Im kommenden Herbst wird die von der Kunsthistorikerin Antje Senarclens de Grancy und der Historikerin Heidrun Zettelbauer kuratierte Ausstellung „Architektur. Vergessen. Jüdische Architekten in Graz“ im Landesmuseum Joanneum (Bild- und Tonarchiv/Büro der Erinnerungen) zu sehen sein.
Zur Vorbereitung von Ausstellung und Begleitbuch werden noch Informationen jeder Art (Erinnerungen, Fotos von Bauten, Pläne, Portraitfotos der Architekten etc.) gesucht. Vielleicht taucht ja auch noch der eine oder andere Bau auf. (Kontaktdaten siehe unten)
Im Besonderen geht es um folgende Bauten in Graz bzw. in der Steiermark:
Alexander Zerkowitz (Baumeister, 1860-1927):
- Jüdische Zeremonienhalle in Wetzelsdorf (1938 zerstört)
- Verbauung Grillparzerstraße/Humboldtstraße
- Jüdische Schule/Winterbethaus neben der Grazer Synagoge
- Tuchhaus Rendi, Joanneumring
- Haus Keesgasse 11 (für Simon Rendi)
- Brauerei Göss-Leoben, Kühlschiff
- Kaufhaus Kastner & Öhler (Bau um 1912/Fellner & Helmer, hier v.a. Fotos aus der Bauphase)
Eugen Székely (Architekt, 1894-1962):
- Erstes Arbeitsamt Graz, Ghegagasse (nicht erhalten)
- Margarethenbad, Grillparzerstraße (Bau, Abriss, Benützung etc.)
- Stadtrandsiedlung Amselgasse
- Sanatorium Eggenberg
Bruno Zerkowitz (Bauunternehmer, 1889-1942):
- Margarethenbad
Franz Schacherl (Architekt, 1895-1943):
- Kinderheim Lend (Verein „Freie Schule und Kinderfreunde“), Gabelsbergerstraße 22
- „Schutzbundsiedlung“ (Arbeiterwohnsiedlung der GESIBA) Knittelfeld, Friedensgasse/Friedensplatz
Mailen Sie bitte Informationen an:
antje.grancy@inode.at
ZUM PROJEKT:
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts haben einige jüdische Architekten und Baumeister in Graz auf hohem Niveau gearbeitet und zentrale Beiträge zum Grazer Kulturleben geleistet. Einige von ihnen verließen bereits vor 1938 aufgrund antisemitischer Anfeindungen das Land, starben im Exil oder wurden in nationalsozialistischen Konzentrationslagern ermordet. In der Nachkriegszeit wurde ihr Werk bzw. ihre Autorschaft verdrängt, schließlich aus dem Blick verloren und aus verschiedenen Gründen vergessen.
Das geplante Projekt sucht das Vergessen der jüdischen Architekten und ihres Werkes und die jeweils spezifischen Gründe dafür in einer Ausstellung sichtbar zu machen und die öffentliche Erinnerung an diese Aspekte einer ausgeblendeten, vernachlässigten oder homogenisierten Grazer Stadtgeschichte zu ermöglichen. Es eröffnet am Schnittpunkt von Wissenschaft und Öffentlichkeit neue Reflexions- und Erinnerungsräume.
Dabei wird davon ausgegangen, dass Erinnern und Vergessen immer Ausdruck der gegenwärtigen Orientierung und des Selbstverständnisses einer Gesellschaft sind. Das Projekt bezweckt in diesem Sinn eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Kultur und Politik des Erinnerns/Vergessens im Hinblick auf Architektur und Stadtgeschichte.
Den Ausgangspunkt bilden fünf Bauwerke von Alexander und Bruno Zerkowitz, Eugen Székely und Franz Schacherl, die jeweils in ihre architekturtheoretischen, politischen und sozio-kulturellen Rahmenbedingungen eingebettet und unter verschiedenen Aspekten des Erinnerns/Vergessens betrachtet werden sollen.
KONTAKT:
Informationen an antje.grancy@inode.at
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich


