JURYPROTOKOLL > GELADENER ANONYMER ARCHITEKTURWETTBEWERB FÜR DIE NEUERRICHTUNG EINES 2-GRUPPIGEN KINDERGARTENS UND EINER 1-GRUPPIGEN KINDERKRIPPE IN KUMBERG

Das Juryprotokoll vom 18. Mai 2006 dokumentiert den geladenen Architekturwettbewerb für einen Kindergarten und eine Kinderkrippe in Kumberg.

06/07/2006

JURYPROTOKOLL der Preisgerichtssitzung vom 18.05.2006

GELADENER ANONYMER ARCHITEKTURWETTBEWERB FÜR DIE NEUERRICHTUNG EINES 2-GRUPPIGEN KINDERGARTENS UND EINER 1-GRUPPIGEN KINDERKRIPPE IN KUMBERG

1. Allgemeiner Teil

1.1. Auslober:

Marktgemeinde Kumberg

Am Platz 8, 8062 Kumberg

1.2. Gegenstand des Wettbewerbes:

Gegenstand des Wettbewerbes ist die Erlangung von Vorentwürfen für den Neubau eines 2-gruppigen Kindergartens und einer Kinderkrippe.

1.3. Art des Verfahrens:

Der Wettbewerb wurde als geladener Architekturwettbewerb ausgeschrieben und anonym durchgeführt. Im Anschluss an den Wettbewerb findet ein Verhandlungsverfahren mit dem Erstgereihten statt.

Konstituierende Sitzung des Preisgerichtes:

Die konstituierende Sitzung des Preisgerichtes fand am 21.03.06 in Kumberg statt.

Es wurde gewählt

zum Vorsitzenden: Arch. DI. Hans Mesnaritsch

zum stellvertretenden Vorsitzenden: Bgmst. Gruber

zum Schriftführer: Frau DI. Kristina Posch

Vorprüfung:

Die Vorprüfung erfolgte durch DI Georg Laube von 15.05.06 bis 17.05.06 in den Räumen der convex ZT GmbH, Am Katzelbach 7, 8054 Graz. Das Prüfprotokoll liegt diesem Protokoll bei.

Tagung des Preisgerichtes:

Die Tagung des Preisgerichtes erfolgte am Donnerstag, 18.05.06, ab 9:00 im Gemeindeamt Kumberg.

Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten:

Alle eingereichten Wettbewerbsarbeiten werden nach Abschluss des Preisgerichtes mindestens zwei Wochen im Gemeindeamt Kumberg ausgestellt. Die Namen der Verfasser der Wettbewerbsarbeiten sowie deren Mitarbeiter werden in dieser Ausstellung angegeben.

Nach Beendigung des Wettbewerbes bzw. der Ausstellung können die Arbeiten der nicht prämierten Teilnehmer innerhalb von 14 Tagen abgeholt werden, anderenfalls werden sie auf dem Postweg per Nachnahme zurückgesandt.

2. Protokoll gem. §18 (13) WOA

2.1 Ort, Zeit, Dauer und Unterbrechung der Sitzung

Ort: Gemeindeamt Kumberg, Sitzungssaal

Zeit: 9:00 bis 16:45

Dauer: 6,5 Stunden (Unterbrechung wurde abgezogen)

Unterbrechung: 13:00 bis 14:15

Auswärtige Besichtigung: 10:45 bis 11:45 am Bauplatz (mit den

Modellen)

2.2 Verzeichnis der Anwesenden

JurorInnen:

FachjurorInnen:

Arch. DI Hans Mesnaritsch, Wielandgasse 56/2, 8010 Graz

DI Georg Kanhäuser, FA 17B

DI Kristina Posch, FA 16, Referentin für Landes- u. Gemeindehochbau Sachjurorinnen:

Bürgermeister Franz Gruber

Veronika Eibl (Kindergartenleitung Kumberg)

Ersatzjurorin:

Arch. DI Andrea Redi, Gleisdorfergasse 6, 8010 Graz

Beraterin / Außenstehende: Frau DI Perl

Vorprüfer:

DI Georg Laube (convex ZT GmbH)

Frau DI Posch und Frau DI Redi verlassen wegen dringender Termine um 16:10 die Sitzung.

2.3 Vorsitzender, Schriftführer

Vorsitzender: Arch. DI Hans Mesnaritsch

stellvertretender Vorsitzender: Bgmst. Gruber

Schriftführer bis 1610: DI Kristina Posch

Schriftführer ab 1610: DI Georg Kanhäuser

2.4 Sitzungsverlauf

Arch. Mesnaritsch eröffnet die Sitzung um 9.00 Uhr. Es sind alle Jurymitglieder anwesend. Die Beschlussfähigkeit der Jury ist gegeben. Kein Jurymitglied ist befangen. Die Jury beschließt einstimmig, dass die Anwesenheit von Frau DI. Perl als Mitarbeiterin von Frau DI. Posch zugelassen wird. Arch. Mesnaritsch verweist auf die Verschwiegenheitspflicht der Anwesenden

lt. § 16 WOA.

Der Vorsitzende erläutert die weitere Vorgangsweise zur Tagesordnung:

Bericht des Vorprüfers, Besprechung der Beurteilungskriterien lt. Ausschreibung, Informations- und Sichtungsdurchgang mit Diskussion der städtebaulichen Kriterien, Besichtigung des Bauplatzes mit den Modellen vor Ort, nochmaliger Sichtungsdurchgang mit eingehender Diskussion nach den Bewertungskriterien, Wertungs- und Ausscheidungsdurchgänge, und Reihung der Beiträge entsprechend den Preisrängen. Es wird vorgeschlagen, dass ausgeschiedene Projekte auf Antrag mit einfacher Stimmenmehrheit in die Wertung zurückgeholt werden können. Der Vorschlag wird einstimmig angenommen.

Es folgt der Bericht des Vorprüfers: alle Projekte wurden rechtzeitig abgegeben, alle Projekte sind vollständig, es gibt keine Anonymitätsverletzung.

Erster Informationsrundgang: Die Projekte werden hinsichtlich der städtebaulichen Situation und der Erschließung erörtert, die Erläuterungsberichte werden verlesen, danach erfolgt eine eingehende Diskussion

Besichtigung vor Ort mit den Modellen.

2. Sichtungsrunde: Die Projekte werden besonders hinsichtlich der inneren Funktionalität und der Eignung der Außenräume untersucht.

Mittagspause von 13.00 – 14.00 Uhr

1. Bewertungsdurchgang nach der Mittagspause:

nochmaliger Sichtungsdurchgang, Analyse und Diskussion der einzelnen Projekte nach den Bewertungskriterien der Ausschreibung. Es wird einstimmig beschlossen, dass jedes Projekt mit mindestens 1 Stimme in der Wertung verbleibt.

Projekt 1 3 Stimmen

Projekt 2 2 Stimmen

Projekt 3 1 Stimmen

Projekt 4 5 Stimmen

Projekt 5 0 Stimmen

Projekt 6 1 Stimmen

3. Sichtungsrunde: die Projekte werden eingehend überprüft auf Außenraumqualität; innenräumliche Qualität, Besonnung, Ausblick; Erschließung, Zugang, Zufahrt, Parkplätze; baukünstlerische und städtebauliche Qualität; funktionelle Adaptierbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Ökologie

2. Bewertungsdurchgang:

Arch. Mesnaritsch stellt nach der Diskussion den Antrag, über den ersten Preis abzustimmen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Arch. Mesnaritsch stellt den Antrag, das Projekt 4 an die 1. Stelle zu reihen.

Der Antrag wird einstimmig angenommen.

DI Kanhäuser stellt den Antrag, das Projekt 2 an die 2. Stelle zu reihen. Der Antrag wird mit 4 Stimmen zu 1 Gegenstimme angenommen.

Frau DI Posch verlässt nach der Abstimmung über den 2. Preis wegen dringender Termine um 16:10 die Sitzung. Das Preisgericht bleibt gem. § 18 (5) WOA beschlussfähig, DI. Kanhäuser übernimmt nach Abstimmung die Funktion des Schriftführers. DI. Redi und DI. Perl verlassen ebenfalls die Sitzung.

Bgm. Gruber stellt den Antrag, das Projekt Nr. 3 an die 3. Stelle zu reihen. Der Antrag wird mit 3 Stimmen und 1 Enthaltung angenommen.

Um 16: 30 werden die Verfasserbriefe von Arch. Mesnaritsch geöffnet und die Teilnehmer telefonisch vom Wettbewerbsergebnis in Kenntnis gesetzt. Der Vorsitzende dankt allen Teilnehmern für die konstruktive Mitarbeit.

Ende der Jurysitzung um 16.45 Uhr

2.5 Verbale Beurteilung der Projekte

Projekt 1:

Das Gebäude ist an der Nordwestseite situiert und kann, wie vorgeschlagen, sinnvoll nur von Norden erschlossen werden. Der Zugang erfolgt also über den engen und wenig attraktiven Weg hinter der Schule. Der Baukörper ist gut proportioniert und gegliedert. Kindergarten und Kinderkrippe sind klar getrennt und funktionell gut gelöst. Der innere Erschließungsgang ist lang und einförmig, mit wenigen Sichtbeziehungen nach außen. Die Anordnung des Sportplatzes ist für die Volksschule gut geeignet, für die Entwicklung der Freiräume des Kindergartens und in Bezug auf mögliches Konfliktpotenzial zwischen Kindergarten und Schule jedoch zu hinterfragen (eine Anordnung im östlichen Grundstücksbereich wäre jedoch leicht möglich). Flexibilität und Adaptierbarkeit sind eingeschränkt gegeben (Einschränkung durch die Art der bauplastischen Gestaltung). Wirtschaftlichkeit etwa im Mittel.

Projekt 2:

Die Teilung und Zonierung der Außenräume sowie die äußere Erschließung werden als gut praktizierbarer Lösungsvorschlag betrachtet. Die innere Erschließung hat vielfältige Außenbeziehungen, was funktionell von Vorteil ist, den Raum erlebnisreicher macht. Die Funktionen sind weitgehend gut gelöst. Der Baukörper ist rhythmisch und ansprechend gegliedert, wobei die Architektursprache – Ablesbarkeit der Funktionen durch bauplastische Gestaltung – zu Einschränkungen in Bezug auf Adaptierbarkeit und Flexibilität führt. Der Bewegungsraum weist eine zu geringe Raumhöhe auf. Wirtschaftlichkeit etwa im Mittel.

Projekt 3:

Der Baukörper ist im äußersten Nordwestbereich des Grundstücks situiert. Nördlicher und westlicher Außenraum, zur Schule und zur hohen Böschung hin, werden dadurch verhältnismäßig eng. Der südliche Vorplatz ist großzügig, für den Kindergarten bzw. die Kinderkrippe als Aufenthaltsbereich im Freien aus Sicherheitsgründen kaum geeignet. Der weitere Freibereich ist differenziert und vielfältig gestaltet, was von der Jury ausdrücklich gewürdigt wird. Der Eingangsbereich ist großzügig, in seiner funktionellen Gliederung jedoch problematisch. Die Orientierung der Kinderkrippe zu den engen Außenräumen nach Norden zur Böschung und nach Westen zur Schule wird als sehr ungünstig bewertet. Die baukünstlerische Qualität des Projektes wird gewürdigt. Die Kompaktheit des Baukörpers, und in der Folge die zu erwartende Wirtschaftlichkeit, wird positiv beurteilt.

Projekt 4:

Der Baukörper ist städtebaulich gut positioniert, er nimmt die Flucht der Schule auf, Erschließung, Notzufahrten und Außenräume sind sehr gut gelöst. Insbesondere die durch die Baukörpergliederung erzeugten, unterschiedlichen Außenräume sind von entsprechender Qualität und Dimension. Ihre hohe Funktionalität und Beziehungsvielfalt zum Gebäude sind ein Mehrwert für die Anlage. Die Eingangsituation und Trennung von Kindergarten und Kinderkrippe ist gut gelöst. Die inneren Verkehrswege sind mit Raumerweiterungen und Ausblicken freundlich und abwechslungsreich gestaltet. Gebäudestruktur und bauplastische Gestaltung gewährleisten ein ausreichendes Maß an Veränderbarkeit. Äußeres Erscheinungsbild sowie innen- und außenräumliche Qualität des Projektes werden positiv bewertet und die baukünstlerische Qualität gewürdigt. Durch Baukörper- und Oberflächengestaltung ist eine gute Wirtschaftlichkeit zu erwarten.

Projekt 5:

In dem Projekt werden Baukörper in traditioneller Hausform aneinandergereiht, wie ein Teil eines kleinen Dorfes. Traufseitige Fassaden und Dächer werden gleichermaßen mit einer Holzstruktur, gleich einem übergestülpten Teppich, belegt. Die Jury sieht darin einen ambitionierten Versuch traditionelle Bauformen durch Verfremdung in neue Architektur zu integrieren. Gegenüber dem Schulgebäude und den umliegenden Einfamilienhäusern scheinen die 7 Kindergartenhäuser, einem anderen Maßstab folgend, etwas klein geraten. Funktionelle Mängel werden im Bereich Büro und Personalraum (Unterbringung im Dachgeschoss) gesehen. Die witterungsgeschützten Außenbereiche werden als zu klein befunden. Der Bewegungsraum erscheint strukturell und bauplastisch problematisch. Adaptierungsmöglichkeiten sind durch die Baukörperstruktur nur in sehr eingeschränktem Maße gegeben. Durch die sehr reiche Oberflächendifferenzierung (Abfolge von „einzelnen Häusern“ mit Grabendächern) wird die Wirtschaftlichkeit in Betrieb und Erhaltung als nicht sehr günstig eingeschätzt.

Projekt 6:

Der Kindergarten wird in der Mitte des Grundstücks, umgeben von Schule und Einfamilienhäusern, positioniert. Das Gelände wird vielfältig verformt und bietet mit seinen kleinen Hügeln, Tälern und Gruben eine Minilandschaft für Kinder. Der Zugang ist reich inszeniert, und könnte auf diese Weise eine identitätsstiftende Funktion ausüben. Wobei die „Wasserfalltreppe“ funktionell problematisch und architektonisch überinszeniert erscheint. Der Eingansbereich innerhalb des Gebäudes wird in der Abfolge des gestalteten Zuganges und im Hinblick auf seine Empfangs- und Verteilungsfunktion als zu klein angesehen. Der Formenreichtum des Baukörpers wird durch bunte Farbgebung nochmals betont und tritt dadurch besonders auffällig hervor. Die Ausrichtung des Kindergartens mit reiner Ostorientierung wird insbesondere für die Wintermonate als nachteilig bewertet. Die inneren Funktionen sind sehr gut gelöst. Die Anschüttung im Südosten des Grundstücks wird offenbar in die ursprüngliche geneigte Geländeform rückgeführt, dies wird für das Landschaftsbild wohltuend, aber für den Freibereich vor dem Kindergarten nachteilig gesehen.

2.6 Wettbewerbsergebnis

1. Preis > Projekt 4:

Arch. DI Seeger, Am Platz 16, 8062 Kumberg

Preis: € 1.500.-

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

2. Preis > Projekt 2

Arch. DI Walter, Hauptplatz 1, 8200 Gleisdorf

Preis: € 1.000.-

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

3. Preis > Projekt 1

Arch. DI Kolitsch, Wastiangasse 1/1, 8010 Graz

Preis: € 500.-

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

Es erfolgt keine Reihung der weiteren Projekte:

Projekt 3:

Arch. DI Loos, Ringstraße 419, 8344 Bad Gleichenberg

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

Projekt 5:

Arch. DI Tanos, Waltendorfer Hauptstraße 133, 8010 Graz

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

Projekt 6:

Arch. DI Scheer, Grazerstraße 89a, 8062 Kumberg

Unkostenbeitrag: € 2.000.-

Die Jury empfiehlt dem Auslober, mit dem Verfasser des erstgereihten Projektes das Verhandlungsverfahren für die Planungsleistungen aufzunehmen, und die weitere Planung in enger Zusammenarbeit mit den Kindergartenpädagoginnen und unter frühzeitiger Einbindung der FA 6B – Referat Kinderbetreuungswesen durchzuführen.

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Projekt 3: Arch. DI Loos, Bad Gleichenberg
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Projekt 5: Arch. DI Tanos, Graz
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Projekt 6: Arch. DI Scheer, Kumberg

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