Die Veranstaltungsreihe der ZV Steiermark dient zum informellen Austausch. Die eigene Arbeit wird kritisch "durchleuchtet" und diskutiert.
Ein Architekturbüro wählt ein oder mehrere Projekte einer Kollegin / eines Kollegen aus. Dieses Architekturbüro präsentiert das /die ausgewählte/n Projekt/e und stellt es einer interessierten Gruppe zur Diskussion. Diskussionsforum ist das Büros der / des ausgewählten Kollegin / Kollegen.
Sie / er organisiert Erfrischungen sowie „Knabbergebäck“.
ISSUE 2
Martin Krammer (Innocad) trifft HoG Architektur
WANN: 20. April 2009, 20.00 Uhr
WO: Büro HoG Architektur, Belgiergasse 6, 8010 Graz
ISSUE 1
Gestartet wurde die Reihe am 9. März 2009. balloon_Rampula/Gratl/Wohofsky besuchten Arch. DI Gerhard Mitterberger in seinem Büro in der Glacisstraße 7 in Graz. GERNOT STANGL war dabei und hat die nachfolgende Nachlese verfasst.
"Wir - nicht über uns"
Im Büro meiner Kollegin / meines Kollegen - Issue 1
Von Gernot Stangl
„Das geht so nicht weiter. Wir reden ja immer nur über mich. Jetzt wollen wir über Sie reden. Sagen Sie mal, wie hat denn Ihnen mein letztes Buch gefallen?“ - Stanislaw Jerzy Lec (*)
Sollte so viel Ironie nicht auch im Architekturgewerbe vorhanden sein? An der Oberfläche fehlt jede Spur: Architekturbücher treten gerne als Monografien auf. Inhalt: ein "Signature Architect", der sich alles ganz alleine ausdenkt. Dessen Hauptwerke: "Solitäre". Lädt man ihn nach Davos oder Alpbach ein, um seine Meinung über ein wichtiges Problem zu hören, spricht er über: seine Projekte. Dabei könnte er sagen: "Ich verdanke meine Werke keineswegs meiner eigenen Weisheit allein, sondern Tausenden von Dingen und Personen außer mir, die mir dazu das Material boten." Vielleicht will das jemand hören.
Eine neue Veranstaltungsreihe der Zentralvereinigung der Architekten greift diesen Ansatz auf: es gibt Gelegenheit, einmal nicht über sich selbst zu reden, aber als Fan, Kritiker oder Vermittler eines fremden œuvres aufzutreten. Der Auftrittsort sollte in Bezug dazu stehen, möglichst unter Anwesenheit der Urheber. Der Arbeitstitel "Im Büro meines Kollegen" für die Veranstaltungsreihe darf nicht zu eng gesehen werden - manche Kolleginnen wünschen gar kein Büro zu haben.
In der ersten Ausgabe dieser Reihe besuchten balloon (Iris Rampula / Andreas Gratl / Johannes Wohofsky) den Architekten Gerhard Mitterberger, der dem Vortrag der drei über seine Arbeit erst zuhörte und später viele Gesprächsbeiträge lieferte. Im Mittelpunkt stand eine realisierte Arbeit von Gerhard Mitterberger, ein Gebäudeensemble im Ortskern einer kleinen Gemeinde. (Sankt Nikolai im Sausal)
Jedes Bauprojekt bringt die Beteiligten - Planer, Bauherr und Nutzer - in die manchmal unbequeme Lage, sich mit dem Gegenüber auseinandersetzen zu müssen. Am Ende kann die Teilhabe an einem gemeinsam realisierten Erfolg stehen. Diese spannende Seite des Bauens war das heimliche Thema des Abends. Hier wurde auch eine Gemeinsamkeit zwischen der Arbeit der Vortragenden und des Gastgebers sichtbar.
Es gibt Auftraggeber, die vielköpfige, uneinige und damit entscheidungsschwache Institutionen sind, die entsprechend mühevolle Planungsarbeit verursachen - gerne für Großprojekte. Diesen stehen oft ähnlich strukturierte Planungsbüros gegenüber. Es ist kein Unglück, sich davon freizuspielen. So zeigte sich, dass der oben noch kritisierte egomanische Ansatz mitunter ein kluges Rezept sein kann: ein als Einzelperson auftretender Planer kann zu einem alleinverantwortlichen Bauherren ein gutes Verhältnis aufbauen. Diesen Gedanken scheinen beide Büros zu verfolgen und entsprechend liegt der Fokus ihrer Arbeit im ländlichen Raum. "Regionales" Bauen ist wohl auch deshalb so schwer fassbar, weil jeder einzelne von uns eine andere Vorstellung davon hat, was das jeweils regionale an einem Ort denn sein könnte. Gerhard Mitterbergers ungezwungene, aber respektvolle Haltung erlaubt ihm eine spielerische Herangehensweise. Einmal borgt sich die Fassade des Gemeindezentrums die Farbe vom Schönbrunngelb der Habsburger Herrschaft und dem Postgelb eines Landpostamtes, ein andermal nimmt sie keinerlei Anleihen und gibt sich fremdartig. Die Büros des Gemeindeamtes borgen ihr Erschließungskonzept von den Büros bei Microsoft. Die Whiskydestillerie nebenan ist eine Maschine, die sich ständig ändert.
Die Vortragenden von balloon haben sich im Vorfeld auf die Reise vor Ort begeben und sich mit Bauherren und Nutzern getroffen. Festgestellt wurde: ein Resultat von Gerhard Mitterbergers Herangehensweise ist die Akzeptanz, die seine Arbeit vor Ort schlussendlich findet.
Weitere Architekturbüros bzw. Architekten, die Kolleginnen / Kollegen und deren Projekte auswählen werden:
Heiner Hierzegger Mai/ Juni 2009
Team A Graz – Jörg Wallmüller und Herbert Missoni Juli/ Aug 2009
Schlosser& Partner – Daniel Schlosser Sept/ Okt 2009
Anna Wickenhauser Architektur Nov/ Dez 2009
Eine Veranstaltung der ZV Steiermark
Projektleitung: Johannes Wohofsky, Mabel Altmann(*) Das Zitat wurde dem Artikel "Der Zündstoff seiner Tinte", von Marcel Reich-Ranicki, erschienen in der F. A. Z. entnommen.




