Ort: Hotel Mercure, Graz
Datum: 7. Oktober 2003
Dauer: 8.30 Uhr - Jurybeginn, 19.00 Uhr - Juryende
ANWESENDE:
Für die Ingenieurkammer für Steiermark und Kärnten:
Arch. DI Werner Wratschko
Arch. DI Reinhold Tinchon (Ersatzjuror – ohne Stimmrecht)
Für die Stadt Graz:
Referat für Wohnbau - Gerald Hengsberger
Hochbauamt - DI Heinz Reiter
Stadtplanungsamt - DI Suzanne Artes
Amt für Jugend und Familie - Heidi-Irene Beck, Amt für Jugend und Familie - Brigitta Zierer (gemeinsames Stimmrecht)
Für das Amt der Steiermärkischen
Landesregierung:
Fachabteilung 17B - OBR DI Gerda Missoni (Ersatzjuror für OBR Sark, 16B)
Fachabteilung 16B - DI Barbara Böss (Trainee – ohne Stimmrecht)
Abteilung 15 - OBR DI Walter Kuschel
Für den Veranstalter ÖWGES:
Bm. Ing. Johann Frank
Arch. DI Dieter Salzmann
Als Vorprüfer: DI Elisabeth Heyszl
Protokollführung:
Hildegard Hollerer, ÖWGES
Im Namen des Veranstalters begrüßt Herr Bm. Ing. Frank die Anwesenden.
Nach einer Vorstellungsrunde ersucht Bm. Frank die Jurymitglieder, die Wahl der Juryfunktionen vorzunehmen. Der nachstehende Vorschlag wird einstimmig angenommen:
Juryvorsitzender – Arch. DI Werner Wratschko
Stellvertretender Vorsitzender – DI Suzanne Artes
Schriftführer – Bm. Ing. Johann Frank
Stellvertretender Schriftführer – DI Heinz Reiter
Im Anschluss daran stellt der Vorsitzende die Beschlussfähigkeit der Jury (9 stimmberechtigte Jurymitglieder) und die Unbefangenheit sämtlicher Jurymitglieder fest und verweist diese auf ihre Verschwiegenheitspflicht.
Bm. Frank erläutert nochmals die in der Auslobung festgelegten Aufgaben für die Projektverfasser. Frau DI Artes verweist anschließend auf die Vorgaben des Stadtplanungsamtes.
Um 9:30 Uhr trifft Herr Dr. Gerhard Tomberger ein, der die Jury in schalltechnischer Hinsicht beraten soll.
Ab 9:30 Uhr - Bericht des Vorprüfers:
Anhand der Vorprüfberichte und der dargestellten Projekte erfolgt eine erste Informationsrunde der Jury durch den Vorprüfer.
Ab 11.45 Uhr - Erste Bewertungsrunde:
Es werden die einzelnen Projekte in Bezug auf die vorgegebenen Kriterien laut Auslobung Pkt. 3.1. diskutiert. Die Ergebnisse zeigen die stichwortartigen nachfolgenden Projektbewertungen.
Projektbewertung:
Projekt 1:
Städtebau: - Nicht überzeugendes Konzept, Einzelobjekt, in der Summe eine unausgewogene Kompaktkomposition.
Besonnung: Ausreichend, Mindestanforderungen erfüllt (Streiflicht).
Schallschutz: - Keine Aussage
Erschließung: + Innere Erschließung übersichtlich
Funktion KIGA: + Raumaufteilung gelöst
Funktion Hort: + Raumaufteilung gelöst,
- Freiflächenerschließung über Aussenstiege
- Kein Freiraumangebot im OG
Funktion Whg.: - Nicht überzeugende Wohnungsgrundrisse, entsprechen nicht den Standardausführungen.
Wirtschaftl. Tragsystem: - Das aufwendige Tragsystem erscheint unwirtschaftlich, die Tiefgarage kostenintensiv, da unter Objekt.
Wirtschaftl. Fundierung: - Erhöhte Baugrubensicherung durch nahes Anbauen an Bestand.
Projekt 2:
Städtebau: + Grundsätzlich gelungene Lösung
+ Umgang mit Freiflächen
+ Straßenansicht Fröhlichgasse
Besonnung: + Gut gelöst
Schallschutz: - Steht im krassen Widerspruch zur städtebaulichen Lösung / 3-4 m hohe (Glas-)wände.
Erschließung: + Grundsätzlich unproblematisch, Eingangslösung Hort und Kindergarten gelungen
- Erschließung der Wohnungen im Zusammenhang mit
- Grundrisslösungen ist durch Einsicht- und Schachtwirkung
- problematisch
Funktion KIGA: - Die 2-geschoßige Organisation wird vom Nutzer negativ bewertet.
- Die Orientierung der Freiflächen zur Fröhlichgasse wird aus
- schalltechnischen Gründen als schwerer Mangel bewertet.
Funktion Hort: + Zugängigkeit und Erreichbarkeit der Freiflächen gut gelöst.
Funktion Whg.: - Zu kleine, innen liegende Küchen
- Schlafzimmer zu Laubengängen
Wirtschaftl. Tragsystem: - Laubenganglösung kostenintensiv.
Wirtschaftl. Fundierung: - Erhöhte Baugrubensicherung durch nahes Anbauen an Bestand.
Die Farbdarstellungen im Lageplan entsprechen nicht der geforderten Ausführungsqualität!!
Projekt 3:
Städtebau: + Grundsätzlich nachvollziehbarer Lösungsansatz mit schöner Vorzonierung.
- Dislozierter Spielbereich für die Wohnungen (nur durch einen
- von Zäunen eingefassten Korridor erreichbar).
- Städtebaulich nicht nachvollziehbare Eckausbildung.
- Monotone Höhenentwicklung.
Besonnung: - Im Inneneckbereich Beschattungsproblematik
- Die indirekte Besonnung der Kindergartenräume ist
- grundsätzlich möglich, wird jedoch im Vergleich zu anderen
- Projekten als nicht gleichwertig eingestuft.
Schallschutz: + Grundsätzlich gelöst, Einschränkung: westliche Wohnung in Fröhlichgasse.
Erschließung: + Grundsätzlich gelöst.
Funktion KIGA: + Raumaufteilung gelöst.
- 4. Gruppenraum disloziert.
- Erschließung der Freiflächen verbesserungswürdig.
Funktion Hort: + Raumaufteilung gelöst.
Funktion Whg.: - Erschließung der Freiflächen verbesserungswürdig.
Wirtschaftl. Tragsystem: + Kostengünstig realisierbar.
Wirtschaftl. Fundierung: + Gegeben.
Das äußere Erscheinungsbild wird nicht positiv bewertet.
Projekt 4:
Städtebau: - Nicht nachvollziehbar gelöst.
Besonnung: + Gelöst.
Schallschutz: - Ungelöst.
Erschließung: - TG-Rampe an Grundstücksgrenze problematisch.
- Freiflächenverteilung ungünstig, da durch KIGA-/Hort-
- Baukörper geteilt.
Funktion KIGA: - Küchenzulieferung unfunktionell.
- Gruppenräume zu Fröhlichgasse beschallt.
- Freiflächen nicht ausreichend.
Funktion Hort: - Freiflächen am Dach äußerst problematisch und nicht ausreichend.
+ Als schön empfunden und positiv bewertet wird der
vorgelagerte Placa-Bereich.
Funktion Whg.: - Grundrisse herkömmlich gelöst, zum Teil beschallt.
Wirtschaftl. Tragsystem: + Gegeben.
Wirtschaftl. Fundierung: + Gegeben.
Projekt 5:
Städtebau: Die positive Zeilenrandverbauung findet keine Entsprechung in der Fröhlichgasse.
- Der 5 m hohe Erdwall entlang der Fröhlichgasse wird
- städtebaulich als bedenklich bewertet.
Besonnung: Ausreichend – Mindestanforderungen erfüllt.
Schallschutz: + Die Schallproblematik für die Grünbereiche durch Rodelhügel gelöst.
- Die SW-Fassaden der Wohnungen sind grundsätzlich gelöst,
- aber verbesserungswürdig.
Erschließung: + Ist gelöst, grundsätzlich aus Schönaugasse.
Funktion KIGA: + Klare Lösung
+ Rodelhügel für Nutzer positiv.
Funktion Hort: + Das Manko der Freiflächenerschließung aus dem OG wird durch Terrassenangebote im 1. OG entschärft.
Funktion Whg.: - Als massiver Mangel wird die Planung von lediglich 31 Wohnungen anstelle der geforderten 50 Whg. bewertet. Die festgelegte Unterschreitung von max. +/-10% wurde nicht eingehalten (-40%!!).
Wirtschaftl. Tragsystem: + Gegeben.
Wirtschaftl. Fundierung: + TG unter Baukörper – erhöhte Baukosten.
Projekt 6:
Städtebau: + Sehr schlüssige Lösung mit sensibler Maßstäblichkeit der Baukörper zu einander ergibt eine stimmige Qualität. Der
Nachweis zur Baumerhaltung ist zu erstellen.
+ Große Identifikationsmöglichkeit von Kindergarten und Hort.
+ Großzügige Hofbildung mit konsequenter Zuordnung der Freiräume zu den einzelnen Funktionsbereichen.
Besonnung: + Nahezu flächendeckend gut gelöst.
Schallschutz: + Durch Gebäudeanordnungen gut gelöst.
Erschließung: + Generell gut gelöst, Einschränkung bei TG; die Rampenlänge ist zu kurz geplant, die TG-Erschließung ist detaillierter darzustellen (siehe Auflagen).
Funktion KIGA: + Beruhigter Ankommensbereich aus Widowitzgasse.
+ Die Funktionen des Kindergartens sind sehr gut gelöst, die intensiv gestalteten Garderobenbereiche sind hervorzuheben.
Funktion Hort: + Die Funktionen sind grundsätzlich gut gelöst und strukturiert durchgebildet.
+ Die überwiegend ebenerdige Anbindung des Hortes an die Grünbereiche wird positiv bewertet.
Funktion Whg.: + Grundsätzlich gelöst, die Anzahl der Lifte ist zu reduzieren.
Funktion Elternberatung: - Die Anordnung über 2 Geschoße widerspricht den Vorgaben und ist 1-geschoßig auszuführen.
Wirtschaftl. Tragsystem: + Gegeben.
Wirtschaftl. Fundierung: + Gegeben, TG außerhalb des Baukörpers.Mittagspause von 13:00 - 14:20 Uhr
14:30 Uhr - Erste Abstimmungsrunde:
Die Abstimmung soll in der Form erfolgen, dass jedes Projekt, dass mindestens 3 Stimmen erhält, in der Wertung verleibt.
Die Abstimmung bringt folgendes Ergebnis:
Pro : Kontra
Projekt 1: 1:8
Projekt 2: 3:6
Projekt 3: 5:4
Projekt 4: 0:9
Projekt 5: 4:5
Projekt 6: 9:0
Somit verbleiben noch 4 Projekte in der weiteren Wertung (Projekt 2, 3, 5 und 6), Projekt 1 und Projekt 4 sind somit ausgeschieden.
Anmerkung: Aus den Pro-Stimmen kann man u.a. den Stellenwert des Projektes ablesen.
14:45 Uhr - Zweite Abstimmungsrunde:
Nachdem das Projekt 6 die meisten Pro-Stimmen erhalten hat, wird der Antrag gestellt, das Projekt 6 zum Leitprojekt zu erklären. Dieser Antrag wird mit 9:0 Stimmen einstimmig angenommen.
Auflagen der Jury zum Leitprojekt:
1. Schlüssiger Nachweis der EG-Niveaus aller Bauteile im Bezug zum Naturgelände einschließlich Baumbestands-Erhaltungsnachweis.
2. Schallschutznachweis der Wohnungsgrundrisse im Detail.
a) In den beiden letzten Obergeschossen im Kreuzungsbereich Fröhlichgasse/ Schönaugasse.
b) In den Wohnungen längs der Fröhlichgasse.
3. Verbesserung Erschließung und Reduktion der Lifte im Bauteil Fröhlichgasse.
4. Abstimmung des Eckbereiches Fröhlichgasse/Schönaugasse zwischen Grundrissen und Ansichten (Fenster an Südseite sind erwünscht).
5. Keller-Nachweis mit erforderlichen Räumen (Kellerabstellraum, Trockenraum udgl.).
6. Nachweis der TG-Erschließung (Schnittdarstellung).
7. Nachweis der Bepflanzbarkeit der TG-Decke.
8. Nachweis einer kindergerechten Grünraumplanung für Kinderbetreuungs- und Wohnbereich.
9. Verlegung der gesamten Elternberatung in das EG.
10. Nachweis der Funktion der Kinderbetreuung während der einzelnen Bauphasen (Teilabbruch).
Die Auflagen sind im Einvernehmen mit dem Bauträger und den Nutzern abzustimmen und dem Wohnbautisch vorzulegen.
Öffnen der Verfasserbriefe
Der Vorsitzende würdigt das Engagement der Teilnehmer und bedankt sich beim Auslober und bei den Jurymitgliedern, den Beratern, der Vorprüfung und der lärmtechnischen Beurteilung für die konstruktive Mitarbeit. Weiters verständigt er telefonisch den Preisträger und die weiteren Teilnehmer und ersucht den Auslober, den Preisträger mit der weiteren Planungsarbeit zu beauftragen.
Der Vertreter der A 15 ersucht, ein Exemplar der Niederschrift, einen verkleinerten Plansatz des Siegerprojektes (farbliche Dokumentation in A3-Format) und zwei Modellfotos an die A 15 zu senden. Anmerkung: Das Original des Siegerprojektes verbleibt beim Auslober und ist bei jeder Wohnbautisch-Vorlage mitzubringen inkl. dem Nachweis der Erfüllung der Jury-Auflagen.
Ein Exemplar des Protokolls ergeht an die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten.
Die Ausstellung der Projekte findet vom 20. bis 30. Oktober 2003 im Hochbauamt des Magistrat Graz, 8020 Graz, Europaplatz 20, 8. Stock, während der Amtsstunden statt.





