Juryprotokoll WB_Chemieersatzgebäude 2. Stufe / 3. Bewertungsrunde

Die Stadtplanung weist in der 3. Bewertungsrunde der 2. Stufe darauf hin, dass alle Projekte die zulässige Bebauungsdichte von 2,5 überschreiten.

28/05/2004

Herr DI Pendl ersucht um Stellungnahme von Herrn DI Klinar. Herr DI Klinar erläutert

nochmals die städtebaulichen Randbedingungen. Desweiteren erläutert er die vorliegenden Projekte aus Sicht der Stadtplanung:

Grundsätzlich ist festzustellen, da durch sämtliche Projekte die max. zulässige

Bebauungsdichte von 2,5 entsprechend dem Flächenwidmungsplan überschritten wird.

Sowohl im Gutachten zur Ausschreibung, als auch im Protokoll zur ersten Stufe wurde

darauf hingewiesen, dass Überschreitungen im Bauverfahren nicht begründbar sein werden

und daher auszuschließen sind. Diesbezüglich besteht daher bei allen Projekten Handlungsbedarf.

4 Typen sind bei den vorliegenden Projekten grundsätzlich unterscheidbar:

1.) Der Riegel, der den U-förmigen Baukörper der Neuen Technik komplettiert

2.) Ein Projekt, das in der Stremayrgasse straßenbegleitend vis a vis des Hochhauses

reagiert.

3.) Der Einzelbaukörper, der losgelöst den Hof der Neuen Technik abschließt.

4.) Eine Auffächerung in Einzelbaukörper, die die Blickbeziehung in den Hof der Neuen

Technik auch zukünftig zulässt.

Projekt 1011

Dieses Projekt ist jenes, welches in Form des Solitärs abgelöst von der unmittelbar

angrenzenden Bebauung, eingefügt wird. Mit der 5-Geschossigkeit wird sowohl auf die

Höhenentwicklungen der Brockmanngasse reagiert, als auch in der Fernwirkung auf

die Giebelsituationen der Neuen Technik, die in diesem Fall noch erlebbar bleibt.

Durch das Ausschwenken in der gedachten Mittelachse der Neuen Technik wird

sowohl die Symmetrie als auch die Aufweitung des Raumes in der Stremayrgasse

aufgenommen.

Projekt 1013

Dieses Projekt ist der Riegelsystematik zuzuordnen, wobei als Reaktion auf das

Hochhaus in der Stremayrgasse diesem ein ebenfalls ein 11-geschossiger Baukörper im rechten Winkel gegenüber gesetzt wird. In der Brockmanngasse wird der Baukörper durch Abtreppungen gebrochen und auf dort vorfindbare Gebäudehöhen abgestimmt.

Projekt 1016

Dieses Projekt stimmt auf die örtliche Gegebenheit der zwei Giebelwände des

Komplexes der Neuen Technik ab und stellt an diese jeweils einen neuen Baukörper.

Ein dritter Baukörper wird mittig, die Achsealität des Altbau aufnehmend, platziert. Durch diese Haltung wird der Hof nicht abgeriegelt, sondern erhält lediglich einen Filter, der noch ergänzt wird durch die verbindenden Stege. Eine intensive

Verflechtung der einzelnen Straßen- und Innenräume ist dadurch gegeben.

Projekt 1017

Bei diesem Projekt wurde, der Anregung der Jury folgend, die Auskragung in der

Stremayrgasse zurückgenommen. Desweiteren wurde in der Brockmanngasse die

ursprünglich klare Zonierung in Form einer, zur Straße vorgesehenen Abstufung, nun

durch eine Abschrägung ersetzt.

Projekt 1038

Dieses Projekt ist im Wesentlichen, was die Baumassenverteilung und die städtebauliche Konzeption betrifft, gegemüber der ersten Runde unverändert – ausgenommen die Auskragung in der Stremayrgasse, welche kritisch beurteilt wurde, ist defacto entfallen.

Projekt 1041

In der Baumassenverteilung, in der städtebaulichen Ausformulierung ist dieses

Projekt gegenüber der Erstrunde im Wesentlichen unverändert. Der 6-geschossige

Baukörper mit noch zusätzlich aufgesetztem Technikgeschoss zieht sich prägnat und

ohne Zäsur von der Brockmanngasse bis zur Stremayrgasse durch. Wie schon im

Erstprojekt weicht der Baukörper in der Stremayrgasse zurück und reagiert so auf die

Resalitsituation der Neuen Technik. In der Brockmanngasse, wo die Situation aufgrund der historischen Umgebung noch vorbestimmter ist, geht der Baukörper jedoch durch bis an die Straßenflucht. Dadurch wird die anschließende Resalitsituation nur mehr durch die unterschiedliche Fassadierung erkennbar – der Neuteil ist sowohl in einer Flucht, als auch in einer Höhe zu diesem Altbestand. Der Anschluss zum 3-geschossigen, nachbarlichen Gründerzeithaus erfolgt durch Einfügung eines gesonderten Bindegliedes.

Herr DI. Murnig erläutert den Standpunkt des Bundesdenkmalamtes:

_ Projekt 1011

Aus denkmalpflegerischer Sicht scheint das Projekt unter Wahrung der Proportion in

Anlehnung an die Neue Technik genehmigungsfähig.

_ Projekt 1013

Die erklärte Ensemblewirkung des freistehenden neu geplanten Turmes kann aus

Sicht der Denkmalpflege nicht nachempfunden werden.

_ Projekt 1016

Die frei stehenden einzelnen Baukörper, verbunden mit Brücken und Stegen,

berühren keinerlei denkmalpflegerische Aspekte.

_ Projekt 1017

kein Kommentar

_ Projekt 1038

Aus Sicht der Denkmalpflege scheint das vorliegende Projekt auf die Traufenhöhe der

Neuen Technik reagiert zu haben. Das nicht dargestellte Technikgeschoss wäre im

Falle einer Prämierung im Detail und Maßstblichkeit abzustimmen.

_ Projekt 1041

Das Projekt überzeugt durch seine strenge strukturelle und formale Durchbildung.

Aus denkmalpflegerischer Sicht wird angemerkt, dass jedoch die Höhenentwicklung in direktem Verband mit der Neuen Technik problematisch ist. Hinzu kommt, dass das nicht dargestellte Technikgeschoss in die Höhe der bestehenden „Dreiecksgiebelzone" der Neuen Technik reicht und somit in seiner äußeren Erscheinung überproportional

empfunden wird.

Stellungnahme des Nutzervertreters Herr Prof. Hönig:

Ersatzbau, Wegelängen, haustechnische Klarheit sind wesentliche Kriterien.

_ Projekt 1011

Die runden Räume sind nachteilig für den Nutzer, wenngleich eine Büroebene für alle

als kommunikativ erachtet wird, jedoch sind die hohen Wegelängen problematisch.

1013 hohe Wegel ngen, Brandschutz Gesamtkonzept

_ Projekt 1016

Hohe Wegelängen, Brandschutz Gesamtkonzept

_ Projekt 1017

Haustechnische Probleme, die große Halle ist hinterfrgungswürdig

_ Projekt 1038

Es gibt keine technischen Einwendungen aus Sicht des Nutzers.

_ Projket 1041

Es gibt keine technischen Einwendungen aus Sicht des Nutzers, jedoch ist die

Flächenreduktion erläuterungsbedürftig.

Herr Dr. Koller ergänzt:

Zeitgemäße Laborbauten erfordern grundsätzlich drei zu berücksichtigende

Planungsgrundsätze:

1.) große zusammenhängende Geschossflächen

2.) ausreichende Trakttiefe

3.) neutrale haustechnische Erschließung

Diese Kriterien sind für die geforderte zukünftige Flexibilität ausschlaggebend.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist auch die Forderung nach Kommunikation im

hochschulischen Bereich. Herr Dr. Streicher schildert die Situation aus Sicht des Energieforums:

_ Projekt 1011

Dieses Projekt verfügt über einen hohen Glasflächenanteil, es wird daher mit

erhöhtem Heiz- und Kühlenergiebedarf (und Last) zu rechnen sein. Das

Haustechnikkonzept ist sehr allgemein beschrieben. Verglaste Dachflächen

benötigen Aussenverschattung (und Putzmöglichkeit des Glasdaches).

_ Projekt 1013

Fassade an sich unproblematisch. Haustechnikkonzept sehr auführlich. Erde als

kälte- bzw. wärmesenkend ist positiv zu werten (spart Kühltürme am Dach). Der

Turm verfügt über wenig Nutzflächen und einen vergleichsweise hohen Energiebedarf.

_ Projekt 1016

Diese Projekt ist aus energetischer Sicht wie Projekt 1011 einzuschätzen. Zusätzlich

kommt noch ein erhöhter Aussenflächenanteil.

_ Projekt 1017

Ist aus energetischer Sicht nproblematisch. Allerdings müssen auch die Ost- und

Westfassaden aussenliegende Verschattungselemente aufweisen.

_ Projekt 1038

Ist aus energetischer Sicht unproblematisch.

_ Projekt 1041

Ist aus energetischer Sicht unproblematisch. Haustechnikkonzept sehr ausführlich beschrieben.

Herr DI Dürhammer hinterfragt die Berechnungsmethodik. Dies wird seitens der Vorprüfung aufgeklärt und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Projekte alle anhand der vorliegenden Prüfpläne überprüfbar gewesen sind.

Gemeinsame Diskussion über Flächenvorgaben und Dichteergebnisse der Teilnahmebeiträge.

Die Teilnehmer der Altstadtsachverständigenkommission erläutern die Projekte aus ihrer

Sicht:

_ Projekt 1011

Gute Baumassengliederung, gute Einfügung in die Umgebung, reparable Mängel der

inneren vertikalen Erschließung. Aus Sicht des neuen Bauens im alten Bereich ist der

Hinweis auf die eigenständige Qualität hier gegeben. Die Flexibilität im Grundriss ist

durch das Anordnen einer horizontalen Kommunikationszone am besten gelöst. Es

fehlt jedoch die vertikale Beziehung zu den Laborebenen. Dieser Mangel wäre reparabel.

_ Projekt 1013

Dieses Projekt verfügt über eine klare Grundrissanordnung, wirkt jedoch zu

monumental. Wird seitens der ASVK mit großen Widerständen zu rechnen haben.

_ Projekt 1016

Ein Ansatz, der versucht das Schema des Laborgebäudebaues zu durchbrechen. Die

Zugangssituation ist bravourös gelöst. Die Verteilung der Baumassen wird begrüßt,

bleibt aber funktionell problematisch. Die Verbindungsgänge sind architektonisch

ohne Eleganz.

_ Projekt 1017

Das Projekt ist von Modismen geprägt und steht im Gegensatz zu den Bestimmungen

des Grazer Altstadterhaltungsgesetzes.

_ Projekt 1038

Die Darstellung verfügt über einen starken graphischen Ansatz. Bei genauerer

Betrachtung stellt dieses Projekt keinen spannenden Kontrapunkt dar, wie er auf

einem freien Umfeld entstünde.

_ Projekt 1041

Die konsequente Erfüllung des Raum- und Funktionsprogrammes erhält eine

dekorative Fassade, die Architektur wird zum Kleid. Wird seitens der ASVK als

umsetzbar erachtet, wobei hier hohe Anforderungen an die Fassade, an die

Anbindung, an den Altbestand und an die Höhenentwicklung des Neubaues gestellt

werden.

Gemeinsame Diskussion.

Mittagspause:

Beginn: 13:00 Uhr

Ende: 13:45 Uhr

Herr DI Pendl stellt den Antrag auf Abstimmung: Die Projekte 1011, 1038, 1041 sollen weiter betrachtet werden. Der Wahlvorschlag wird einstimmig angenommen.

Die Projekte 1013, 1016 und 1017 werden als Anerkennungspreise ohne weitere Reihung

ebenfalls einstimmig ausgewählt.

Gemeinsame Diskussion über die für die Preisränge in Frage kommenden Projekte.

Herr DI Pendl stellt den Antrag auf Abstimmung:

Die Projekte 1011 und 1041 sollen weiter

betrachtet werden.

Der Wahlvorschlag wird einstimmig angenommen.

Herr DI Pendl stellt den Antrag, dass das Projekt 1038 zum dritten Preis erklärt wird. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Herr Di Pendl stellt den Antrag auf Vertagung der Sitzung. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Ende dieser Jurysitzung um 16:30 Uhr.

Die Fortsetzung der Sitzung findet am Donnerstag, 27.05.2004 – 10:00 Uhr statt.

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Anerkennung: Projekt 1016, Arch. Heiler Geiger, Kempten (D)
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Projekt 1011: Wimmer + Wimmer, München/Gauting (D)
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Projekt 1038: DI Ernst Gieselbrecht, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)
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Projekt 1041: Zinterl Architekten ZT-GmbH, Graz (A)

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