Das Hofmobilendepot in Wien zeigt das Werk des französischen Designers und Konstrukteur Jean Prouvé. Es ist eine Ausstellung, die das Architektenherz höher schlagen lässt: Zu der faszinierenden Vielschichtigkeit seines Œuvre kommt, dass neben Skizzen, Modellen und Fotos auch Originalgebäudeteile sowie Originalmöbel zu sehen sind.
Die Bandbreite von Jean Prouvés Werk ist erstaunlich. Aus seinem Lieblingsmaterial, dem Metall, das er hier und da mit Holz kombinierte, schuf er Gebrauchsgegenstände und Möbel ebenso wie Gebäudefassaden und ganze Häuser. Wichtig war ihm dabei immer das technische Detail, das sich adäquat mit der Maschine herstellen ließ und der Logik des Materials entsprach. Nach einer Lehre als Kunstschmied eröffnete er 1924 seine eigene Werkstatt und begann mit der Anfertigung von Lampen, Treppengeländern und Toren. Über den Architekten Robert Mallet-Stevens, für den er ein Eingangsportal angefertigt hatte, gelangte er in Kontakt mit der Avantgarde des französischen Bauens. Das Volkshaus in Clichy (1935-39), entworfen von Marcel Lods und Eugène Beaudouin, gilt als eines der frühen Projekte, an denen er maßgeblich beteiligt war. Fast alle Bauteile wurden aus Stahlblech hergestellt: flexible Innenwände, leichte Stahltreppen und vorgefertigte Decken. Für diesen Bau entwickelte Prouvé auch die ersten Fassadenpaneele, die Vorläufer der Vorhangfassade, als dessen Erfinder er noch heute gilt.
In der Ausstellung im Hofmobiliendepot sind die Objekte so gegenübergestellt, dass der Besucher Konstruktionsprinzipien und Denkansätze, die sowohl seinen Möbeln wie seinen Gebäuden zugrunde liegen, gut herauslesen kann. Da ist zum Beispiel die axiale Rahmenkonstruktion - ein Balken und zwei Stützen in Form eines umgekehrten V -, die Prouvé für die demontierbaren Notunterkünften (Maison à portiques) entwickelt hat, im Original zu sehen. Der Tisch Compas, dessen Konstruktion auf einem vergleichbaren System basiert, steht gleich daneben. Ein Stahlrundrohr dient hier als Verbindungselement für die V-förmigen Tischbeine und als Auflager für die Tischplatte.
70-jährig saß er in der Jury zum Wettbewerb für das Centre Pompidou in Paris. Als Juryvorsitzender hat er sich maßgeblich für den Sieg von Renzo Piano und Richard Rogers eingesetzt. Während Piano und Roger heute zu den Weltstars der Architektur zählen, ist der Name Prouvé über die Architektenkreise hinaus bis heute kaum bekannt. Das will man mit dieser Ausstellung, die vom Vitra Design Museum in Weil am Rhein in Kooperation mit dem Deutschen Architektur Museum Frankfurt und dem Design Museum Akihabara in Japan erstellt wurde, ändern. Einige Möbel Prouvés werden inzwischen von Vitra wieder hergestellt, darunter der Sessel „Cite“, den er 1930 für das Studentenwohnheim in der Cité Universitaire in Nancy entworfen hat, ebenso wie der Standardstuhl von 1934. Während der Ausstellung im Hofmobilendepot sind alle Re-Editionen zu einem Sonderrabatt von zehn Prozent bei ausgewählten Händlern in Österreich erhältlich.
Jean Prouvé. Die Poetik des technischen Objekts.
11. März – 21. Juni 2009
Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien, Andreasgasse 7, 1070 Wien
VERANSTALTUNGSHINWEIS:
Ausstellungsführung mit Jean Prouvé Experten Adolph Stiller
WANN: Freitag, 17. April 2009, 16.30 Uhr
Jean Prouvé. Die Poetik des technischen Objekts
Ermäßigter Eintritt!
- Verfasser/in:
- Anne Isopp, Empfehlung
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