Dieser Tage erschienen im Pustet-Verlag
konversationen
architektur von hans gangoly
Herausgegeben von aut.architektur und tirol
Das Buch gliedert sich in mehrere Teile und ist um 4 Themenkreise aufgebaut. Diese Themenkreise bilden die Eckpfeiler für Gangolys kreativen Ansatz. Dialog, Details, Alt-Neu, Licht-Transparenz. Ein Architekturkritiker nimmt zu jeweils einem Thema Stellung. Die einzelnen Projekte werden unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchtet und finden sich themenübergreifend in den verschiedenen Kategorien wieder. Die unterschiedliche Lesart der Projekte bietet die Möglichkeit, der Zweidimensionalität des Buches zu entkommen, vermehrt in die Tiefe zu blicken und Zusammenhänge zu erkennen. Ein erfrischend neuer Zugang und sicherlich keines der üblichen Coffeetable-Bildbände, sondern ein Buch zum Lesen – und Verstehen.
GAT sprach mit Hans Gangoly anlässlich der Buchpräsentation am 12.06.2006 an der TU Graz.
GAT: Du arbeitest hauptsächlich in Graz und in der Steiermark, hier ist Dein Büro, warum ein Tiroler Herausgeber?
HG: Der Grund, warum das aut in diesem Fall die Herausgeberrolle übernommen hat, ist dem Umstand zu verdanken, dass es im Dezember letzten Jahres bis Februar dieses Jahres eine Personale über mich gemacht hat. In diesem Zusammenhang wurde ein Ausstellungskonzept entwickelt, das ich schon seit längerem im Kopf hatte, mit diesem starken Themenbezug: Dialog, Details, Alt-Neu, Licht-Transparenz. Parallel dazu hat sich die Idee zu diesem Buch entwickelt.
GAT: Wodurch unterscheidet es sich im Detail von herkömmlichen Architekturpublikationen?
HG: Es gibt eine große Bandbreite von Publikationen dieser Art. Einmal die klassische Monografie, wo hinter einer mehr oder weniger langen Einleitung eine Abfolge von Projekten steht, die im wesentlichen als Bildteil funktionieren, und es gibt textlastige Bücher, wenn Architekten sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen. Mein Buch changiert zwischen diesen beiden Polen, weil es keine Monografie sein will, aber auch kein rein textlastiges Werk. Es ist ein Buch, das ganz bestimmte Themen umfasst, die in meiner Architektur, aber auch allgemein sehr stark diskutiert werden. Die Projekte im Buch stellen die Bebilderung und Beweisführung dar. Sie sind nicht für sich alleine dargestellt sondern können zu einzelnen Themen und im Themenblock auch mehrmals vorkommen und sind wiederum mit anderen Themen verbunden. So entsteht eine völlig andere Sichtweise, die projektbezogen funktioniert, aber nicht das einzelne Projekt in den Vordergrund stellt, sondern ein Gesamtbild entstehen lässt, von dem ich hoffe, dass es ein ganz anderes Licht auf die Arbeit wirft.
GAT: Du sagst, das Buch war eine Möglichkeit für dich über deine Arbeit zu reflektieren. Das passiert ja nun zu einem recht frühen Zeitpunkt, fast in der Mitte deiner Karriere, andere tun dies erst viel später. Ist das ein Wendepunkt?
HG: Ich betreibe mein Büro seit 15 Jahren und jetzt ist sicherlich ein guter Zeitpunkt, um eine Art Schnitt zu machen. Je länger man arbeitet und alles gut funktioniert, desto schwieriger wird es, die eigene Position neu zu überdenken. Meistens gerät man in Gefahr, dass man an einer Arbeitsweise, die offensichtlich zu funktionieren scheint, hängen bleibt. Damit ist das Büro eigentlich tot und es findet keine Entwicklung mehr statt, so wie man es auch an vielen Büros ablesen kann. Insofern sind eine Ausstellung oder ein Buch ein willkommener Anlass, einmal über die eigene Arbeit nachzudenken, bzw. andere Leute zu bitten, darüber nachzudenken. Man wird gezwungen, Dinge zu formulieren, und damit entsteht eine sehr angenehme und wichtige Distanz zur eigenen Arbeit. Und wenn das positiv ist, kann man durchaus motiviert werden, etwas Neues zu machen. Ich werde allerdings nicht zu neuen formalen Ufern aufbrechen, aber ich werde sicher versuchen, Dinge, die bis jetzt zu wenig beachtet wurden, mehr in den Vordergrund zu stellen und in Bezug auf typologische Überlegungen mehr zu riskieren.
GAT: Hat das Nachdenken, wenn es öffentlich ist, eine andere Qualität? Wie hat sich die Zusammenarbeit mit den Menschen, die am Buch mitgearbeitet haben für dich ausgewirkt?
HG: Es gibt eine recht interessante Diskussion über die wichtige Rolle der Architekturkritiker. Nicht deshalb wichtig, weil irgendwann irgendwer in einer Zeitschrift über ein Projekt schreibt, sondern weil Menschen, die über Architektur schreiben, für die Entwicklung eines Büros eine sehr große Rolle spielen können.
Ich bin ganz bewusst auf der Suche nach Menschen, die mir helfen, mich weiterzuentwickeln und in der Regel sind das ArchitekturkritikerInnen. Die Leute, mit denen ich im Buch zusammen gearbeitet habe, wie Luchsinger, Kapfinger, Achleitner und Reiterer, können extrem interessante Anregungen bieten. Sie führen einem die eigene Arbeit vor Augen, lenken die Gedanken in Bahnen und bieten Denkanstöße. Eine andere Möglichkeit sind Reisen und der Besuch zahlreicher Architekturen. Die dritte Möglichkeit ist die Hochschule, die einen ebenfalls dazu zwingt, deutlich zu formulieren.
Aber besonders ertragreich ist eben das Gespräch mit Menschen, die nicht Architektur produzieren, sondern reflektieren.
GAT: Konversationen, Dialog, der Austausch mit den Menschen, das steht für Dich, das bist Du. Unterscheidet dich das von anderen Architekten?
HG: Ich glaube, das machen alle, die versuchen das Thema der Architektur weiter zu tragen bzw. am Ball zu bleiben und weiter zu lernen. Es funktioniert aber nur dann, wenn es die entsprechenden KritikerInnen gibt.
GAT: Welche Dinge, Menschen inspirieren dich jenseits der Grenzen Österreichs?
HG: Es gibt einen interessanten Zugang in der Schweiz, auch Japan fasziniert mich sehr. Besonders interessant finde ich auch die Entwicklung in Slowenien, gerade deshalb, weil man sieht, dass man auch mit einer regionalen Position durchaus einen internationalen Anspruch stellen kann.
GAT: Das scheint die slowenische Architekturszene von der Situation in anderen Ländern zu unterscheiden. Auch die wirklich erfolgreichen Architekten bleiben gerne im Land.
HG: Es ist ein sehr sympathischer und richtiger Ansatz. Bei uns wird derzeit in Bezug auf Bauaktivitäten stark auf Internationalität gesetzt und man übersieht dabei, dass man in einer Stadt wie Graz, gerade was die europäische Architekturdiskussion betrifft, viele Dinge besprechen und Lösungen anbieten kann, die durchaus als prototypische Ansätze auf internationaler Ebene dienen können.
GAT: Nehmen wir an, dass dieses Werk, das deine Ansätze, deine Gedanken umfasst, ein Meilenstein für dich ist. Wie sieht der nächste aus?
HG: Es gibt einige interessante Projekte, in denen wir neuen Überlegungen folgen und versuchen, etwas mutiger zu sein. Ich stelle mir jedoch nie die Frage, wie es in fünf oder zehn Jahren ausschauen wird.
GAT: Das Buch hat dir neuen Aufschwung, neue Motivation gegeben?
HG: Ja, denn ich kann sagen, das liegt jetzt auf dem Tisch, es existiert für sich und unabhängig von mir. Es hat für mich seine Funktion erfüllt. Andere können es nun anschauen, bewerten, beurteilen, wegwerfen, genießen etc. Und ich kann etwas anderes, Neues machen.
- Verfasser/in:
- Susanne Baumann-Cox, Gespräch






