichtig angeordnet und ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb. In Fortsetzung des Eingangs wird die Längsachse des Zwischenbaus als sinnfällige Fuge gesetzt. Sie ermöglicht dem Besucher eine leichte Orientierung und eröffnet gleichzeitig überzeugende Aus- und Einblicke beim Durchqueren. Die Arbeit verzichtet auf oberflächliche Effekte und ordnet die einzelnen Teile des Raumprogramms folgerichtig und schlüssig.
Die konzeptionellen Vorgaben sind optimal umgesetzt. Besonders fällt ins Auge, dass der Entwurf die thematischen Schwerpunkte den verschiedenen Gebäudezonen bestens zuordnet. Des Weiteren sind die konservatorischen Vorgaben und die Anforderungen an einen effektiven und ökonomischen Museumsbetrieb erfüllt.
Die Außenanlagen sind reduziert ausgewiesen. Aussagen zum Energiekonzept fehlen. Aufgrund der intensiven Auseinandersetzung mit den Museumsinhalten stellt die Arbeit einen herausragenden Beitrag dar und überzeugt durch ihre klare und spannende Erschließung.
PRÄSENTATION DES SIEGERPROJEKTES
Am Montag, den 11. April 2005, um 12:00 Uhr wird im Museumsgebäude der Augsburger Kammgarnspinnerei, anlässlich der Vertragsunterzeichnung für das Bauvorhaben, der Entwurf von Klaus Kada der Öffentlichkeit präsentiert.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
