Städtebauliches Gutachterverfahren zur Erlangung von Bebauungsvorschlägen für eine Wohnbebauung St. Peter am Kammersberg
ORT: St. Peter am Kammersberg
DATUM: 5. Oktober 2006
DAUER: 09.00 Uhr – Jurybeginn
15.15 Uhr - Juryende
ANWESENDE:
_ Für die Ingenieurkammer Stmk./Ktn.: Arch. DI Christian Andexer mit Stimmrecht
_ Für den Veranstalter/Bauträger: DI Erich Feix mit Stimmrecht
(Volkshilfe Steiermark): Regina Thakur, Maria Kaiser
(Verein für psychische und soziale Lebensberatung): Mag. Jörg Knauer _Für die Gemeinde: Bgm. Walter Perner mit Stimmrecht, Vzbgm. Peter Bischof, Franz Stocker, Max Lerche
_ Für die Abteilung 15: OBR DI Johann Tatzl mit Stimmrecht
_ Für die Abteilung 16: DI Christian Welzl mit Stimmrecht
_ SV für techn. Aspekte Sozialwesen: OBR i. R. DI Herbert Murauer
_ Für die Vorprüfung ist DI Elisabeth Heyszl im Auftrage des Auslobers anwesend.
Um 9.15 Uhr begrüßt Herr Bürgermeister Perner und Dipl.-Ing. Erich Feix die anwesenden Jurymitglieder. Im Anschluss ersucht der Auslobervertreter, die Wahl der Juryfunktionen vorzunehmen. Zum Vorsitzenden der Gutachterkommission wird Herr Arch. DI Christian Andexer einstimmig gewählt. Zu dessen Stellvertreter wird Herr OBR DI Johann Tatzl gewählt. Zum Schriftführer wird Herr DI Erich Feix gewählt und zu dessen Stellvertreter wird Herr DI Welzl gewählt.
Im Anschluss übernimmt der Vorsitzende seine Tätigkeit, stellt die Beschlussfähigkeit und Unbefangenheit sämtlicher Jurymitglieder, Berater und Vorprüfer fest, übernimmt vom Vorprüfer die Vorprüfberichte als auch die verschlossenen Verfasserkuverts und weist auf die Verschwiegenheitspflicht während der Jurysitzung hin.
DI Tatzl entschuldigt Herrn Mag. Gerhard Uhlmann, der wegen Verhinderung nicht an der Jury teilnehmen kann.
An Hand der Ausschreibungsunterlagen des Gutachterverfahrens werden nochmals von Herrn DI Feix die städtebaulichen Rahmenbedingungen (Grundstück, Flächen, Anbindungszone, Verkehrserschließung, Raum- und Funktionsprogramm etc.) aufgezeigt und sämtlichen Jurymitgliedern zur Kenntnis gebracht.
Ab 9.30 Uhr Bericht des Vorprüfers: Der Vorprüfer erklärt die Vorgangsweise seiner Prüfung und verweist auf seinen Vorprüfbericht. Die Projektbeschreibungen der Verfasser sind Teil des Vorprüfungsberichtes. Es wurde vom Vorprüfer festgestellt, dass die sämtliche Teilnehmer den geforderten Leistungsumfang erbracht sowie termingerecht eingereicht haben.
Nach Ende der Projektvorstellungen um 11.00 Uhr folgt eine intensive Diskussionsrunde, sämtliche Erläuterungsberichte werden vorgelesen.
Projektbeschreibungen:
Projekt 1
Das Projekt schafft durch seine Gebäudestellungen eine sehr sympathische dörfliche Struktur, die in ihrer Innenhofbezogenheit Vorteile schafft. Die Anlage fügt sich im hohen Maße in die ländliche Struktur ein und schafft tradierte Außenräume. Die generelle Befahrbarkeit der Innenanlage mit Parkierungsmöglichkeiten wird kritisch gesehen. Die Angerstruktur mit langen Gebäuden erzeugt aber viel zu lange Wege im Inneren. Die dreigeschossige Konzeption des Pflegeheims erzeugt auch zu weit abgelegene Pflegestützpunkte und eine geringe Übersehbarkeit, welche die funktionalen Anforderungen hemmt. Die Zweigeschossigkeit der Tagesstätte wird ebenfalls aus funktionellen Anforderungen kritisiert. Die Situation der geplanten Arztpraxen an dieser Stelle erzeugt unnötigen Verkehr im Inneren.
Projekt 2
Die Weite der Landschaft mit der prägenden Alleestruktur spiegelt sich in der Großform der Bebauung des Pflegeheimes gut wider. Trotzdem schafft das l-förmige Gebäude emotional geschützte Außenbereiche für die BewohnerInnen, die ebenerdig von jedem Geschoss erreichbar sind. Durch die Stellung des Cafe- und Arztgebäudes, der Tagesstätte und des Dauerwohnheims entstehen überschaubare identitätsstiftende Innenbereiche.
Die zentrale Erschließung und die zentralen Pflegestützpunkte erzeugen gute Orientierbarkeit und Übersicht. Hervorzuheben sind die angebotenen Nischenbereiche und die Übergänge zwischen einhüftigem Gang und Terrassen, die einen sehr positiven Fluss zwischen Innen und Außen erzeugen, allerdings sind dafür bauliche Eingriffe in den Hang erforderlich. Dies garantiert auch eine kostengünstige und gute Evakuierbarkeit des gesamten Hauses. Architektonisch wird die Auflösung der Ecksituation positiv gesehen.
Der Baukörper mit Tagesstätte und Dauerwohnheim, gemeinsamen Eingang und klarer Funktionstrennung der beiden Bereiche schaffen nach Westen hin einen eignen Außenbereich. Dies wird positiv hervorgehoben. Es existiert eine Belichtungsproblematik durch die knappe Anordnung zur Allee hin. Ebenso wird die Verkehrserschließung hinterfragt, ob es nicht möglich wäre, eine der beiden durchgehenden Straßen zugunsten einer Parkgestaltung aufzulassen. Eine weitere Aufschließung des Areals in Richtung zukünftiger westlicher Bebauung erscheint nicht sinnvoll. Das Cafe liegt gut situiert.
Projekt 3
Das Herangehen an die Entwurfsaufgabe, nämlich die Erdgeschosse hangparallel anzuordnen und die Obergeschosse im rechten Winkel dazu zu platzieren, ist funktional gut durchdacht und bewirkt eine Verbindung auch der oberen Geschosse mit der umgebenden Landschaft. Im Inneren des Pflegeheimes entstehen aber trotz eingeschnittener Belichtungs- und Wartebereiche keine identitätsstiftenden Raumsituationen. Der lange Gang mit Ausgang am Ende ins Freie wird, weil der Übergang fehlt, als unangenehm empfunden. Die Situierung des Speisesaales gewährt zwar Ausblick, grenzt sich aber von den gemeinsamen Bereichen aus.
Die Zweigeschossigkeit der Tageseinrichtung und die Überlagerung mit dem Dauerwohnheim wird als nicht gut gelöst empfunden. Die Erschließung der nördlichen Wohnung über den Laubengang wird kritisiert. Die große Massierung der Parkplätze ist funktionell nachvollziehbar, wird aber kritisch gesehen. Insgesamt wird die Übersetzung der Baumassengestaltung des Pflegeheimes auch auf die Tagesstätte und das Dauerwohnheim als zu massiv für den Orts- und Landschaftsraum angesehen.
Projekt 4
Der interessante Ansatz das Pflegeheim auf ein Niveau zu legen, erzeugt zu lange Gänge und schlechte Übersichtlichkeit vom Pflegestützpunkt aus. Die Entscheidung für die Zweigeschossigkeit bringt für die BewohnerInnen und das Personal räumlich und funktionell keine Vorteile. Der Luftraum in der Eingangshalle erzeugt brandschutztechnische Probleme. Die gegenüberliegenden Eingangssituationen der beiden Gebäude sind von der Orientierbarkeit problematisch.
Die Vermengung der Funktionen zwischen Tagesstätte und Dauerwohnheim (Speisesaal und Küche) ist für den Betrieb nicht akzeptabel.
Die Lichtführung, die durch die hangseitigen Dächer entsteht, wird positiv hervorgehoben. Trotz der geringen Höhenentwicklung wird die Bebauung als nach außen hin abgrenzend für den Orts- und Landschaftsraum gesehen.
Projekt 5
Der sehr großzügig gestaltete Parkbereich, der den massiven Gebäuden im Süden vorgelagert ist, wird positiv bewertet. Der Eingang an der Rückseite des Pflegeheimes ist ungünstig situiert. Die kompakte Ausformung der Baukörper lässt Wirtschaftlichkeit erwarten, allerdings ist die Haltung keine zeitgemäße zum bestehenden Thema. Raumgrößen wurden nicht eingehalten. Die strikte Grundrisskonfiguration schafft kein positives Milieu im Inneren. Stark kritisiert wird auch die Ausdehnung der Tagesstätte und des Dauerwohnheimes auf drei Geschosse. Die Wohnbereiche im Innern neben den WC-Anlagen stellen keine ausreichende Wohnqualität dar.
Die blockhafte Ausformung der Baukörper lässt differenzierte Außenräume vermissen.
15.00 Uhr: DI Tatzl stellt den Antrag Projekt 5 auszuscheiden. Der Antrag wird einstimmig angenommen.
DI Feix stellt den Antrag, das Projekt 4 auszuscheiden. Der Antrag wird einstimmig angenommen.
Bürgermeister Walter Perner stellt den Antrag, unter Einbeziehung der unten angeführten Juryempfehlungen das Projekt 2 zum Siegerprojekt zu bestimmen.
Der Antrag wird einstimmig angenommen.
JURYEMPFEHLUNGEN:
Empfehlung:
_ Im Inneren liegende Parkplätze sollten Richtung Zufahrtsbereich verlegt werden.
_ Die Belichtungsproblematik des Dauerwohnheimes durch die Nähe zur Allee ist zu bearbeiten und sollte gelöst werden, eventuell durch eine Verschiebung in Richtung NW.
_ Eine der beiden, im mittleren Bereich liegenden Strassen, sollte zugunsten einer Außenraumgestaltung entfallen.
_ Die Nutzflächen im Dauerwohnheim und im Seniorenzentrum sind im Einvernehmen mit den Betreibern zu optimieren, weil vom Land Steiermark lediglich 50 m² pro Bett im Seniorenzentrum gefördert werden.
_ In der weiteren Planung sind die Geländeeinschnitte sowohl technisch (Hangwässer), als auch was ihre Einfügung in die Landschaft betrifft, zu lösen.
Um 15.10 Uhr werden die Verfasserbriefe geöffnet:
VERFASSERBRIEFE:
Projekt 1, Kenn Nr. 112358, Verfasser: Arch DI Walter Jartschitsch, Josefweg 7, 8043 Graz, Arch DI Herwig Moosbrugger
Projekt 2, Kenn Nr. 654123, Arch DI Elisabeth Knorr, Neubaugasse 8010 Graz
Projekt 3, Kenn Nr. 29829 Univ.Prof.Arch.DI.Dr.Hansjörg Tschom, Alberstrasse 26/3, 8010 Graz
Projekt 4, Kenn Nr. 669778, Arch DI Guido Seeger, Am Platz 16, 8062 Kumberg
Projekt 5, Kenn Nr. 154397, Arch DI Irmgard Brottrager, G-Remschmidgasse 9, 8045 Graz
Präsentation der Arbeiten:
Die Arbeiten werden in der Greimhalle St.Peter am Kammersberg vom 23. - 27.10. 2006 jeweils von 13.00 Uhr bis 16. 00 Uhr ausgestellt.
Die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten bekommt ein Exemplar des Protokolls mit der Kopie der Verfasserbriefe.
Der Vertreter der Abteilung 15 verlangt, dass ein Exemplar der Niederschrift, ein gefalteter Plansatz des Siegerprojektes, eine farbliche Dokumentation desselben in A3 - Format sowie ein Modellfoto an die Abteilung 15 zu senden ist.
Der Vorsitzende bedankt sich beim Bürgermeister für seine Gastfreundschaft, bei den Jurymitgliedern und BeraterInnen für ihre konstruktive und umfassende Mitarbeit, verständigt den ersten Preisträger und in Folge die weiteren Teilnehmer.
Dieses Protokoll besteht aus den Protokollseiten 1 bis 6, der Anwesenheitsliste, dem Vorprüfbericht und den Kopien der Verfasserbriefe.
Ende der Jurysitzung: 15.15 Uhr
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich


