Das Royal Institute of the Architects of Ireland ist die Vertretung der ArchitektInnen in Irland und macht nahezu jährlich eine Exkursion in verschiedene Städte mit aufregender Architekturlandschaft. Im Rahmen der Exkursionen werden Kongresse organisiert, bei welchen ortsansässige ArchitektInnen ihre Arbeit den Mitgliedern des RIAI vorstellen. Im heurigen Jahr führt die Exkursion nach Triest und Graz.
Lesen Sie nachfolgend das Gespräch, das Susanne Baumann-Cox (y´plus) im Auftrag der Kammer der Architekten und Ingenieurskonsulenten mit Anthony Reddy, Präsident des RIAI, geführt hat.
Arch+Ing: Wie gelingt es Ihnen, jährlich eine Reisegruppe von 150 ArchitektInnen zusammenzustellen, um gemeinsam eine Exkursion dieser Art zu machen? In Österreich scheint das heute nicht möglich zu sein. Liegt es auch an der Struktur Ihres Institutes?
AR: Da spielen wohl einige Faktoren zusammen. Einmal sind die Iren ja ein sehr reiselustiges Volk, ein Volk, in dem es immer auch Emigrationsbewegungen gegeben hat. Es ist für uns ganz selbstverständlich, dass wir uns aus unserem Land bzw. von unserer Insel herunter bewegen müssen, um etwas zu lernen und andere Dinge zu erfahren. Auch ist der Zusammenhalt unter den ArchitektInnen sicherlich vorhanden. Es gibt natürlich eine gewisse Konkurrenz, so wie in allen anderen Ländern auch, aber dennoch respektiert man einander sehr und der Futterneid ist nicht so stark, wie ich das z.B. schon in Deutschland beobachten konnte.
Arch+Ing: Ist das vielleicht auf den wirtschaftlichen Aufschwung in Irland zurückzuführen – es gibt ja vermutlich viel Arbeit?
AR: Auch, dieser Umstand mildert die Konkurrenzsituation sicherlich. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an die wirklich schweren Zeiten in den 70er und 80iger Jahren, die viele von uns im Ausland verbrachten, oder wo wir nur an sehr kleinen Projekten wie Restaurantumbauten arbeiten konnten, für die wir nach London fliegen mussten. Wir haben damals Projekte akzeptiert, die den englischen ArchitektInnen zu aufwändig und zu wenig lukrativ waren. Und wir haben die langen Pendelreisen auf uns genommen. Auch in diesen Zeiten hat es einen sehr guten Zusammenhalt gegeben. Ich denke, es ist wohl auch ein wenig eine Frage der Mentalität . Was die Exkursion betrifft, so finde ich, ist es einfach der effizienteste Weg. Wir haben einen ausgezeichneten Direktor, John Gravy, der diese Form der Fortbildung für uns entwickelt hat, die Städte aussucht und auch eine gute Hand beim Auftreiben von Subventionen hat. So zahlt zwar jeder Teilnehmer seine Reise selbst, aber das geschnürte Paket ist einfach so attraktiv, dass so viele Leute mitfahren möchten. Man bekommt ja einen ganz anderen Eindruck, wenn man vor Ort mit den Vertretern der Szene spricht, sich die Projekte in der Realität anschauen und ein Gefühl für die Stadt bekommen kann.
Arch+Ing: Was ist das RIAI genau?
AR: Das Royal Institute of the Architects of Ireland repräsentiert alle ausgebildeten ArchitektInnen Irlands, die einen Studienabschluss haben und nach einer zweijährigen Praxis in einem Büro eine Prüfung abgelegt haben. Es gibt bis heute keine offizielle Eintragung bzw. Register der ArchitektInnen, so ist das Institut sowohl für Bauherren als auch für ArchitektInnen von größter Bedeutung, da der Berufsschutz nur über diesen Verband erfolgt. Mittlerweile gibt es jedoch einen Brief vom zuständigen Ministerium, der uns damit beauftragt, diese Eintragung ein- und durchzuführen. Das wird sehr aufwendig, ist aber ein Segen, vor allem für die ArchitektInnen, die in den ländlichen Gebieten bauen und sich dort oft der Konkurrenz nicht qualifizierter Planer ausgesetzt sehen.
Arch+Ing: Die diesjährige Exkursion hat Sie nach Triest und Graz geführt. In Triest wandelten Sie auf den Spuren von James Joyce und spürten die Atmosphäre der alten Monarchie. Ein Kollege von Ihnen fühlte sich sehr an spanische und portugiesische Architektur erinnert und meinte, dass man direkt eine Verbindung herstellen könnte zwischen der Piazza Unità und dem Ende der Ramblas in Spanien, die zum Meer führen, wäre da nicht der italienische Stiefel dazwischen.
AR: Triest war in der Tat ein sehr erstaunliches Erlebnis, eine Stadt in Italien am Meer, die so gar nicht italienisch anmutet. Eine Stadt, die aufgrund ihrer geopolitischen Lage in den letzen Jahren sehr vernachlässigt wurde, die aber durchaus wieder Bedeutung erlangen könnte. Derzeit liegt sie jedoch, auch aufgrund des Bevölkerungsprofils, eher brach, auch die jüngeren architektonischen Eingriffe sind eher zweifelhaft. Für uns war es sehr interessant auf den Spuren von James Joyce zu wandeln, der große Teile seines Leben dort verbracht hat und für uns auch in seiner Beschreibung der Stadtlandschaft Dublins in ‚Ulysses‘ und den ‚Dubliners‘, eine große Bedeutung hat.
Arch+Ing: Was haben Sie in Graz gefunden?
AR: Graz, das ich zum ersten Mal besuche, war immer schon interessant und attraktiv für uns, da es ja schon seit den 60er und 70er Jahren höchst spannende Projekte gab, die hier umgesetzt wurden. Es gibt viele wunderbare einzelne Interventionen, die wirklich sehr beeindruckend sind. Was ich jedoch vermisse, ist die Sorge um die Randbezirke, die mich im Kontrast zur Innenstadt fast eine wenig schockierten. Sie scheinen von Transportunternehmen und Verkehrsstrategen dominiert. Hier wäre es wichtig, wenn fähige ArchitektInnen mit in den Planungsprozess einbezogen würden. Auch sollten sich die ArchitektInnen ein wenig als Einzelperson zurücknehmen und einer gesamtheitlicheren Planung den Vorzug geben. Das gilt natürlich auch für Dublin, wo wir auch eine sehr verbesserungswürdige Situation in den Randbezirken haben, die noch auf die Zeiten der wirtschaftlichen Rezension nach der Erreichung der Unabhängigkeit 1922 zurückzuführen sind.
Arch+Ing: Irland hat mit Cork die Kulturhauptstadt 2005, Graz war es im Jahr 2003. Während des Kulturjahres und in der Vorbereitungszeit hat sich einige Frustration unter den ArchitektInnen und Künstlern breitgemacht, weil sie sich mehr Aufträge für die heimische Szene gewünscht hatten. Nach dem Kulturhauptstadtjahr fällt man in ein großes Loch, da Gelder aufgebraucht und Projektaktivitäten eingeschränkt sind. Welche Erfahrungen gibt es in Irland?
AR: Dublin war Kulturhauptstadt im Jahr 1991 und in etwa zu diesem Zeitpunkt begann auch die Stadterneuerung. Es war auch die Ära des ‚Celtic Tigers‘, des Wirtschaftsaufschwunges im Lande und in der Zeit nach dem Kulturhauptstadtjahr hat sich einiges getan. Wichtig sind allerdings nicht nur vordergründige Bautätigkeiten, sondern auch die Tatsache, dass die Stadt von außen und von den Bürgern selbst ganz anders wahrgenommen wird.
Wirklich verändert wurde die Wahrnehmung der Stadt durch den ‚Temple Bar‘ – Plan, der im Rahmen eines Wettbewerbes von der Group 91 gewonnen wurde. Mit der Umsetzung des Projektes wurden in Dublin neue Standards für die Stadtplanung gesetzt.
Ich glaube, dass man in Graz die Auswirkungen des Kulturhauptstadtjahres noch nicht im vollen Ausmaß spürt und man sich sicher noch etwas erwarten kann.
- Verfasser/in:
- Arch+Ing, Susanne Baumann-Cox
