Protokoll des Preisgerichts nach WOA
Ort: Messecenter Graz, Saal 10
Datum: 11.08.2006
Beginn: 9.00 Uhr
Ende: 16.15 Uhr
Anwesende:
HR Dr. Friedrich Bouvier, Bundesdenkmalamt
Arch. DI Maria Fanta, WB-Vorprüfung
DI Thomas Fischer, Berater Verkehrsplanung
Ing. Michael Grinschgl, Messecenter Graz
Hr. Anton von Heesen, Bezirksrat
DI Kai-Uwe Hoffer, Stadtbaudirektion
DI Klemens Klinar, Stadtplanungsamt
Hr. Bernhard Kraxner, Bezirksrat
Arch. DI Gerhard Kreutzer, Berater Dr. Ranner
Dr. Hella Ranner, Messecenter Graz
DI Michael Redik, Stadtplanungsamt
Michael Reiner, WB-Vorprüfung/Büro Fanta
Arch. & Ing. DI Mag.-arch. Max Rieder, nominiert durch Architekten –Ingenieurkammer
Astrid Thaller, Stadtbaudirektion, Mitschrift
Die Begrüßung erfolgt durch DI Redik, der Vorsitz wird gemäß konstituierender Sitzung an Arch. Rieder übergeben.
Rieder (VS) erörtert und schlägt eine Tagesordnung für das weitere Prozedere vor.
Formelles:
Es erfolgt ein kurzer Exkurs über die WOA definierten Grundsätze einer Jurysitzung.
Keiner der anwesenden Jurymitglieder und Berater erklären sich in seiner Entscheidungsfähigkeit für befangen i.S. der WOA.
Zuerst wird die Beschlussfähigkeit der Jury festgestellt. Diese ist durch die nominierten Ersatzjuroren gegeben (DI Hoffer).
Die Stellvertreterfunktion von Stadtbaudirektor Werle wird DI Redik übernehmen, die Schriftleitung von DI Hoffer. Ing. Grinschgl wurde bereits in der konstituierenden Sitzung als Hauptjuror beschlossen.
Stimmberechtigte Juroren (6) sind somit:
Ing. Michael Grinschgl, Messecenter Graz
Bernhard Kraxner, Bezirksrat
DI Kai-Uwe Hoffer, Stadtbaudirektion (Schriftführer)
Dr. Hella Ranner, Messecenter Graz
DI Michael Redik, Stadtplanungsamt (stv. VS)
Arch. DI Mag.arch. Max Rieder, Ingenieurkammer (VS)
Es wird seitens des VS auf die Verpflichtung hingewiesen, dass für die detaillierten, über das schriftliche Protokoll hinausgehenden Vorgänge und Diskussionen, die während der Jurysitzung erfolgten, eine Verschwiegenheitspflicht nach WOA besteht, sowie keine Pressemitteilungen und Mitteilungen gegenüber Projektanten und Medien zulässig sind. Diese Mitteilungen obliegen ausschließlich dem Auslober und seiner Öffentlichkeitsarbeit.
Dies betrifft auch die anwesenden Berater und nicht stimmberechtigten Fachleute.
Juryprozedere:
DI Redik fasst die Aufgabenstellung und das Ziel des Verfahrens nochmals zusammen, nämlich einen Planungspartner zu qualifizieren bzw. einen Planungsauftrag für eine Bebauungsplanung zu vergeben.
Anschließend erläutert Arch. Fanta vertiefend die Aufgabenstellung und stellt die Wettbewerbsarbeiten im Detail und anhand eines Vorprüfungsberichtes vor. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass aus der Sicht der Vorprüfung alle Arbeiten zeitgerecht und vollständig abgegeben wurden. Die Jury beschließt somit alle Projekte für die Beurteilung zuzulassen.
Mittagspause 13.00-13.30 Uhr
Es ist für die Wertungsrunden eine Positiv-Wertung vorzunehmen.
D.h. die Bewertung erfolgt unter der Fragestellung: „Soll dieses Projekt in bezug auf die jeweiligen Kriterien weiter in der Bewertung verbleiben?“ Es verbleiben jene Projekte in der Bewertung die eine einfache Mehrheit erhalten, bei einem Wertungsäquivalent (3:3) entscheidet der VS über den Verbleib.
Auf Antrag jedes Jurymitgliedes kann über jedes Projekt ein Rückholungsantrag gestellt werden, über diesen wird sofort abgestimmt. Der Rückholungsantrag in die weitere Bewertung kann je Projekt nur einmal erfolgen.
Es wird seitens des VS nochmals auf die komplexen Wechselbezüglichkeiten städtebaulicher Kriterien hingewiesen.
Das wirtschaftliche Erfordernis (Ausnutzung) muss konzeptuell und grundsätzlich als K.O.-Kriterium anerkannt werden.
Seitens der Verkehrsplanung (Fachberatung DI Fischer) wird festgehalten, dass eine Zufahrt zu den Tiefgaragen über den Jakominigürtel nicht möglich und nicht vorgesehen ist. Zufahrten im Bereich des Messetors sind so zu entflechten, dass keine unübersichtlichen gefährlichen Stellen im Schwenk der NS-Verbindung erfolgen.
Die Aufschließung seitens der Münzgrabenstraße ist nur richtungsgebunden (stadtauswärts) möglich.
Die erste (1.) Wertungsrunde qualifiziert die „tragende Raumidee“ bzw. die städtebauliche Grundkonzeption hinsichtlich einer Identitätsbildung und Kontextwahrnehmung. Im Anschluss an die erste Beurteilungsrunde wird kritisch reflektiert und die Frage gestellt, ob es Rückholungen gibt.
Dazu wird nochmals festgehalten, dass ausgeschiedene Projekte jederzeit mit einfacher Mehrheit in die Wertung zurückgeholt werden können.
Es verbleiben nach der ersten Wertungsrunde somit die Projekte: 8, 7, 6, 5 und 1 (siehe unten).
Der zweite (2.) Wertungsdurchgang erfolgt unter vertiefender Betrachtung und der Wechselbeziehung Frei/Stadtraum-Baukörper und der zu erwartenden sozialen Atmosphäre bzw. Milieu.
Des weiteren wird die Bedeutung und Integration des Moserhofschlössl im Konzept bewertet.
Die Fragen bzw. Qualitäten nach dem spezifischen urbanen Charakter für ein fußläufig geprägtes Gebiet, der Orientierung des Areals in Beziehung zur Umgebung, überraschender Raumsequenzen und bewusste De-signifikanz der Erschließungsstrukturen wird erörtert.
Es verbleiben die Projekte 5 und 7 (Anmerkung: Der Arealteil 2 ist bei beiden Projekten nicht realisierbar und fachlich nicht begründbar).
Es wird der Antrag gestellt, dass das Projekt 8, aufgrund des Teils 2 - da es einen Leitbildcharakter hat - zurückgeholt werden soll. Dieser Antrag wird abgelehnt.
(siehe unten)
Laut Denkmalamt / Dr. Bouvier bieten die beiden verbleibenden Projekte ausreichend Rücksicht auf das denkmalgeschützte Moserhofschlössl und wären entwicklungsfähig.
In der finalen, dritten (3.) Wertungsrunde wird die Flexibilität der vorgeschlagenen Typologie für Mischnutzungen – insbesondere Wohn-Office-Geschäftnutzung – diskutiert und für notwendig erachtet.
Das Projekt 7 wird einstimmig als Siegerprojekt gewählt und als Grundlage für die Bebauungsplanung für den Arealteil 1 empfohlen.
Im Einzelnen - die Projekte 1-9:
Projekt 1
Beschreibung:
Durch weitere solitäre Bauvolumen wird eine „Raumachse“ vom Moserhofschlössl bis zur Stadthalle aufgebaut. Nördlich zu diesen großzügig freigestellten Solitären werden hakenförmige Zeilen oder Zeilen mit moderater Höhenvarianz angeboten. Die Stadtraum- und Freiraumkontinuität prägt keine spezifische Charakteristik aus. Kritisch wird das Freisetzen, Gleichsetzen von „Sondervolumen – Solitären“, obwohl diese triviale Wohnnutzungen haben, in Beziehung zum Moserhofschlössl gesehen. Tragkraft der Projektidee wird sehr eingeschränkt beurteilt.
Sonstige Aspekte:
• Moserhofschlössl ist durch Münzgrabenbebauung verdeckt
• Große Distanzen – einzelne Gebäude
• Hofsituation nicht mehr zeitgerecht
• Kein Impuls für den Stadtteil gegeben
• Geringe Ausnutzung
Pro : Kontra = 3:3 verbleibt in 2. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 0:6 ausgeschieden
Projekt 2
Beschreibung:
Klare typologische Zonierung in Bezug auf Terrassenkante und städtebaulichen Kontext. Im Bereich der Münzgrabentraße als mehrschichtige Zeile, die sich morphologisch in die Biedermeierbebauung einfügt, im Bereich des unteren Messeplateaus winkelartige Zeilen-Scheibenbebauung, die Subinseln um Binnenhöfe bilden und eine Durchwegung platzräumlicher Aufweitung anbietet.
Kritisch und nicht nachvollziehbar wird die wahlweise N/S- bzw. O/W-Ausrichtung und Höhenstaffelung gesehen, die unverhältnismäßig extreme Lagebedingungen für nächstliegende niedrigere Bebauung entstehen lässt und über Freiraum- und Stadtraumentwicklungen zu lange mauerartige Fronten ausbildet. Die Nutzungsvielfalt um das Moserhofschlössl wird positiv gesehen. Die Ausformulierung der (teilweise artifiziell erzeugten) Terrassenkante durch Auskragungen bringt keine besondere zusätzliche Qualität für die FreiraumnutzerInnen.
Positiv umfassende Recherche des Kontextes, allerdings mit wenig Konsequenzen für neue, impulsgebende identitätsstiftende Frei- und Stadträume.
Sonstige Aspekte:
• Klosterartig - in sich gekehrt
• Typologiebruch als Vernetzungsstrategie
• Lange, raummonotone Perspektiven
• Keine Gleichwertigkeit und mangelnde Raumvielfalt
Pro:Kontra=1:5 ausgeschieden
Projekt 3
Beschreibung:
Die Idee des kontinuierlichen Raumflusses mit geringfügiger Modulation wird anerkannt. Der Raumfluss wird durch die Komposition von kubischen, quadratischen Solitären erzeugt. Am Perimeter des Planungsgebietes, den bedeutsamen Ränderübergängen, wird die Typologie jeweils unreflektiert gewechselt. Die langen Randzeilen nach Norden und das platzartige Aufweiten bzw. deren Zuordnung nächst der Parkplatznutzung Messe, sowie der mehrhüftig, flächig überdimensionierte Baukörper an der Münzgrabenstraße, wird negativ beurteilt.
Sonstige Aspekte:
• Nach oben Blickkorridor eingeschränkt
• O/W-Freiraumkorridor führt nirgendwo hin
• Spannungslosigkeit von öffentlichen, halböffentlichen Räumen, mangelnde Hierarchie von Freiflächen und Stadträumen – da beides harmonisch übergehend /ausgeglichen, kein wirkliches Merkmal
Pro:Kontra=1:5 ausgeschieden
Projekt 4
Beschreibung:
Die Arbeit bietet eine „starke“ urbane Stadtraumachse von Münzgrabenstraße zu einer platzartigen Geometrie um die Einmündung Klosterwiesgasse / Messetorbogen an. Diese Platzsituation wird wie bei anderen Vorschlägen auch als wenig gestaltbar gesehen und infolge der verkehrlichen Rahmenbedingungen als ein unattraktiver Schwerpunkt bzw. für das Projekt End/Anfangspunkt gesehen. Dasselbe gilt für den anderen End/Anfangspunkt der vorgeschlagenen Achse. Die Strahlkraft des Moserhofsschlössls wird durch die Achse negativ kontrastiert bzw. bezieht diese nicht ausreichend räumlich mit ein. Es wird bezweifelt, ob ausreichend Frequenz und Potential vorliegt, um eine urbane Achse in der vorgeschlagenen Maßstäblichkeit zu realisieren bzw. ob diese angenommen werden kann. Die weiteren Freiräume beziehen sich weder auf die tragende Idee, noch stellen sie ein bereicherndes, alternatives Äquivalent dar. Die vorgeschlagene Grobstruktur trägt zwar eine neue Dimension in das Areal, erzeugt aber keine besonderen Erlebnisse und Sequenzen des Raumes.
Sonstige Aspekte:
• Park um das Schloss
• Schloss bekommt einen gesamten baulichen Rahmen
• Urbane Achse – bindet an Münzgrabenstraße an, massiver Verkehrspunkt, jedoch kein Platz und Schloss nicht einbezogen
• Schlösslnutzung als Biomarkt
• Nord/Südhaltung konsequent durchgezogen, durchbrochen durch sogenannte Straßenüberbauungen
• Passagen sind einzig interessante Brüche dabei
• Hofeingang durch urbane Achse plötzlich 6geschoßige Bauten. Achse Münzgrabenstraße / Klosterwiesgasse
• Tiefgaragenzufahrt Klosterwiesgasse nicht akzeptabel
Pro : Kontra = 1:5 ausgeschieden
Projekt 5
Beschreibung:
Sensible kontextuelle Reaktion auf Bestandstrukturen durch gewählte Maßstäblichkeit. Besondere Anerkenntnis, diese Maßstäblichkeit in affine Typologien umzusetzen, die auf Terrassenlage bzw. Messeplateau reagieren. Klare Hierarchien bzw. Wertigkeiten des öffentlichen Raumes um das Moserhofschlössl und längs der Terrassenkante. Wobei variantenreiche Subräume (Gassenplatz/ Feldkorridor/ Übereckausweitungen) in den beiden Teilgebieten durch minimale Veränderung der geometrisch-gebundenen Disposition der Bauvolumina bereichernd angeboten werden.
Die Problematik des schlüssigen Konzeptes liegt in der Entscheidung der Verfasser, dass längs des Ostrandes zu Messe hin, drei messebezogene Volumina mit Office-Gewerbestrukturen angeboten werden, deren Nutzungserfordernis von keiner Seite erkannt wird bzw. vom Markt in absehbarer Zeit nicht abgefragt wird. Die denkbare innere „Restrukturierung“ dieser stadträumlich nachvollziehbaren Großkörper in eine Wohnnutzung wird kritisch gesehen, da die verbleibenden Zwischenräume für eine solche Nutzung nicht attraktiv genug erscheinen und somit gänzlich anders, etwa im Prinzip der Terrassenbebauung vollzogen werden könnten.
Der Vorschlag kann aus diesem Grund (hoher konzeptiver Änderungsbedarf) nicht weitergetragen werden.
Sonstige Aspekte:
• Im unteren Bereich große Maßstäbe, oberhalb der Kante vorstädtische Bebauung
• Kubus etwas modifizierter hinsichtlich der Distanz – Nähe / Weite – Beziehungen, Plätze / Gassen
• Vermittelt die Dimensionen
• 7geschoßigen Bauhöhen positiv
• Einziges Projekt welches eine Typologie „von innen nach außen“ bekommt.
Pro : Kontra = 3:3 verbleibt in 2. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 3:3 verbleibt in 3. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 1:5
Projekt 6
Beschreibung:
Die Stadtstruktur wird durch zwei differente Bautypologien gebildet. Nämlich durch O/W-verlaufende Zeilen und sechs dreihüftige Bauwerkskomplexe. Allerdings ist die Beziehung der beiden Typologien nicht bereichernd, sondern vielmehr abgrenzend gestaltet, ohne die entstehenden Frei- und Stadträume in ein Gefüge oder in einen inneren und äußeren Kontext zu stellen. Beide Typologien eignen sich und sind für sich bewusst gestaltet. Es wird allerdings bezweifelt, ob der O/W-orientierte dreihüftige Baukomplex geeignet ist, sich zu „vervielfachen“ bzw. somit zum Grundmuster einer urbanen, städtischen Situation zu werden. Die Arealränder nach Norden bilden zwar plastische Dimensionen aus, stellen aber durch die gewählten Längenverhältnisse vielmehr eine suburbane Grenzziehung dar.
Sonstige Aspekte:
• Respektiert den geöffneten Rand zur Münzgrabenstraße
• keine urbanen Aktivitäten
• Kritik an der stirnseitigen Nähe und Ausprägung der Zeilen zur Münzgrabenstrasse hin
• Kritik der schwerpunktmäßigen Ausbildung eines parkartigen Freiraumes im Süden zum Parkplatz Messe hin
• Kritik an der Freiraumhomogenität, die als Restflächenmanagement im Verhältnis zur Baukörperausprägung verstanden wird
• Moserhofschlössl parkartig großzügig inszeniert
Pro : Kontra = 4:2 verbleibt in 2. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 2:4 ausgeschieden
Projekt 7
Beschreibung:
Diese Arbeit zeichnet sich durch die Absicht aus, die Anforderungen mittels nur einer Typologie bzw. Baustruktur, die sensibel in Teilbereichen modifiziert wird, zu lösen. Es handelt sich um eine mehrfach geknickte, O/W-durchlaufende Zeilenstruktur, welche die Terrassenkante überbrückt. Damit wird einerseits eine Eigenständigkeit des Areals konstituiert, andererseits eine kontextbezogene Maßstäblichkeit gewährleistet. Diese wird vor allem durch Leervolumen in der Struktur und durch ausgedehnte Passagenbereiche sowie Strukturknickungen erzeugt bzw. gewährleistet.
Damit ergibt sich eine abwechslungsreiche Ambivalenz von offenen und geschlossenen Teilräumen, die entlang der Terrassenkante prägend sequentiert und zusammengehalten werden. Die Teilräume verschließen und weiten sich perspektivisch und werden vor allem am Stadtterrain weitgehenst visuell offen gelassen. Die Höhenentwicklung vermittelt den topographischen Sprung von Messeplateau und Terrasse als subtile Silhouette. Das Moserhofschlössl wird räumlich gefasst und aus unterschiedlichen Blickpunkten als identifikatorische Orientierung erlebbar. Das Vor- bzw. Umfeld kann zu einer stadtteilbezogenen parkähnlichen Freifläche gestaltet werden und leitet mittels Rampenanlage in den gegliederten S/N-gelagerten öffentlichen Freiraum über. Die vorgeschlagene Typologie lässt sich infolge der gewählten Bautiefe auch für gemischte Nutzungen flexibel einsetzen.
Sonstige Aspekte:
• Von der Messe bis zur Münzgrabenstraße abfallende Silhouette
• Öffentlicher Park der gegliedert ist durch öffentliche Nutzung
• Großzügige öffentliche Passagensequenzen
• Park kommt stärker in Beziehung – da eigenes Stück
• Einziges Projekt das beide Niveaus miteinander typologisch verbindet ohne einen Kontextbruch zu erzeugen
• Klassische Wohnstruktur mit Flexibilitätspotential
Pro : Kontra = 6:0 verbleibt in 2. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 5:1 verbleibt in 3. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 6:0 Preisträger = Auftragnehmer
Projekt 8
Beschreibung:
Die Arbeit versucht durch Großzügigkeit und Großstrukturen in Freiraum sowie Bauvolumen, eine Vernetzung von Umgebung und Areal herzustellen. Zusätzlich wird eine diagonal gegliederte Schwerpunktdurchwegung vorgeschlagen, die das Umfeld Moserhofschlössl bis Messebogentor verbindet. Die Qualität entsteht durch die Eng/Weit-Stellungen der Bauvolumina. Unklar ist, warum im ereignisreichen Einsatz von Gestaltmotiven wie Stirnfront, Kopfbau, Eckhöhen, Torsituationen, Durchgängen/Unterwegungen es zu der gewählten Auswahl kommt bzw. warum nicht konsequenter Weise jeder Raumverschluss bzw. Hofverschluss vermieden wurde.
Die Anlehnung an besondere Traditionen des räumlich-figurativen Blockrandes wird evident, scheint aber für das Areal zu hohe Einschränkungen zu ergeben, da die Hof-Platz-Durchgang-Sequenzen durch die gewählten Randausbildungen in Frontbildungen mutieren.
Die integrale Einbeziehung des Moserhofschlössl in die städtebauliche, ist besonders gut gelungen.
Im Arealteil 2 zeichnet sich das Projekt durch ein feinfühliges Zurückweichen von der Terrassenkante, wie auch der Biedermeierbebauung längs der Münzgrabenstraße aus und offeriert einen verfolgenswerten Ansatz für die langfristige Entwicklung bzw. einer moderaten Nachverdichtung der fahnenartigen Liegenschaften aus.
Sonstige Aspekte:
• Blockränder werden nur teilweise aufgelöst
• Negative Wohnhöfe
• Urbanere Achse die geknickt ist - Abfolge
• Erdgeschoß weitgehend durchlässig
Pro : Kontra = 4:2 verbleibt in 2. Wertungsrunde
Pro : Kontra = 2:4 ausgeschieden
Es wird der Antrag gestellt, dass das Projekt 8, aufgrund des Vorschlages am Arealteiles 2 - da es einen Leitbildcharakter für dieses hat - zurückgeholt werden soll. Der Antrag wurde mit Pro:Kontra=2:4 infolge Relevanz/Gewichtung der Aufgabestellung abgelehnt.
Projekt 9
Beschreibung:
Die Arbeit konstituiert ein inneres Rückgrat mittels Zeilenhaken, der das Messeplateau bzw. Terrasse miteinander binden/verbinden soll. Diese Intention ist anerkennenswert, wird aber durch weitere „Raumhaken“ bzw. zu einer Sammlung von Großfragmenten, die übereck in Beziehung treten sollen, konterkariert. Dieses an und für sich interessante Raumschwellenmotiv wird nicht thematisiert, sondern durch eine aufgelöste Bebauungsstruktur im südlichen Bereich verharmlost. Diese Typologie mit einer gliedernden Bruchzonierung, die sich scheinbar auf den Moserhofschlösslpark beziehen soll, ist unverständlich und maßstäblich falsch verortet. Hingegen wird die langfristige Entwicklung bzw. Umbau des Arealteils 2 zu einem Großhofmilieu vorgeschlagen, was eher an rurale Guthofanlagen referenziert und eine Missinterpretation darstellt.
Sonstige Aspekte:
• Regellose Raum/Hoffassungen
• Löst die Kontinuität einer Figur durch einen (optionalen) Höhenschwerpunkt am Messetor (Anm. ohne weitere Funktion) auf
• Durchführen, verbinden durch eine lange Zeile von oben nach unten, einziges gemeinsames Element
• Grüner Raum an der Terrassenkante am wenigsten freigestellt
Pro:Kontra=0:6 ausgeschieden
Empfehlungen für das Projekt 7 im Zuge der Ausarbeitung zu einem Bebauungsplan für den Arealteil 1 gem. Auslobungsbedingungen:
Seitens des Bezirksrates:
Die vorgelegte Dichte sollte nicht überschritten werden. Weiters sollen bauliche Maßnahmen dahin gehend gesetzt werden, dass es zu keiner Öffnung der Wienerstraße von Nord/Süd oder umgekehrt kommen kann. Wichtig für dieses Quartier ist es jedenfalls, dass die Durchlässigkeit größtmöglich gewahrt sein sollte, d.h. eine optimale Anbindung an das Fuß- und Radwegenetz, sowie einer angedachten Öffnung für den Öffentlichen Verkehr (Ost/West-Verbindung). Bezüglich des angedachten Kindergartens ist zu bedenken, dass es in der Umgebung mehrere Kindergärten gibt und dies in die Planungsmaßnahmen miteinbezogen werden sollte. Zu bedenken ist, dass eine Erhöhung der Infrastruktur zu begrüßen ist. Wichtig erscheint es mir, das größtmögliche Augenmerk darauf zu legen, dass jeder freie Quadratmeter als öffentliche Grünfläche ausgewiesen werden sollte, vor allem im Bereich des Moserhofschlössls, wo von Seiten des Bezirksrates eine Grünfläche samt Bepflanzung (Parkbänke, gute Beleuchtung etc.) begrüßenswert wäre und keinesfalls der Vorplatz rund um das Messeschlössl versiegelt werden darf. Bei den Zu- und Abfahrten zu den geplanten Tiefgaragen wird die Verkehrsplanung ersucht, größtmögliches Augenmerk auf diesen sensiblen Bereich zu legen, da dieses Quartier durch starken Individualverkehr ohnedies überbelastet ist und es keine weiteren großen Belastungen geben darf. Als Begründung für die Zustimmung zu diesem Projekt sei angeführt, dass es der Meinung des Bezirksrates nach, die optisch größere Durchlässigkeit bietet, das Moserhofschlössl von Seiten der Moserhofgasse gut einsehbar bleibt und die geplanten Grünflächen parallel zur Geländekante großzügig in der Planung berücksichtigt wurden. Diesbezüglich sei jedoch angemerkt, dass es ein großer Wunsch unserer Seite wäre, die Durchlässigkeit bei der angesprochenen Grünfläche um 1 Geschoß zu erhöhen, sodass ein optisch zusammenhängender Grünraum eher gegeben ist. Bezüglich des geplanten 3geschoßigen Baus entlang der Münzgrabenstraße sei angemerkt, dass eine räumliche Verkleinerung in Richtung Norden anzustreben ist, da dadurch der Einblick zum Messeschlössl noch besser gewahrt bleibt. Von Seiten des Bezirksrates wäre es zu begrüßen, in diesem unseren Bezirk bezeichnenden Zukunftsbezirk hohe Wohnqualität mit optimaler Infrastruktur zu verbinden (Lebensmittelmarkt, Trafik, Gastronomie etc.)
Aus der Sicht des Bundesdenkmalamtes ist der 3geschoßige Flügelbau entlang der Münzgrabenstraße (Endpunkt der Blockrandbebauung) in seiner Grundrissausdehnung so zu reduzieren, dass die Front zur Münzgrabenstraße eine Verkürzung gegenüber der vorliegenden Planung erfährt. Gleichzeitig ist ein Zurücktreten der 4geschoßigen Ost/West-Spange von der Bauflucht der Münzgrabenstraße empfehlenswert.
Der um das Schloss angeordnete Freiraum ist nicht durchgehend zu befestigen/versiegeln, sondern als Parkanlage bzw. eine gestaltete Freifläche auszubilden. Dazu wäre ein eigenes Gartengestaltungskonzept vorzulegen. Dieses sollte auch mit den in Nord/Süd-Richtung vorgesehenen privaten Grünanlagen in formalen Einklang gebracht werden.
Von Seiten der Messe:
Für den Nahversorgermarkt, die darüber liegenden Bürogeschosse und die Nutzer des Messeschlössls wird eine zusätzliche Tiefgaragenein- und -ausfahrt von der Münzgrabenstraße (richtungsgebunden) gewünscht.
Seitens der Verkehrsplanung:
Zur direkten Verbindung nach Süden und Westen des Bereiches südlich des Messeschlössls mit dem westlich davon gelegenen Areal, sind entsprechende behindertengerechte Rampenbauwerke zu berücksichtigen.
Seitens der Fachjuroren:
Die westlich der Münzgrabenstraße hofseitig gelegene Bebauung weist eine Diskrepanz zwischen Plänen und Modell auf. Diese U-förmige Formation soll ebenso wie die U-förmige Formation im südöstlichsten Areal hinsichtlich ihrer Höhenmodulation und Durchlässigkeit im Falle einer ausschließlichen Wohnbebauung noch differenzierter untersucht werden (zB Geschoßabsetzung / Durchblick).
Es wäre noch wünschenswert die Zeilenkonstellationen noch mehr divergierend/konvergierend zu entwickeln, ausgehend vom südlichen und nördlichen Randbereich, wo noch unausgeschöpfte Raumpotentiale für die weitere
Verfeinerungen gegeben sind, um in Teilabschnitten die latente Parallelsituation der Zeilen jedenfalls zu verhindern.
Jene Zeilenstirnfront die unmittelbar bis zur Münzgrabenstraße vorreicht, soll nur die Bebauungshöhen der Münzgrabenstraße (3-Geschoßigkeit) ausprägen. Der untergeschobene, frei geformte Baukörper in diesem Bereich könnte in seiner Geometrie gegenüber dem Moserhofschlössl noch etwas zurückweichen bzw. anders ausgeformt werden.
Der topographische Übergang sollte auch mittels einer Radrampe nach Süden ermöglicht werden.
Das freiraumplanerische Konzept des integrierenden, in Sequenzen gegliederten Parks, soll in starker Beziehung zum Böschungsfuß der Terrasse und zur Hangfläche derselben gestaltet werden. Besondere konzeptionelle Überlegungen sind für den wiederholenden, durch die Gebäudestruktur und überdeckten Bereich, hinsichtlich der Nutzung und Aneignung sicherzustellen (Passagenwirkung).
Es wird empfohlen den Bebauungsplan unter Beiziehung mit einer/m Freiraumplaner/in weiter zu qualifizieren.
Zusätzlich von Seiten des Stadtplanungsamtes:
Das eingeschoßige Objekt im südlichen Bereich an der Münzgrabenstraße ist in den Unterlagen nicht nachvollziehbar dargestellt. Aus städtebaulicher Sicht wäre der Wegfall dieses Objektes zu diskutieren.
Der Arealteil 2 soll im Bebauungsplan gemäß den Vorschlägen des Projektes 8 berücksichtigt werden. Inwieweit davon Rechte berührt sind, ist im Einvernehmen der VerfasserIn zu klären.
Der Vorsitzende öffnet die unversehrten Verfasserbriefe und ordnet Projektnummer/Projektverfasser wie folgt zu:
1 Arch. DI Norbert Müller
2 Arch. DI Harald Saiko
3 Arch. DI Marlis Binder
4 Arch. DI Heinz Kerstein
5 Arch. Prof DI Riegler - Prof. DI Riewe
6 Arch. DI Dr. Roland Heyszl
7 Arch. DI Markus Pernthaler
8 Arch. DI Adolf Kelz
9 Arch. DI Marion Wicher
Der Vorsitzende verständigt den Gewinner telefonisch über die beabsichtigte Beauftragung.
Die anderen Teilnehmer werden per E-Mail seitens Arch. Fanta verständigt.
Für das Stadtplanungsamt bedankt sich DI Redik für die ausgezeichnete Vorbereitung und Durchführung des Verfahrens durch das Büro Fanta und der Jury für die konstruktive Würdigung der Projekte und garantiert eine entsprechend angekündigte Ausstellung der Arbeiten und Öffentlichkeitsarbeit in nächster Zeit.
Dr. Ranner als Eigentümervertreterin der Grazer Messe lobt die Qualität der eingereichten Projekte und hofft auf eine möglichst rasche Umsetzung des Bebauungsplans durch das Büro Pernthaler in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt.
Abschließend dankt der Vorsitzende allen Mitwirkenden am Verfahren für die gute und konzentrierte Zusammenarbeit.
Der Vorsitzende: Arch. DI Mag.arch. Max Rieder eh.
Der Schriftführer: DI Kai-Uwe Hoffer eh.
AUSSTELLUNG:
Alle Wettbewerbsarbeiten werden voraussichtlich in der KW 37-38 im messecentergraz ausgestellt. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich