Die Regierungsbilanz 2009 fällt trist aus: Zwölf Monate lang herrschten Stillstand und Realitätsverweigerung.
Sie haben noch einmal Glück gehabt, die Entscheidungsträger der Republik. Das stupende Milliardenkarussell, das durch die Finanzkrise in Bewegung versetzt worden war, täuschte monatelang über den Stillstand, der im Land herrscht, hinweg. Hätte allerdings während des größten Teils des abgelaufenen Jahres nicht die nackte Angst vor einer Kernschmelze des Wirtschaftssystems die öffentliche Aufmerksamkeit mit ihrem Bann belegt, es wäre selbst einem passionierten Ignoranten nicht verborgen geblieben, dass die österreichische Regierung einzig über eine Fähigkeit verfügt: die Unfähigkeit, politische Verantwortung zu übernehmen. Es wurden keine Entscheidungen getroffen, es wurden keine Initiativen gesetzt, es wurde kein Missstand erkannt, geschweige denn darauf reagiert. Einfach nichts. Totmannstellung.
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- Verfasser/in:
- Joachim Riedl, erschienen am 29.12.2009 in "DIE ZEIT"