Kommerzialisierungs - und Privatisierungstendenzen sind kaum aufzuhalten und tauchen in letzter Zeit nicht nur im Großen, vom alltäglichen Leben Entfernten auf, sondern beginnen, das alltägliche Leben in kleinen Bereichen zu berühren und zu beeinflussen. Zuletzt gesehen im Margarethenbad in Graz/Geidorf.
Das Margarethenbad in der Grillparzerstraße öffnet wie alle Grazer Freibäder jedes Jahr um den 1. Mai seine Tore. Bereits am ersten Tag kaufen sich hier besonders Sonnen - und Schwimmhungrige, darunter vor allem Familien eine Benutzerkarte für die gesamte Sommersaison.
Mit dieser Karte hatte man nicht nur Gelegenheit faul in der Sonne zu liegen oder ein paar Längen im Pool zu schwimmen, sondern auch die Möglichkeit, auf dem am Gelände errichteten Funcourt inklusive Wiese verschiedenen Ballsportarten nachzugehen.
Dieses Angebot wurde, zur Freude der Eltern, vor allem von Kindern und Jugendlichen jeden Alters außergewöhnlich gut angenommen. In all den Jahren seines Bestandes hat sich dieser kleine aber feine Platz zu einem Treffpunkt der Kinder und Jugendlichen entwickelt. Die spontane Bespielbarkeit des Platzes ohne zusätzliche Kosten machte unter anderem die Qualität dieser Einrichtung aus.
In dieser Saison kam jedoch alles anders.
An Stelle des Funcourts und der Wiese wurden von Seiten der Grazer Freizeitbetriebe zwei Beach-Volleyballplätze errichtet, die nun privat bewirtschaftet werden und für deren Benutzung naturgemäß gezahlt werden muss. Spontaneität fällt ebenso weg, wie die freie Zugängigkeit des Sportplatzes. Qualitätsminderung wird von Seiten der Saisonkartenbesitzer diagnostiziert, bleibt den Kindern und Jugendlichen doch nur noch ein kleiner Streifen des Platzes, der weder gestaltet noch attraktiv ist.
„Was uns so erregt ist, dass die Kinder ihren "Treffpunkt" verloren haben. Auf dem ehemaligen Platz trafen sie sich spontan, ohne vorherige Absprachen und es gab eine wunderbares Miteinander von Groß und Klein ohne jede Einmischung der Eltern. Das nennt man soziales Lernen“, argumentiert eine betroffenen Mutter und Saisonkartenbesitzerin.
Eine Unterschriftenaktion im Namen der „Freunde des Margarethenbades“, die wieder einen befestigten Sportplatz fordern, brachte in Folge 142 Stimmen. E-Mail- und Telefonkontakte folgten, verbunden mit dem Bemühen, wieder einen frei zugänglichen Sportplatz am Gelände des Margarethenbades durchzusetzen.
Vergangenen Dienstag kam es schließlich zum Treffen zwischen den unzufriedenen Badegästen und Herrn Dr. Krainer von den Grazer Freizeitbetrieben. Die Errichtung der beiden Volleyballplätze sei auf Grund wirtschaftlicher Aspekte unternommen worden, erklärte Herr Dr. Krainer. Er meinte, der verbliebene Restplatz sei ausreichend und argumentierte mit der „Attraktivität“ des Ministreifens rund um die Volleyballplätze. In der Diskussion um eine für beide Seiten brauchbare Lösung verhandelten die Beteiligten um jeden Meter und Quadratmeter. Schließlich sagte Herr Dr. Krainer zu, den Restplatz ebenso wie die beiden Volleyballplätze mit Sand auszustatten und schloss eine weitere Kommerzialisierung der Freiflächen im Bad für diese und nächste Badesaison aus. Weiters sollen in Zukunft die Benützer des Bades bei Änderungen besser informiert und ihre Meinungen, Anregungen und Ideen zum Thema des Magarethenbades in die Entwicklung des Bades eingebunden werden.
Vorschläge, die erstmals angenommen wurden.
Am Ball bleiben wollen die Betroffenen aber weiterhin.
- Verfasser/in:
- Elisabeth Krammer, Kommentar


