ORT: HDA Haus der Architektur
DATUM: 7.6.2005
ZEIT: 9:00 Uhr – 19:00 Uhr
PAUSE: 13:15 Uhr – 13:45 Uhr
Protokoll zur Jurysitzung
Teilnehmer:
Arch. Croce, Arch. Gasparin, Schenn - Stadtplanung, Werle - Stadtbaudirektion, Almer - KAGES, Bergthaler - MUG, Moser - Immorent, Türk - Arch. Hierzegger, Wiener - Stadtgartenamt, Fischer - Verkehrsplanung, Hoffer – Stadtbaudirektion
1. BEGRÜSSUNG - EINLEITUNG:
Stadtbaudirektor Werle begrüßt als Vertreter des Auslobers die Anwesenden Juroren und stellt als Berater des Auslobers DI Fischer für fachliche Auskünfte aus dem Bereich der Verkehrsplanung und DI Wiener für fachliche Auskünfte aus dem Bereich Grünraum vor.
Weiters nimmt DI Hoffer als Projektleiter der Stadtbaudirektion als Auskunftsperson an der Jury teil. In der anschließenden Wahl wird Frau Arch. Gasparin zur Jury-Vorsitzenden gewählt und übernimmt den Vorsitz. Einstimmig werden gewählt: Zum Stellvertreter der Jury-Vorsitzenden Herr Arch. Croce, als Schriftführer Herr Schenn (Stadtplanung), als Stellvertreter des Schriftführers BD Werle (Stadtbaudirektion).
Die Jury-Vorsitzende stellt die Frage nach der Befangenheit der Jury-Mitglieder, dieses wird von allen Beteiligten verneint. Die Teilnahme der oben genannten Konsulenten der Stadt wird auf Anfrage von allen Jury-Mitgliedern als hilfreich gesehen und daher positiv abgestimmt.
Hr. Almer (KAGES) ersucht um statische Vorprüfung aller Projekte, da die Errichtung des ZMF II auf der Tiefgarage gewährleistet sein muss und der Vertreter der KAGes kein Siegerprojekt ausloben will, welches bautechnisch nicht realisierbar wäre. Fr. Arch. Gasparin schlägt vor, dass ein Statiker (zB Lorenz - Vorschlag Almer) für den Bedarfsfall bereitstehen und von der Jury beigezogen werden soll.
BERICHT - VORPRÜFUNG:
Fr. Türk berichtet: 8 Projekte und Modelle wurden zeitgerecht abgegeben. Der Wettbewerb hat den Ausschreibungsbedingungen und der Wettbewerbsordnung der Architekten- und
Ingenieurkammer entsprochen. Abgabetermin der Arbeiten und Modelle: 25. Mai 2005, 12:OO Uhr. Die Vorprüfung hat die eingelangten Beiträge mit laufenden Nummern versehen, die von den Verfassern angegebenen sechsstelligen Kennziffern wurden überklebt. Anonymisierte Verfasserkuverts wurden unter Verschluss aufbewahrt und werden der Vorsitzenden übergeben. Es liegen somit 8 Projekte zur Beurteilung vor.
1. INFORMATIONSRUNDGANG:
Fr. Türk erläutert anhand des Vorprüfungsberichtes die einzelnen Projekte und deren Entsprechung mit den Ausschreibungskriterien.
DISKUSSION:
Die Vorsitzende erläutert nochmals die grundlegenden Anforderungen an die Teilnehmer des städtebaulichen Wettbewerbes und die grundlegenden Anforderungen für die Teilbereiche. (Ausschreibungskriterien) MUG, Zahnklinik, Riesplatz, Personalwohnheim, KAGes Kindergarten, Parkgarage - ZMF - Parkplatz, Haus der Brmherzigkeit.
2. INFORMATIONSRUNDGANG
Anhand der Erläuterungsberichte (Charakteristik), der Projektbeurteilung durch die fachtechnische Vorprüfung/Stadtklima (Univ. Prof. Dr. Lazar) und in Bezug auf die städtebaulichen Vorgaben werden die einzelnen Projekte studiert und besprochen.
1. AUSSCHEIDUNGSRUNDGANG
Projekte für die weniger als ein Drittel der Jury-Mitglieder positiv stimmen, werden in der Folge nicht mehr diskutiert und somit ausgeschieden.
Projekt 1: Mehrheitlich für den Verbleib
Projekt 2: Mehrheitlich für den Verbleib
Projekt 3: Mehrheitlich für den Ausschluss
Projekt 4: Mehrheitlich für den Ausschluss
Projekt 5: Mehrheitlich für den Verbleib
Projekt 6: Einstimmig für den Verbleib
Projekt 7: Mehrheitlich für den Ausschluss
Projekt 8: Mehrheitlich für den Verbleib
Es bleiben somit 5 Projekte in der Wertung, nämlich die Projekte 1, 2, 5, 6 und 8.
Mittagspause von 13:15 Uhr bis 13:45 Uhr
Für die weitere Vorgangsweise und Bewertung der Projekte wird die Liste der Beurteilungskriterien, wie sie in der Ausschreibung angeführt ist, auf die folgenden wesentlichen Punkte hin komprimiert:
1. Städtebauliche Kriterien (2.4.1.)
1.1. Situierung der Baukörper zu einander und in Bezug zum unmittelbaren Umfeld
1.2. Maßstäblichkeit der vorgeschlagenen Bebauung
1.3. Gestaltung der Außenräume und Entwicklungsfähigkeit des Riesplatzes
2. Funktionelle Kriterien (2.4.2.)
2.1. Flexibilität und Entwicklungsfähigkeit
2.2. Grünraum und Verkehr
3. Umsetzungsrelevante Kriterien (2.4.3.)
3.1. Beachtung der Eigentumsverhältnisse und der voneinander unabhängigen Realisierbarkeit der Bebauung auf den einzelnen Bauplätzen bzw. Grundstücken in Etappen
3.2. Ausnutzung der zulässigen Bebauungsdichte
Die einzelnen Projekte werden entsprechend der einzelnen Kriterien beschrieben:
Projekt 1:
Klimaökologisch ist das Projekt 1 positiv zu beurteilen. Der Grünraum ist im Bereich des Stiftingtales zusätzlich eingeschränkt und durch die massive Überplattung zu kurz
gekommen. Die Maßstäblichkeit des Projektes wird im Hinblick auf die stadträumliche
Umgebung als überzogen betrachtet. Hinsichtlich der Nutzung ist die enge Stellung der Baukörper im Norden problematisch. Der Riesplatz hat durch die Stadttorsituation Stiftingtalstraße keine Entwicklung erfahren. Die Eigentumsverhältnisse gegenüber dem Haus der Barmherzigkeit wurden respektiert. Im Bereich MUG / KAGes fehlt die klare Linie. Das Rad- und Gehwegenetz findet im Sockelgeschoss eine unüberwindbare Barriere. Die Flexibilität in Bauausführung sowie Erweiterbarkeit ist maßgeblich eingeschränkt.
Projekt 2
Das Projekt zeichnet sich aus städtebaulicher Sicht insbesondere durch ein
zweigeschossiges Sockelgeschoss aus, auf welches talparallele Riegel aufgesetzt werden. Die strenge Nord-Süd-Orientierung der Bebauung dokumentiert eine klare städtebauliche Haltung (Kontrapunkt zum LKH), welche auch den klimatologischen Empfehlungen entspricht.
Die parallelen Baukörper weisen einen geringen Zwischenabstand und Gebäudetiefe auf (Beschattung und Nutzungseinschränkungen). Das Projekt nimmt in städtebaulicher Hinsicht kaum Bezug zur unmittelbaren Umgebung auf. Die Maßstäblichkeit der vorgeschlagenen Bebauung überschreitet die vorhandene städtebauliche Umgebungsstruktur der aufgelockerten Stadtrand-Bebauung. Im Bereich des Riesplatzes ist keine Bebauung vorgesehen; der westlichste Riegel der MUG schiebt sich bis zur Achse des Hauses der Barmherzigkeit an die Riesstraße vor und lässt so einen städtebaulich nicht weiter gefassten Bereich nördlich der Riesstraße offen. Grundsätzlich ist eine etappenweise Errichtung des Projektes möglich; dennoch bildet das durchgehende Sockelgeschoss ein schwer trennbares Gesamtbauwerk. Weiters erschwert der durchgehende Sockel die geforderte Durchlässigkeit des Planungsgebietes im Sinne eines Campus für Fußgänger; die Fuß-Radweg-Verbindung zwischen Billrothgasse und Stiftingtalgasse ist nicht dargestellt aber möglich.
Projekt 5:
In Reaktion auf die bauliche Struktur des LKH sieht der Entwurf ein System von überlagerten Strukturen vor. Unterhalb einer für den fußläufigen Verkehr definierten Ebene (über dem 2. Geschoss) wird eine Mäanderstruktur, oberhalb dieser Ebene eine in Talausrichtung positionierte Struktur vorgeschlagen. Damit werden spannungsvolle Raumbeziehungen, Flexibilität und Entwicklungspotentiale aufgezeigt. Die Maßstäblichkeit der Gebäudehöhen zueinander ist gewahrt. Zur räumlichen Entwicklung bzw. Fassung des Bereiches „Riesplatz“ wird keine überzeugende Lösung angeboten. Die im Osten angedachte zweigeschossige Geländeabsenkung stellt einen unakzeptablen Eingriff in die Topographie dieser Hanglage dar. Ein städtebaulich – funktioneller Problempunkt ist die Einengung des Stiftingtales (inkl.
Stiftingtalbach und der notwendigen Verkehrsinfrastruktur) durch zwei Gebäude im Bereich zwischen KAGes-Direktion und Haus der Barmherzigkeit. Der Entwurf sieht eine Veränderung der Lage der Stiftingtalstraße und der Straßenbahntrasse vor und ist damit im Kern nicht umsetzbar!
Projekt 6:
Als Folge ganzheitlicher Betrachtung unter Einbeziehung des gesamten Planungsraumes
„Seniorenwohnheim im Osten“ und das neue „LKH-Eingangszentrum“ im Westen kommen
die Verfasser zu einer völlig neuen räumlichen Auffassung des Ortes. Die vorgeschlagene Lösung formuliert das vom Auslober gewünschte Programm unter Berücksichtigung der zu Grunde gelegten Kriterien. Das Nord-Süd verlaufende Stiftingtal wird als Grünzug an die Riesstraße herangeführt und schließt als entwickelbare Platzfläche (Riesplatz) ab. Die geforderten Nutzflächen fügen sich als einzelne locker verteilte Projekte in nahezu offener Bebauung ein. Dadurch wird eine zu starke Verdichtung vermieden, was wiederum dem Gebietscharakter entspricht. Die notwendigen Verbindungen der vorgegebenen „Niveaus“ (LKH bzw. Stiftingtal) sind ein Brücken- und Wegesystem und somit Teil des Entwurfgedankens zu den einzelnen Projekten und gestaltgebend. Durch die schon erwähnte offene campusartige Bebauung ist Flexibilität, Etappierung, Entwicklungsfähigkeit unter Beachtung der vorgegebenen Eigentumsverhältnisse sehr gut möglich und schließt die Ausnutzung der zulässigen Dichte mit ein.
Der Auslober weist darauf hin, dass die Verschwenkung des Baukörpers ZMF II keine
Vorgabe für eine mögliche Realisierung ist, sondern ausschließlich die Vorgaben des
vorliegenden statischen Systems zu berücksichtigen sind. Außerdem unterliegt dieser Bauplatz nach Ansicht der Stadtplanung keiner Bebauungsplanpflicht.
Projekt 8:
Das vorgeschlagene städtebauliche Konzept basiert auf der Idee für MUG und ZMK eine
dem ZMF II entsprechende Lösung von auf einer Basis aufragenden Einzelbaukörpern
vorzuschlagen. Die Sockelplatten bedecken fast die gesamten zur Verfügung stehenden
Areale und zeigen mit Ausnahme kleiner Anschlussbereiche keine landschaftlichen
Übergänge. Die über dem Sockel aufragenden Bauteile sind ähnlich wie ZMF I ausgerichtet
und als gerade und geknickte Zeilen zu teilweise massiven Blöcken paketiert. Lediglich die MUG ist ein geknickter längsbetonter „Blitz“. Die Maßstäblichkeit der vorgeschlagenen Bebauung ist insbesondere im Bereich östlich der Zahnklinik zu dicht gewählt (wenngleich
die Bebauungsdichte hier unterschritten und bei der MUG überschritten wurde) und stellt für die anschließende Wohnbebauung eine massive Barriere dar. Auch im Innenverhältnis der Baublöcke ist sowohl hier als auch bei ZMF II eine ungenügende Belichtung der Arbeitsplätze ablesbar. Die bewegte Form der über der Platte aufragenden Geschosse der MUG ist zwar geeignet die Längenausdehnung zu differenzieren, aus der Perspektive des
Stiftingtales, wie auch vom östlichen Hang her, riegelt der Sockel jedoch zu stark ab und widerspricht der Forderung nach einer lockeren und durchwegungsreichen Campusbebauung. Der Südausläufer der MUG ist möglicherweise als rhythmisierendes Element gedacht, neben dem Widerspruch zur Flächenwidmung sieht die Jury in der Teilung des Großraumes Riesplatz in einen Verkehrsplatz und eine nicht weiter definierte Zone entlang der Riesstraße keinen zukunftsweisenden Beitrag. Als einziger großzügiger Grünraum wird eine Plateau-Erweiterung im Bereich des Kindergartens angeboten, Dachbegrünungen allein vermögen den hohen Versiegelungsgrad jedoch nicht aufzuwiegen.
Insgesamt vermittelt das Projekt zwar eine starke Identität, ist aber zugleich sehr stark determiniert und geschlossen (Basis-Platten). Flexibilität oder Etappierung in der Errichtung erscheinen nicht realistisch.
Nach eingehender Diskussion wird konsensual eine Reihung erarbeitet und der Antrag
gestellt, über diese Reihung der Projekte abzustimmen. Die Vorsitzende bringt folgenden Antrag zur Abstimmung: Das Projekt Nr. 6 mit dem 1. Preis zu prämieren: Abstimmung einstimmig.
Empfehlung der Jury zum prämierten Projekt: Eine Überarbeitung bzw. die Weiterentwicklung des Projektes als Grundlage für den zu erstellenden Bebauungsplan ist mit dem Stadtplanungsamt abzustimmen.
Die Diskussion hat ergeben, dass ein 2. Preis nicht vergeben werden kann, weil die
Campus-Idee bei keinem der weiteren Projekte entsprechend überzeugend ausformuliert worden ist. Die Vorsitzende bringt den Antrag zur Abstimmung, die Projekte Nr. 2 und Nr. 1 ex aequo für den 3. Platz zu nominieren: Einstimmig angenommen. Ebenso einstimmig angenommen wird der Antrag auf Nominierung des Projektes Nr. 5 für den Ankauf und des
Projektes Nr. 8 für dessen Nachrücker.
PRÄMIERUNG:
Laut Ausschreibung sollte die Jury über die Aufteilung des Preisgeldes von € 6.000,--
befinden, einstimmig erfolgt dies:
1. Preis € 3.500,--
3. Preis jeweils € 1.000,--
Ankauf € 500,-
ÖFFNUNG DER VERFASSERBRIEFE um 18:00 Uhr:
1. Preis: Projekt Nr. 6, Bus-Architektur, Mag. Spinadel Laura Patricia
3. Preis: Projekt Nr. 2, Feichtinger & Feichtinger
3. Preis: Projket Nr. 1, Pittino & Ortner
Ankauf: Projekt Nr. 5 Gieselbrecht & Partner
Nachrücker: Projekt Nr. 8, Lainer Rüdiger, Architekt
Projekt Nr. 3, Leb-Idris Jasmin, Architektin
Projekt Nr. 4, Graffer Alfred;
Projekt Nr. 7, Pichler Arthur
Die Vorsitzende bedankt sich bei der Vorprüfung für die gute Vorbereitung und die fachlich ausgezeichnete Begleitung während der Jury, im Namen der Teilnehmer bedankt sie sich auch bei den drei Auslobern für die intensive Auseinandersetzung mit den vorliegenden
Projekten und wünscht allen Beteiligten für die positive Weiterentwicklung des Projektes
alles Gute. Sie verständigt telefonisch die Preisträgerin und ersucht um Bekanntgabe der
vorgesehenen Ausstellungsörtlichkeit sowie Ausstellungsdauer.
SCHLUSS UM 19:00 Uhr