Tatsache ist, dass die Vermittlung der Architektur der Jahre nach dem zweiten Weltkrieg noch immer zögerlicher als beispielsweise die Zwischenkriegszeit behandelt wird. Langsam scheint aber Bewegung in die Sache zu kommen: Sei es mit dem Salzburger Symposium „Moderne Zwei Baukultur 1948 – 1984“ oder der Initiative des Architekten Martin Feiersinger mit „Detours“ über die oberitalienische Architektur der 1960er Jahre.
Nun steht dazu eine weitere Publikation zur Verfügung, die wesentlich zum Verständnis der Rolle des architektonischen Schaffens der Nachkriegs-Moderne in Italien gesehen werden kann.
Gewissermaßen als Anhang zu seinem Detours-Katalog hat Martin Feiersinger (zur Rezension gelangen Sie über den LINK am Ende dieser Seite) für eine Exkursion des aut. architektur und tirol ein Begleitheft zum freien Download auch für diejenigen, die individuell Ivrea oder Bergamo besuchen wollen, zusammengestellt.
Der Ausflug zu den Highlights der Italienischen Modere der 1960er und 1970er Jahre fand vom 10. Oktober bis 12. Oktober 2008 statt, führte aber einleitend zu einer Besonderheit: Zur Villa „Il Girasole", dem in den 1930er Jahren errichteten, sich um die eigene Achse drehenden Haus des Ingenieurs Angelo Invernizzi bei Verona.
Nach Verona ging es in die oberitalienischen Städte Bergamo und Ivrea. Exemplarische Bauten der Nachkriegszeit bis zu den 1970er Jahren standen im Mittelpunkt der von Architekt Martin Feiersinger – Autor der Publikation „Detours“ zur italienischen Nachkriegsmoderne – zusammengestellten und geführten Tour.
In Bergamo, der Stadt, die Le Corbusier als „die verehrungswürdige Unbekannte“ bezeichnet hatte, wurden Projekte der wenig bekannten Architekten Giuseppe Pizzigoni (1901-1967) und Giuseppe Gambirasio (geb. 1930) besucht.
Im Gegensatz dazu wurde die Bautätigkeit in Ivrea, der „Stadt der Schreibmaschinen“, immer wieder ausführlich publiziert. Die von unterschiedlichen Architekten für Adriano Olivetti entwickelten Projekte spannen einen weiten Bogen von der maschinenhaften Architektur des Hotels La Serra (Iginio Cappai, Pietro Mainardis, 1967-1975) über die radikale Position eines eingegrabenen Appartementhauses (Roberto Gabetti, Aimaro Isola, 1969–1974) bis hin zu einem Kindergarten (Mario Ridolfi, Wolfgang Frankl, 1955–1959), der Elemente des traditionellen Bauens aufnimmt.
Viele der Gebäude stehen nach der Schließung der Olivetti-Fabriken in Ivrea derzeit leer oder befinden sich in einem Transformationsprozess, wie etwa das ICO-Centrale, das vor kurzem renoviert und einer neuen Nutzung zugeführt wurde. Ein Mitarbeiter des MAAM – Museo dell’Architettura Moderna – ermöglicht den Zutritt in einige der wesentlichen Gebäude dieses Freiluftmuseums der Modernen Architektur in Italien.
Zur Planung der eigenen Reise finden private Architekturreisende das Programm der Exkursion nach Bergamo und Ivrea sowie die Downloadmöglichkeit für das Begleitheft unter www.aut.cc (siehe LINK am Ende dieser Seite).
- Verfasser/in:
- Karin Wallmüller, Empfehlung
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