Joanneumsviertel, Herzstück

In wenig mehr als einem Jahr soll nach Um- und Neubau das Joanneumsviertel in Graz eröffnet werden. Das könnte sich knapp ausgehen – so der Eindruck nach einer ersten Bau

08/09/2010

In wenig mehr als einem Jahr soll nach Um- und Neubau das Joanneumsviertel in Graz eröffnet werden. Das könnte sich knapp ausgehen – so der Eindruck nach einer ersten Baustellenführung.

Eines der modernsten Museumszentren Europas ist im Bereich Neutorgasse, Kalchberggasse, Raubergasse im Entstehen begriffen und wird mit Fertigstellung des ersten Teils im Herbst 2011, zum zweihundertjährigen Bestehen des Landesmuseums, seiner Bestimmung übergeben werden. „Herzstück des kulturellen Gedächtnisses des Landes“ wird der entstehende Baukomplex inzwischen zu Recht genannt, dessen Kern mit der Neuaufstellung und Errichtung eines Tiefspeichers für die Landesbibliothek beschrieben werden kann.

Nach Entwurf und Planung der ARGE Nieto Sobejano Arquitectos/eep architekten, Madrid/Graz, werden hier, neben der Landesbibliothek (Kalchberggasse), das Joanneum-Stammhaus im barocken Lesliehof (Raubergasse) und das Neobarocke Museumsgebäude (Neutorgasse) in ein Gesamtensemble zusammengeführt. Der älteste Teil in der Raubergasse beherbergt damit künftig das Naturkundemuseum mit den wissenschaftlichen Abteilungen Botanik, Geologie und Paläontologie, Mineralogie und Zoologie, während der Gebäudeteil in der Neutorgasse für die Neue Galerie adaptiert wird. Dort wird man sich zudem der wissenschaftlichen Aufarbeitung maßgeblicher Künstler/innen und -Gruppen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart widmen und dort wird auch das neue BRUSEUM eingerichtet, Ausstellungs- und Forschungszentrum zu Wirkung und zum Werk von Günter Brus.

Neu errichtet wird das Besucher/innenzentrum im Bereich des vormaligen Hofes, zwischen dem barocken und dem Neobarocken Riegel. Als hoch praktikable und nicht weniger interessante Lösung dürfte sich hier wohl die Situation erweisen, dass der Charakter eines Souterrains am Foyer durch großzügige Öffnung als Platz, weite Glasfronten und herein geführte Lichtkegel gar nicht erst entstehen wird. In diesen Bereich wird auch das Bild- und Tonarchiv übersiedelt.

Gewissenhafte Abstimmungen mussten mit dem Bundesdenkmalamt getroffen werden. Vor allem im älteren Gebäudeteil an der Raubergasse darf an Decken und Wänden nicht gestemmt werden. Alle Installationen werden unter den Fußböden geführt und zum Teil Schalen vor die Wände geblendet. Um konstante Klimabedingen im Museumsbereich zu erreichen, werden Wandheizungen unter geschalten Türlaibungen installiert. Im Treppenhaus, das nun auch einen Lift aufnehmen wird, legte man eine barocke Holzdecke frei, die restauriert wird und sichtbar bleibt. Unter jüngeren Putz- und Farbschichten wurden etliche Dekorfresken gefunden, die in ihrem Bestand dokumentiert wurden, allerdings nach Absprache mit Restauratoren wieder unter Putz konserviert werden.

Die Baukosten des Komplexes über einer gesamten Nettogrundfläche von 16.030 Quadratmetern werden derzeit mit 33,4 Mio. Euro ausgewiesen. Bauträger ist die Landesimmobiliengesellschaft. Die Fertigstellung der Teile Neutorgasse und Besucher/innenzentrum soll im November 2011 geschafft sein, der Teil Rauber- und Kalchberggasse im Frühjahr 2010.

Erste öffentliche Baustellenführung am 7. Oktober 2010, 16.00 Uhr; begrenzte Teilnehmer/innenzahl, Anmeldungen unter 0316/8017-9716 oder besucherinnenservice@museum-joanneum.at erforderlich.

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Bericht
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Simulationen: Gemeinschaftsarbeit der Büros Nieto Sobejano Arquitectos und eep architekten
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Modell
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Archäologie der Gegenwart: Überbleibsel der Ausstellung „Absolutely Free“ in der Neutorgasse. Foto: mw
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Besucher/innenzentrum derzeit. Foto: wm

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