Ende April 2008 wurde der EU-weite 2- stufige Wettbewerb Bruck/Mur - Bebauung Hochfeld entschieden. Aus diesem Anlass führt GAT ein Interview mit DI Peter Nistelberger (tätig am Referat für Raumplanung, Stadtgemeinde Bruck), der den Wettbewerb für die Stadt Bruck betreute.
Der Bereich Hochfeld ist die letzte größere Baulandreserve der Stadt Bruck/Mur. Dementsprechend vorausschauend möchte die Stadt an die Bebauung herangehen.
Ein erster Schritt dazu ist die Erstellung eines Masterplans über das gesamte Areal. In weiterer Folge sollen für die einzelnen Abschnitte Teilbebauungspläne erarbeitet und verordnet werden.
GAT: Von Graz schaut man irgendwie bewundernd nach Bruck, das für ein ca. 30 ha großes Gebiet (entspricht in etwa der Fläche der Kernstadt Bruck) und den Zeitraum von 30 bis 40 Jahren ein Entwicklungskonzept erarbeitet. Wir kennen in Graz Bebauungsplanung meist nur in Anlassfällen und der einzig bekannte Masterplanwettbewerb Achse Südost wurde nie umgesetzt. Was war der Grund für die Stadt Bruck, sich für dieses aufwendige und mutige Procedere zu entscheiden?
P.N: Die Entscheidung, einen Masterplan zu entwickeln, resultiert aus einer Reihe von schlechten Erfahrungen, denen wir über diese Vorgehensweise von Grund auf beikommen wollen. Man stellte sich die Frage, was es über erprobte, durchgespielte Verfahren hinaus braucht, um die ursprüngliche Idee bzw. Absicht besser umzusetzen. Es darf schlichtweg nicht mehr passieren, dass man ohne ein ausreichend durchdachtes Gesamtkonzept stückchenweise verbaut (ein schlimmes Wort) und hofft, insgesamt schon irgendwie die Kurve kratzen zu können. Dann darf ein Bebauungsplan nicht zu einem rechtlichen Gängelband verkommen. Um der Rechtsform zu genügen, haben wir mehrmals Bebauungspläne in baulich belanglosen Punkten nachgeführt. Umgekehrt waren wichtige städtebauliche Zusammenhänge mit der Rechtsschablone des Gesetzgebers kaum in Deckung zu bringen. Ich sage: Pflicht ist gut, aber ein guter Bebauungsplan braucht einen „Kürteil“. Dieser braucht wieder ein besonderes Klima, und das ist am schnellsten zerstört, wenn man beamtetes Ordnungsdenken ungefiltert anwendet.
Ein Meilenstein für Bruck war sicherlich das Pilotprojekt teens open space mit der Forschungsgruppe um DI Karin Standler, 2000 und 2001. Die Stadt Bruck hat sehr engagiert mitgemacht, und in diesem Jahr wurde ein Prozess des Umdenkens eingeleitet. In diesem Projekt, wo es um Orte für Jugendliche ging, gab es auch Bezugspunkte zum Hochfeld. Aus den Diskussionsfeldern Ausgrenzung von Jugend im herkömmlichen Wohnbau, nicht zufrieden stellende Nutzungen im Stadtgebiet, Freiraumdefizite, sind erste, kleinere Stadtraumprojekte entstanden. Die Herangehensweise an Projekte hat sich spürbar verlebendigt. Kontroversen und erarbeiteter Mehrwert waren in der Regel ausgeglichen.
In diesem Klima war es letztlich nicht schwierig, die Politik von der Sinnhaftigkeit eines Masterplanes für das Gesamtareal zu überzeugen. Mit ein Anlass waren der Bauwunsch der Ennstaler Siedlungsgenossenschaft, der geplante Neubau des Roten Kreuzes beim LKH Bruck und private Bauabsichten
GAT: Warum haben Sie sich für einen EU-weiten WB entschlossen?
P.N: Laut Schwellenwert hätten wir das gar nicht tun müssen. Es gab aber die Bedenken, dass bei einem reinen städtebaulichen Wettbewerb, wo nichts gebaut wird, zu wenige Architekten mitmachen würden. Außerdem hatten wir beste Erfahrungen mit dem ebenfalls EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerb zur Neugestaltung des Hauptplatzes.
GAT: Welche konkreten Ziele setzte sich die Stadt bezüglich Masterplan?
P.N: Die Stadt wollte ein Leitbild als Diskussionsgrundlage, bzw. Handlungsanleitung für weitere Überlegungen im Sinne von: welche Abschnitte machen Sinn, welche Vorleistungen ergeben sich für die Stadt daraus, Kosten-Nutzendarstellungen, effiziente Vorgangsweise. Wichtig war aber auch der städtebauliche Aspekt. Das Hochfeld ist auch großräumlich betrachtet siedlungspolitisch ein wichtiger Bereich. Bruck ist eine historisch gegründete Stadt und hat ein hohes Image als Wohnstandort in der Region. Durch einen Masterplan sollten dem rein additiven Generieren von Bauland gegengesteuert und Vorgaben für eine geordnete Erschließung erwirkt werden. Die Stadt will nicht durch Widmungsvorstellungen privater Eigentümer unter Druck geraten
GAT: In der Ausschreibung zum Wettbewerb spielte der freiraumplanerische Aspekt eine sehr große Rolle. Ein Hauptjuror ist Landschaftsplaner.
P.N: Die freiraumplanerischen Belange waren integrierter Bestandteil in der Vorbereitung für den Wettbewerb und deshalb ein Schwerpunkt in der Auslobung. Die Stadt Bruck/Mur war im Jahr 2001 Beteiligte am geförderten Impuls-Projekt „Soziale Vorrangflächen“. Eine konkrete Auswirkung daraus ist die gesteigerte Sensibilität der Stadtplanung hinsichtlich differenzierter siedlungsöffentlicher Freibereiche. Damit sie „funktionieren“ sind sie genauso gekonnt mitzuplanen wie Feuerwehrzufahrten u.ä. Im Baugesetz sind nur Mindestflächen für Kleinkinderspielplätze verankert. Für die zumeist problematischere Altersgruppe der Jugendlichen gibt es in der Regel nichts adäquates, was im Falle von Raumaneignungen unweigerlich zu Konflikten führt und diese mehr oder weniger elegant aus der Siedlung verdrängt werden.
Die Stadt hat sich zum Ziel gesetzt, bei zukünftigen Siedlungsentwicklungen einen Mindeststandard an entsprechenden Außenbereichen zu verankern.
GAT: Wie geht es nun nach dem feststehenden Ergebnis des Wettbewerbes weiter?
P.N: Die Stadt hat auf Grund der Wohnungsnachfrage keinen Druck den Masterplan sofort als ganzes umzusetzen. Als erster wichtiger Schritt wird der Straßenanschluss an die Tragösser Straße von der Wettbewerbssiegern Architektin Elisabeth Anderl detaillierter bearbeitet, unter Beziehung von Konsulenten. Vertiefende Bearbeitungen wird es auch für das Entwässerungsprojekt und die Zonierung der einzelnen Baugebiete geben. Die Stadt muss sich der zukünftig anstehenden Vorleistungen klar werden. Als nächstes soll im Herbst im Abschnitt der Ennstaler Siedlungsgenossenschaft ein baukünstlerischer Wettbewerb abgewickelt werden. Dessen Ergebnisse werden wiederum in den Masterplan einfließen. Generell soll es einen Mentor bezüglich Umsetzung Masterplan in der Stadtplanung geben und ein Monitoring durchgeführt werden.
GAT bedankt sich für das Gespräch!
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT, Interview
Weiterführende Links



