Juryprotokoll > Ideenwettbewerb Neugestaltung des Stadtplatzes in Mariazell

Das Juryprotokoll vom 17. Mai 2006 dokumentiert den Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Stadtplatzes in Mariazell.

02/06/2006

PROTOKOLL der Jurysitzung

Termin: Mittwoch, 17. Mai 2006

Beginn: 10:00 Uhr

Ort: Mariazell, Hotel Schwarzer Adler

JURYTEILNEHMER

_ Fachpreisrichter

Herr Architekt Dipl.-Ing. Irmfried WINDBICHLER

Herr Mag.arch. Johannes-Axel JUSTIN

_ Sachpreisrichter

Herr Bürgermeister Helmut PERTL

Herr Finanzreferent Gottfried SCHÖGGL

Herr Nikolaus HULATSCH

Berater des Preisgerichts

Herr Mag. Pater Karl Schauer

1. Begrüßung:

Der Vorsitzende, Herr Arch. Windbichler, begrüßt alle Mitglieder der Jury.

Beschlussfähigkeit:

Die Beschlussfähigkeit der Jury ist gegeben. Alle Mitglieder der Jury sind anwesend.

Befangenheit:

Auf Anfrage des Vorsitzenden wird festgestellt, dass keine Befangenheit vorliegt.

Verschwiegenheit:

Der Vorsitzende weist allen Teilnehmern an der Sitzung der Jury, auf die Verpflichtung der Verschwiegenheit bis zum Verfahrensende hin.

Tagesordnung:

In weiterer Folge wird vom Vorsitzenden die Tagesordnung vorgestellt. Es wird vereinbart, einen Sichtungsdurchgang mit Erläuterung der Vorprüfung durchzuführen, danach sollte die Diskussion über die Einhaltung der Rahmenbedingungen stattfinden.

Auf Vorschlag wird für die Bewertungsdurchgänge einstimmig festgelegt, dass im ersten Bewertungsdurchgang ein Projekt mit einer Stimme positiv in den nächsten Bewertungsdurchgang mitgenommen werden wird. Für alle weiteren Bewertungsdurchgänge wird einstimmig festgelegt, dass Projekte mit einfacher Mehrheit in den nächsten Bewertungsdurchgang aufsteigen können. Auf die Möglichkeit der Rückholung wird ausdrücklich hingewiesen.

2. Erster Sichtungsdurchgang mit Bericht der Vorprüfung

Von der Vorprüfung wurden lediglich formale Kriterien geprüft (Abgabeformalität, Einhaltung der Anonymität) und in einem schriftlichen Bericht festgehalten, der allen Juryteilnehmern zu Beginn der Jury übergeben wurde.

Im Zuge des ersten Sichtungsdurchganges werden alle Erläuterungsberichte vorgelesen.

Nach dem ersten Sichtungsdurchgang und nachdem sich die Jury einen Überblick über die Projekte und deren Inhalte gemacht hat, werden die einzelnen geforderten Problemlösungen nochmals vergleichend diskutiert.

3. Erster Bewertungsdurchgang

Es erfolgt der erste Bewertungsdurchgang, wobei festgelegt wurde, dass ein Projekt mit einer Stimme in den nächsten Durchgang mitgenommen wird:

Projekt 1035 - 1 Stimme

Projekt 1036 - 4 Stimmen

Projekt 1037 - 2 Stimmen

Projekt 1038 - 4 Stimmen

Projekt 1039 - 4 Stimmen

Projekt 1040 - 5 Stimmen

Projekt 1041 - 0 Stimmen

Projekt 1042 - 1 Stimme

Projekt 1043 - 5 Stimmen

Projekt 1044 - 0 Stimmen

4. Zweiter Bewertungsdurchgang

Für den zweiten Bewertungsdurchgang wurde festgelegt, dass ein Projekt mit einfacher Mehrheit in den nächsten Bewertungsdurchgang aufsteigt.

Die Projekte 1035, 1037, 1038, 1039, 1040 und 1043 werden nach dem zweiten Bewertungsdurchgang mehrheitlich in den nächsten Bewertungsdurchgang aufgenommen. Die Projekte 1036 und 1042 erhalten keine Stimme.

Damit verbleiben nachfolgende Projekte in der Wertung:

1035, 1037, 1038, 1039, 1040 und 1043

5. Abschluss

Auf Antrag des Vorsitzenden wird nach eingehender und ausführlicher Diskussion nachfolgender Antrag zur Abstimmung gebracht.

1. Preis: Projekt 1043

2. Preis: Projekt 1039

3. Preis: Projekt 1040

Die Projekte 1035, 1037 und 1038 werden gleichwertig für die Ankäufe vorgeschlagen.

Der Antrag wird einstimmig angenommen.

6. Abschluss

Nach Formulierung der allgemeinen Festhaltungen und der Projektsbeschreibungen bedankt sich der Vorsitzende bei den Jurymitgliedern, der Vorprüfung und dem beratenden Mitglied Pater Karl Schauer für das klare und einstimmige Ergebnis. Nutzer und Architekten haben konfliktfrei zusammengefunden und aus den, auf hoher Qualitätsstufe angebotenen Beiträgen, den besten Wettbewerbsbeitrag für die sicherlich nicht einfache weitere Bearbeitung ausgewählt.

Die Verfasserkuverts werden geöffnet. Die Gewinnerinnen des ersten Preises werden telefonisch vom Vorsitzenden verständigt. Die Jury ersucht den Schriftführer alle weiteren GewinnerInnen und TeilnehmerInnen vom Ergebnis der Juryberatung mittels e-mail in Kenntnis zu setzen.

Ende der Jurysitzung 16.00 Uhr

PROJEKTBESCHREIBUNGEN:

PROJEKT Nr. 1035: Arch. D.I. Moser/D.I. Manfred Haas, Wien

Das Projekt schreibt in konventioneller Form die Platzauffassung weiter. Das Bemühen um eine Verbesserung wird an den Zugängen zum Vorplatz der Basilika deutlich, vor allem der westliche Zugang mit den angeordneten Sitzstufen hat gestalterische Qualitäten. Eine prinzipielle Neustrukturierung und Neupositionierung ist aber nicht gegeben.

PROJEKT Nr. 1036: Arch. D.I. Thomas Michaeler, Wien

Das Projekt ist in seiner Lösung der Höhenentwicklung sehr radikal. Durch eine Dreistaffelung der Höhe mit drei Ebenen, die nahezu kein Gefälle aufweisen, sind die Abstufungen aber nahezu geschosshoch ausgefallen. Die Lösung der Schnittkanten ist geometrisch ehrgeizig und wird als skulpturaler Ansatz positiv gewertet. Die Projekt zeigt auch wie man unterhalb der Platzoberfläche mit Einbauten umgehen könnte und wie man von den Tiefbauten mit Erschließungselementen an die Oberfläche kommt. Durch die Dreiteilung der Platzfläche auf drei unterschiedlichen und nicht mehr zusammenhängenden Niveaus wird zwar die Alltagstauglichkeit unterstrichen und die Zonierungen vor den einzelnen Gebäuden sehr klar herausgearbeitet. Im Falle einer Großveranstaltung ist jedoch die Zerrissenheit des Platzes und eine Unübersichtlichkeit gegeben, die eine Bespielung in der gewünschten Form nicht gewährleistet.

PROJEKT Nr. 1037: Arch. D. I. Othmar Edelbacher, Mariazell

Der Entwurf bietet eine strenge Geometrie, die über den Platz gelegt wird. Einerseits durch eine Aufklappung und dem Unterbau, andererseits durch eine Sitzarena wird die Schwierigkeit der Neigung zu lösen versucht. Das Verlegen des fahrbaren Bereiches in Richtung der Basilika bietet für die gewählte Geometrie zwar mehr Platz, zeigt aber Anschlussproblematiken der Geometrie an die Platzelemente. Der Entwurfsansatz bietet für den Platz eine Solitärlösung, die in sich eigenständig wirkt und das Zusammenführen der unterschiedlichen Funktionen, vor allem der Einbeziehung der Basilika, vermissen lässt.

PROJEKT Nr. 1038: Heri und Salli, Arch. D.I. Heribert Wolfmayr, Wien

Die Rückführung des Platzes auf die ursprüngliche Höhenentwicklung wird durch dieses Projekt versucht. In sehr klarer Weise werden die einzelnen Niveaus des Platzes durch Stufenanlagen erschlossen. Positiv vermerkt wird, dass von unten nach oben die Sichtbeziehungen auch für Großveranstaltungen funktionieren. Die Struktur mit den Stufenanlagen und der kleinteiligen Platzmöblierung ist klar gewählt und wird dadurch die Alltagstauglichkeit erreicht. Die Höhenentwicklung wird aber durch die Gestaltungselemente als zu eingeschränkt empfunden.

PROJEKT Nr. 1039: Feyferlik & Fritzer Architekten , Graz

Der Entwurf entkleidet den Platz in radikaler Weise. Die dargestellte Klarheit ist gut vorstellbar. Die Zurücknahme auf die Ursprünglichkeit und das Anpassen an die zwischenzeitlich entstandenen Randbebauungen ist ein Ansatz, der viel Potential für zukünftige Entwicklungen offen lässt. Die ruhige und zurückhaltende Idee, den Brunnen in der vorgeschlagenen Form zu integrieren wird positiv bewertet. Die Barrierefreiheit, die Bespielbarkeit des Platzes für den Alltag und auch Großveranstaltungen ist in hohem Maße gegeben. Nicht ganz konsequent zu Ende geführt ist speziell die Anschlusszone in der Ecke zum Raiffeisengebäude hin. Die Qualität des Lösungsansatzes wird von der Jury sehr positiv bewertet.

PROJEKT Nr. 1040: D.I. Rath, Mürzzuschlag

Der Entwurf bietet durch das Aufklappen des unteren Bereiches des Platzes mit angebotenen Glasgalerieanschlüssen an die Gebäude einen interessanten Lösungsansatz. Die strenge Ordnung die durch den Entwurf gegeben ist, vermittelt einen hohen flächigen Ausnutzungsgrad des Platzes, lässt in seiner Variabilität eine gute Alltagstauglichkeit erwarten und bietet für Großveranstaltungen ein größtmögliches Potential. Die räumliche Schwierigkeit zwischen der Aufklappung und dem Fahrbereich wird mit einer Brunnenanlage gelöst, die als Raumelement im Platz integriert ist. Der Ansatz der Glasgalerie als verbindendes Element der Aufklappung zu den Randbebauungen wird positiv bewertet, müsste aber in jedem Fall überarbeitet werden, da über diesem Bereich die Zufahrt zum Stadtamt möglich sein muss und die Objekte mit Einsatzfahrzeugen erreicht werden müssen.

PROJEKT Nr. 1041: Arch. D.I. Andreas Harrich, Feldkirchen

Das Projekt versucht eine barrierefreie Platzsituation zu schaffen. Grundlage für die Anordnung der einzelnen Inseln sind Bewegungslinien. Die Alltagstauglichkeit wird durch die sehr scharfe Zonierung durchaus erreicht, doch findet die Jury, dass eine Großveranstaltung durch diese sehr determinierte Form nur mit sehr hohem Aufwand bzw. ohne Veränderung der freien Formen der Inseln gar nicht möglich ist.

Dir formale Ausführung der einzelnen Zonen nimmt keinerlei Bezug auf die bauliche Struktur und die städtebauliche Situation.

PROJEKT Nr. 1042: Arch. Mag.arch Ing. Eduard Neversal, Wien

Das Projekt verfolgt als Typologie die gleichmäßige Anordnung von Stufen, die das Niveau des Platzes greifbar und unter Kontrolle bringen soll. Durchdacht wird allerdings nur der Teil des Platzes der an die bestehende Randbebauung angrenzt. Der Platzbeginn von unten ist an sich gelöst, die Stufenform wirkt zwar für die Alltagstauglichkeit entsprechend, für die Großveranstaltung ist die die Ausrichtung der Anlage aber nicht geeignet. Die Formensprache der Elemente des Platzes wirkt konventionell.

PROJEKT Nr. 1043: Arch. D.I. Brigitte Spurey-Jammernegg + GSArchitects

Das Projekt schafft Klarheit und bietet eine Platzstruktur, die sowohl die Alltagstauglichkeit als auch Großveranstaltungen in optimaler Weise zulässt. Das Element des Brunnens wird neu definiert und in adäquater Weise in den Platz integriert. Der Respekt vor der Vergangenheit wird von den VerfasserInnen durch Verlegen des bestehenden Brunnens, auf den ansonsten als Restplatz definierten Teil außerhalb der Basilikamauern, positiv bewertet, da sich dadurch auch die gesamte Neben-Platzsituation dieses Bereiches in die Hauptplatzgestaltung mitintegrieren lässt. Die Hauptstiege zur Basilika wird durch diesen Eingriff sehr gut aufgewertet und erhält nicht nur ein einseitiges zum Platz orientiertes Gewicht.

Ein Projekt, das durch einen radikalen aber wohlüberlegten Ansatz einen Platz schafft, der alltagstauglich ist und für Großveranstaltungen alle Möglichkeiten offen lässt. In zukunftsorientierter Weise wird eine neue Form in die Diskussion gebracht, die als Ansatz für künftige Adaptierungen geeignet ist.

PROJEKT Nr. 1044: Langmaier & Pürstl, Arch. D.I. Herwig Langmaier, Graz

Die Projektverfasser versuchen über Anknüpfungspunkte an der westlichen Bestandsgrenze eine gefaltete Typologie zu entwickeln. Die Dreiecksgliederung kann aber nicht weiter nachvollzogen werden. Es wird lediglich der Teil vom befahrbaren Bereich zur Randbebauung einer Bearbeitung unterzogen. Der Bereich in Richtung Basilika bleibt unausgesprochen. Die Grünraumsituation zur bestehend Platzrandbebauung durch den doch sehr steilen Hang wird von der Jury kritisch hinterfragt.

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