JURYPROTOKOLL > STEIRISCHE ÖKO – LEHRLINGSBAUSTELLE entschieden

Das Juryprotokoll vom 9. März 2006 dokumentiert die Preisgerichtssitzung zum Wettbewerb für die Steirische Öko-Lehrlingsbaustelle.

19/03/2006

Protokoll zur Preisgerichtssitzung vom 9. März 2006

Zeit 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr

Ort: architekturbüro b+p, Brandhofgasse 10, 8010 Graz

TEILNEHMER

Preisgericht:

Arch. DI Christian ANDEXER, Fachpreisrichter/Vorsitzender (anwesend)

Arch. DI Johann GRABNER, Ersatz - Fachpreisrichter (anwesend)

Arch. Mag.arch Johannes Axel JUSTIN, Fachpreisrichter / stellvertr.VS. (anwesend)

Dipl. -Ing. Paul BITZAN, Ersatz – Fachpreisrichter (nicht anwesend)

Dipl. -Ing. Josef KOPPELHUBER, Sachpreisrichter - Schriftführer (anwesend)

DI Dr. Techn. Michael VATTER, Ersatz - Sachpreisrichter (nicht anwesend)

Dipl.Komm.Kaufmann Robert MÖRTH, Sachpreisrichter, anwesend

Anita BRÄUNLICH, Ersatz – Sachpreisrichter (nicht anwesend)

Hofrat DI Dr. Wilhelm HIMMEL Sachpreisrichter (nicht anwesend)

Robert RITTER Ersatz - Sachpreisrichter (anwesend)

Berater des Preisgerichts (ohne Stimmrecht):

DI Johannes FECHNER Klima:aktiv haus Bildungskoordinator (anwesend)

Mag. Armin RUHRI, Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten

Stmk / Ktn. (anwesend)

Vorprüfung: Arch. DI Ulrike BOGENSBERGER

09:15 Uhr: Begrüßung / Eröffnung:

Arch. Andexer begrüßt alle Anwesenden und eröffnet die Preisgerichtssitzung. Er stellt die Beschlussfähigkeit fest und befragt die Juryteilnehmer bzgl. ihrer Unbefangenheit. Diese wird von allen Jurymitgliedern bestätigt.

Des Weiteren weist er nochmals auf die Verschwiegenheitspflicht aller Anwesenden während des gesamten Verfahrensablaufs bis zum Vorliegen des Wettbewerbsergebnisses hin und erklärt den geplanten Ablauf der Preisgerichtssitzung. Die Tagesordnung wird von allen zustimmend zur Kenntnis genommen.

Übergabe des Vorprüfberichtes

Der schriftliche Vorprüfbericht wird durch Frau Arch. Bogensberger an alle Jurymitglieder verteilt.

Der Bericht beinhaltet die Erklärung der Vorprüferin mit Aussagen zur Erfüllung der Kriterien des Allgemeinen Teils der Ausschreibung und der Einhaltung der Wettbewerbsbedingungen.

Weiters beigelegt sind:

- Diagramme der wesentlichen Kenndaten aller Projekte

- Eine nicht wertende, projektbezogene Kurzcharakteristik an Hand der wesentlichen Ausschreibungskriterien und Entwurfsabsichten

- Eine bildliche Darstellung der eingereichten Präsentationsblätter

Vorprüfungsbericht allgemeiner Teil (siehe Vorprüfungsbericht)

Jedes der 6 Wettbewerbsprojekte wurde von der Vorprüfung anonymisiert.

Arch. Bogensberger führt an, welche Daten der Projekte überprüft wurden.

Vorprüfungsbericht /Projektbezogener Teil

(siehe Vorprüfungsbericht, Arch. DI Bogensberger)

Zusammenfassend wird festgestellt, dass alle Arbeiten den Anforderungen der Ausschreibung entsprechen und daher gewertet werden können.

Preisgerichtssitzung im Detail

Arch. Andexer verliest zur Erinnerung die Beurteilungskriterien, nach denen das Preisgericht zu werten hat.

Im Anschluss wird ein erster gemeinsamer Sichtungsdurchgang durchgeführt.

Nach einer Pause folgt ein Bewertungsrundgang jedes einzelnen Jurors unter Bedachtnahme seiner fachlichen Kompetenz innerhalb des Gremiums und unter Berücksichtigung der Anforderungen laut Aufgabenstellung. Die Jury versucht in der Diskussion die verschiedenen Ansätze in Bezug zum gewählten System, der statisch konstruktiven Lösung, der Erfüllung des nachhaltigen Anspruchs, der Raumoptimierung und der innovativen Idee mit den entsprechenden Vorteilen der dargestellten Lösungsansätze herauszuarbeiten.

Systeme, die mehrere Orientierungen anbieten, eine Mehrfachnutzung ermöglichen, erscheinen dabei als interessante Optionen.

Den Freibereich mitzudenken wird kontroversiell diskutiert. Dabei wird – insbesondere bei den Wohnnutzungsangeboten – hinterfragt, ob allen Anforderungen des Wohnens Genüge geleistet werden muss. Festgestellt wird, dass der erste Lebensraum der Box eine Messehalle ist.

Eine gut durchdachte Innenraumwelt kann, muss aber nicht additiv zur Außenwelt zugeschaltet werden können. Weiters wird über die Logistik der Haustechnik, die damit erzielbare Energiebilanz, über die konstruktive Schlüssig- und Machbarkeit und die grundsätzliche Lösbarkeit bis hin zur Baureife beraten.

Auch die funktionalen Zusammenhänge werden eingehend untersucht, wobei auf die Angemessenheit der eingesetzten Mittel und die Maßstäblichkeit der damit erreichbaren Ergebnisse besonderes Augenmerk gelegt wird. Dabei wird auch auf die Marketing-Strategie mit der Anforderung einer anschließenden Bespielung für die Roadshow, bzw. die mögliche Nachnutzung Wert gelegt. Wie glaubwürdig, bezogen auf die Aufgabenstellung, sind die Projekte nachnutzbar bis hin zum Verkauf? Gewollt ist eine klare Aussage zur Baukultur, die Benutzbarkeit der Box assoziiert als positive Wahrnehmung.

Erster Bewertungsdurchgang:

Nach dieser eingehenden Auseinandersetzung zu jedem Projekt stellt der Vorsitzende den Antrag, den Projekten 01, 03, 05 ohne Reihung die Anerkennung auszudrücken.

Dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Somit bleiben die Projekt 02, 04, 06 in der engeren Auswahl und gemäß Auslobung in der Preisgeldkategorie.

Nach einer weiteren Pause folgt eine eingehende und weit reichende Diskussion unter Bedachtnahme der Anforderungen laut Beurteilungskriterien wie

• Schlüssigkeit von Form und Konstruktion

• Realisierbarkeit durch Handwerker und Lehrlinge,

• Umsetzung im engen Zeitkorsett,

• Angebot des Niedrigenergiehausstandards mit gut gelöstem Ansatz,

• Anspruch eines „Lehrbeispiels“,

• Spielerische Umgangsweise mit dem Thema bei gleichzeitig erkennbar innovativer Idee

• Erkenntnisse aus Sicht der Nachhaltigkeit

Preisrangwertung

Nach Abschluss dieser Diskussion stellt der Vorsitzende den Antrag, das Projekt Nr. 02 für den 1. Platz vorzuschlagen. Der Antrag wird einstimmig angenommen.

Der Vorsitzende Stellvertreter stellt weiters den Antrag die Projekt Nr. 04 und 06 ex äquo für den 2. Platz vorzuschlagen. Auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Preisgeldausschüttung

Der Vorsitzende stellt zur Ausschüttung der Preisgelder folgenden Abänderungsantrag:

1. Preis € 2.000,--

2 X 2. Preis € 1.250,--

3 X Anerkennungen a’ € 750,--

Auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Abschluss der Preisgerichtssitzung

Der Vorsitzende bedankt sich bei den Jurymitgliedern und den beratenden

Mitgliedern für das klare und einstimmige Ergebnis. Auslober und Architekten haben konfliktfrei zusammengefunden und aus den auf hoher Qualitätsstufe angebotenen Beiträgen das beste Projekt ausgewählt. Neben den architektonischen Aspekten ergaben die Beiträge der vertretenen Fach- und Sachjuroren für Holzbaustatik, Energie, Ökologie, und Marketing eine sehr interessante Diskussion und Bewertung.

Er bedankt sich auch bei der Verfahrensorganisation, beim Auslober und der Schriftführung für die sehr gute Vorbereitung und Begleitung innerhalb des gesamten Wettbewerbverlaufs.

Die Verfasserkuverts werden geöffnet, der Vorsitzende verständigt telefonisch die 3 Preisträger.

Ende der Jurysitzung 15.00 Uhr

PROJEKTBESCHREIBUNGEN

Projekt 01

Verfasser: Architekt DI Johannes HABERL, Pöls > Anerkennung

Statisch müssen großflächige Elemente hergestellt werden, um der Herausforderung dieses Projektansatzes Genüge zu tun. Um die Querwände aussteifen zu können, sind steife Seitenteile denkbar.

Das System ist in Tafelbauweise, nicht in Skelettbauweise gedacht. Die Rahmen bilden nicht das Tragsystem. Die I-Träger bilden nur das Umgebungssystem für die Wärmedämmung. Die Füllhölzer werden dominant präsentiert, haben aber keine wesentliche statische Funktion. Das dargestellte System kommt einer KLH – Lösung sehr nahe. Das Preisgericht bemängelt, dass das Dargestellte konstruktiv nicht fertig gedacht wurde.

Für den Transport wird die Verformung der Glasscheiben entlang der Fassadenfront problematisch gesehen. Auch die überstehenden Gläser wären höchst gefährdet beschädigt zu werden. Die Transporthalterungen müssten noch optimiert werden.

Aus Sicht der Nachhaltigkeit würde dieses Projekt im Bereich der Entsorgung jedoch kein Problem darstellen. Es ist sehr gut dargestellt, wie dieses Objekt funktionieren könnte. Darstellung und konstruktive Logik kontrastieren sich.

Die Grundrisslösung wird mangelhaft beurteilt, da die funktionale Innenraumabfolge nicht sehr attraktiv gelöst erscheint. Problematisch werden auch die Stahlstützen in einem derartig kleinen Raum beurteilt, da dabei der Anspruch nach Raumoptimierung mangelhaft ist. Weiters sind Maßnahmen, die der sommerlichen Überwärmung entgegen wirken müssen nicht dargestellt. Die Glasindustrie bietet zwar Ansätze mittels Spezialbeschichtungen, jedoch wird für diese angebotene

Glasgröße ein entsprechender Sonnenschutz immer erforderlich sein.

Eine fehlende Zuschaltung des Außenraumes wird innerhalb der Jurymitglieder kontroversiell diskutiert. Bemängelt wird die Reduktion auf die Aufgabenstellung, es ergibt sich dabei „Nur“ das Projekt - keine Philosophie.

Zusammenfassend wird das technisch Gelöste zwar respektiert, aber das Innovative vermisst.

Projekt 02

Verfasser: Architekt DI Franz EDERER, Graz > 1. Preis

Statisches Konzept

Die Außenfassade sowie die Dach- u. Bodenplatte sind statisch als Scheiben konzipiert. Diese Scheiben bestehen aus einer Riegelkonstruktion und beidseitigen Beplankungen. Als Beplankungen werden außen 3 – Schicht – Platten u. innen OSB- Platten verwendet.

Die links- und rechtsseitig liegenden Boxen - fixe Teile – beinhalten die Technik – das ist eine sehr interessante Lösung. Diese Boxen wirken wie ein statischer Endrahmen. Das Objekt baut auf diesen beiden Bausteinen auf, welche im Rahmen der Schaubaustelle einen didaktischen Mehrwert besitzen.

Im Dachbereich umlaufend benötigt die Box einen Holzrost als aussteifendes und Wasser führendes Element. Aus der Plangrafik ist nicht eindeutig ablesbar, ob der dargestellte Holzrost an dem die Sonnenkollektoren und Photovoltaikzellen angebracht sind, gleichzeitig auch dieser

aussteifende Rost sein könnte.

Zu bedenken ist, dass die vorgeschlagene Systemlösung mit hydraulischen Stützen relativ kostenintensiv sein würde. Auch durch diesen Projektverfasser wird der direkte Bezug zum Außenraum nicht geschaffen. Der Raum sperrt sich zur Umgebung. Zu befürchten ist, dass wenig Licht in den Wohnraum gelangt. In einem Wohnzimmer wünscht man sich grundsätzlich eine Verbindung zum Außenraum. Diskutiert wird daher, ob eine Wohnnutzung immer allen Anforderungen des Wohnens genügen muss, oder ob man als „Starter“ auch Grundstücke bebauen würde, wo die Situation des Außenraumes nicht optimal ist?

Man einigt sich, dass eine Holzbox nicht allen Ansprüchen gerecht werden muss, sie ist eine Mobilie.

Das Projekt geht von einer Innenraumwelt aus, was der Thematik als Ausstellungsobjekt sehr gut gerecht wird. Für die Nachnutzung bleibt diese Nachnutzung von ihrer Orientierung in der Natur flexibel, da nicht ausschließlich eine Seite als Aussichtsseite definiert ist.

Energie

Zum System der Heizung ist ein Kompaktlüftungsgerät vorgesehen. Der für die angedeutete thermische Solarnutzung erforderliche Warmwasserspeicher könnte sich darüber befinden wobei ein Speicher von zumindest ca. 200 l Speicher in der dargestellten Technikzentrale durchaus Platz finden sollte. Auf die Frage, ob für eine derart kleine Einheit eine Photovoltaikanlage überhaupt sinnvoll wäre wird erwidert, dass in dieser Situation der Anspruch eines in der Grundfunktion autarken Systems gerechtfertigt ist.

Das energetische Konzept ist nachvollziehbar. Sollte der Passivhausstandard weit verfehlt werden, so wäre allerdings die angedeutete Luft / Luft – Wärmepumpe in der kalten Jahreszeit nicht als besonders günstige Lösung zu beurteilen.

Das Thema der sommerlichen Überwärmung erscheint aufgrund der Voraussetzung, dass die Fassade eine typische Lochfassade ist beherrschbar. Der Idee entspricht die Wahl der Mittel.

Innenraum

Das Angebot des Innenraums mit den zuschaltbaren Fensterflächen erzeugt eine gezielte Ausguck Situation in die Außenwelt. Es ergibt sich ein gutes Raumerlebnis, das statisch korrekt angedacht wurde, es sind jedoch zusätzliche Statische Maßnahmen zu setzen.

Das Thema der Holzröhre ist klar verständlich, die innere Mobilität der „Mobile“ entspricht dem Grundkonzept.

Herstellung / Bauablauf

Die Tragstruktur der Box müsste vor dem Transport fertig gestellt werden, die Außenhaut und die Innenhaut könnten im Zuge der Schaubaustelle auf der Messe hergestellt werden. Dies entspricht der Anforderung als Lehrbaustelle.

Grundsätzliches

Funktionell wird der Beitrag als sehr gut gelöst beurteilt und als baukultureller Beitrag verstanden.

Der Ansatz ist durch dieses Projekt im Fluss (ist nicht nur statisch gedacht). Viel Potential liegt in der Flexibilität der Nutzung. Auch für das Marketing ist es sehr gut geeignet, da es als innovative, gut präsentierbare Lösung verstanden werden kann. Es funktioniert in der nachfolgenden Roadshow sehr gut.

Der Projektverfasser hat sich am meisten mit dem in den Unterlagen festgehaltenem Briefing auseinandergesetzt.

Empfehlungen des Preisgerichtes zur Weiterbearbeitung des Siegerprojektes:

• Die Gebäudequalitäten sind entsprechend den klima:aktiv:Kriterien darzustellen. Dabei sind insbesondere die Anforderungen des Heizwärmebedarfs rechnerisch nachzuweisen.

• Sollte auch der Passivhaus - Standard erreicht werden, was im Sinne des Demonstrationsvorhabens auch sinnvoll wäre, dann wäre auch diese nachvollziehbar darzustellen (Nachweis entsprechend Passivhaus Projektierungspaket PHPP

• Dem Konzept der flexiblen Innenraumgestaltung fehlt der adäquate Bezug zur Außenwelt. Die angebotene Flexibilität des Innenraumes sollte in der Außenhülle in einer vertieften Bearbeitung erzielt werden. Die Außenbeziehung wäre also in Ihrer Flexibilität nochmals zu überdenken und einer künftigen Wohnnutzung anzupassen. Grundsätzlich sollte sich der Baukörper stärker zur Aussicht öffnen und mehr natürliches Licht ins Innere

bringen.

Projekt 03

Verfasserin Architektin DI Christa ZACH, Graz > Anerkennung

Formal wurde diskutiert – warum man eine Schachtel baut, wenn man eigentlich einen Freiraum haben möchte. Das Projekt könnte nur dann sinnvoll argumentiert werden, wenn man sich den Luftraum z.B.: über einer Wasserfläche aneignen möchte.

Konzeptiv widersprüchlich ist, dass man für eine Holzbox einen Stahlrahmen als Tragsystem benötigt. Die dargestellte Variante wäre enthält Kältebrücken, was zu Wärmeverlusten führt. Ein Stahlrahmen ist vor allem im Sinne der Nachhaltigkeit keine gute Lösung, Holz hätte hier

Vorteile.

Es wird statisch angezweifelt, ob ein 200 mm hohes Stahlprofil diese Tragstruktur überhaupt bewältigen könnte. Das Projekt müsste erst konstruktiv gelöst werden und wäre kein wirklich taugliches „Lehrbeispiel“.

Die Vakuum – Röhrenkollektoren befinden sich am neuralgisch sensibelsten Punkt der Box. Beim Heben würden diese sehr hochspröden Kollektoren voraussichtlich leicht beschädigt werden können.

Das Lignatur – Holzsystem benötigt wenig Holzmasse bei gleichzeitig ausreichender Dämmwirkung durch das dazwischen liegende Luftpolster (Hohlkastenelement). Die Luft ist dabei ein wertvoller Puffer für die Wand. Bei Durchführungen für die technische Infrastruktur ist das gewählte

System jedoch problematisch.

Der vorgeschlagene Freiraum, definiert durch die Kollektoren und Lamellen, Boden und Decke vermittelt eine „Eingesperrtheit“, die diesen Freiraum in Frage stellt.

Es müssten zwei Hüllen gebaut werden – eine dichte Außenhülle und eine warme Innenhülle, wobei die Winddichtheit immer von außen garantiert erfüllt sein müsste. Die richtige Wahl der Mittel sowohl von der konstruktiven Logik, als auch im Umgang mit der räumlichen Ausprägung erscheint nicht schlüssig gelöst.

Projekt 04

Verfasser: Architekt DI Adolf SCHMÖLZER, Graz > 2. Preis

Das Projekt zeichnet der leichte Ansatz, der Dominogrundriss aus. Die spielerische Umgangsweise zum Thema, - das Projekt lässt auch einen Bezug zum Außenraum zu, - wirkt frisch. Ein starker Gestaltungswille ist erkennbar. Die Lösung mit der Einbaumöblierung als Tragstruktur lässt an diesem Projekt die innovative Freude erkennen.

Die Verknüpfung zwischen, geschlossenen und offenen Innenräume entspricht der konstruktiven Logik. Für die Nachnutzung ist das Objekt variabel in der Gebäudestellung.

Konstruktiv ist die Ausformulierung der Box noch nicht schlüssig. Die geschlossen dargestellten Teile könnten – ähnlich wie beim Projekt 02 – die statischen / aussteifenden Funktionen übernehmen. Es sind allerdings keine Konsequenzen der statischen Abwicklung dargestellt. Der Ansatz ist lösbar. Der Bauprozess wäre rasch umsetzbar, die Querscheiben funktionieren sehr gut. Die offenen Innenraumzonen müssten im Dachbereich stärker als dargestellt konstruktiv ausgebildet werden, z.B. durch Einhängen von Elementen. Das Projekt ist für eine Baureife gut entwickelbar.

Welche baulichen Elemente es gibt ist als interessante Option dargestellt.

Die emotionale Erweiterung des Raumes durch die klappbaren Elemente ist ein atmosphärisch angenehmer Ansatz. Gelöst werden müsste aber, wie lange die klappbaren Elemente mangellos in Funktion sein würden.

Nicht klar aus dem Plan ablesbar ist wo sich der Bereich der Haustechnik befindet und wie die vorgeschlagene Wärmepumpe akustisch bewältigt werden würde. Das Energiekonzept erscheint noch nicht gelöst.

Ebenfalls nicht klar ablesbar ist, wie der Transport der Box wirklich funktionieren könnte. Eine Möglichkeit bestünde während des Transportes aussteifende Elemente einzusetzen.

Die Kiste wurde innen aufgelöst, nicht jedoch von innen nach außen gedacht.

Für den gesamten handwerklichen Ablauf und für den noch ausstehenden Planungsprozess verbergen sich in diesem Projekt Unsicherheiten. Allerdings wird dem zugute gehalten, dass das Ergebnis im Verkauf (Nachnutzung) gut geeignet ist.

Projekt 05

Verfasser: Architekt DI Christian MEIER, Graz > Anerkennung

Das Projekt stellt eine begehbare Skulptur dar – das Körperhafte wurde positiv von der Ladefläche eines Sattelschleppers unabhängig gedacht. Für das Wohnerlebnis einmal anders zu denken ist zulässig. Der Turm stellt eine ganz andere Facette, die durchaus spannend sein könnte, dar. Die Philosophie, das Thema neu zu kreieren, ist nachvollziehbar was aber noch nicht gelöst erscheint ist die Machbarkeit.

Das technische Verständnis ist aus diesem Projekt nicht ablesbar. Die Darstellung ist symbolisch, aber wie es gemacht werden könnte müsste ansatzweise gezeigt werden, wird es aber nicht.

Die technische Lösung ist unvorstellbar – die Ausführung bleibt ein formaler Wunschtraum. Der Turm versteht sich als ein virtuelles Angebot zum Thema. Das Schubladenzimmer funktioniert statisch und konstruktiv nicht. Additiv gedacht könnte der Turm realisiert werden, aber darüber wird planlich nichts ausgesagt.

Aus Sicht der Nachhaltigkeit, mit dem Anspruch an eine möglichst geringe Grundversiegelung, ist der Turmbau durchaus interessant. Dennoch stellt der hohe Außenwandanteil mit vielen offenen Flächen aus energetischer Sicht keine ideale Lösung dar.

Im Zuge der Ausstellung auf der Messe würde die Inszenierbarkeit mit Hilfe dieses Turmbaues sicher sehr plakativ und marketingtechnisch gedacht äußerst zielgerichtet sein - ein Turm als manifester Baukörper.

Der Ab- und Wiederaufbau des Turmes würde allerdings nur sehr kostenintensiv funktionieren. Zusätzlich wäre ein Autokran erforderlich.

Projekt 06

Verfasser Architekt DI Udo MÖSSLER, Graz > 2. Preis

Das Projekt wird als sehr gute, sachliche Lösung gesehen, die auch den Außenraum einbezieht. Es ist bodenständig, bleibt mit der Welt verknüpft. Die dargestellte Kombinierbarkeit der Elemente ist jedoch nicht sonderlich interessant, war aber kein Kriterium der Aufgabenstellung war. Es wäre vorab die Grundsatzfrage zu diskutieren, ob es sinnvoll ist, Siedlungen in Raumzellenbauweise zu errichten.

Die sehr schöne Außenraumsituation als „Terrassenzimmer“ funktioniert sehr technisch. Das Innenraumdesign ist austauschbar und schafft keine dem Projekt gerechte Einzigartigkeit.

Konstruktiv wurde dieses Projekt sehr geradlinig gelöst. Es hat ein elegantes Design, ist interessant gelöst und das Verhältnis Loch zu Wand ist stimmig.

Die geschlossenen Systeme, die die Sonnenkollektoren tragen sind für die Nutzung der passiven Solarenergie vorgesehen.

Die Darstellung des Kamins für den Pelletsofen fehlt. Das Rauchrohr, quer liegend über das Freie zu führen, wäre zwar nicht zulässig aber machbar. Ein Edelstahlrohr, über Dach geführt, müsste demontierbar funktionieren.

Energetisch ist das Gesamtkonzept etwas überladen, aber machbar. Im Bereich der offenen Fensterfront ist mit Hilfe der Markisen / außen liegende Beschattung, eine wirksame Lösung gegen den Wärmeeintrag gefunden.

Statisch wäre zu analysieren, ob der Rahmen ausreichend steif ist. Falls nicht, könnte man innen mit einer steifen Platte reagieren. Grundsätzlich wäre dieses Projekt in kurzer Zeit zur Baureife entwickelbar. Die dargestellte Bitumenschicht / Dach stellt allerdings eine komplexe Lösung dar, die nicht für Nachhaltigkeit spricht. Das wärmegedämmte Rollo als Beschattung und eingesetzt gegen

Wärmeverluste ist ein interessanter Ansatz.

Insgesamt stellt das Projekt eine sehr seriöse technisch- funktionelle Arbeit dar.Ausstellung:

Die Eröffnung der Ausstellung des Siegerprojektes, der Preisträgerprojekte

und aller eingereichten Arbeiten findet ab

28-APR-06, abends, im Zuge der Gala der Bauwirtschaft in der Stadthalle in 8010 Graz statt.

Die Arbeiten werden vom 28-APR-06 bis einschließlich 01-MAI-06 jeweils zu den Öffnungszeiten der Messe „Lebens.Art“ zu besichtigen sein. Im Anschluss daran begleiten sämtliche Arbeiten die Road Show.

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