Arch. DI Christian Leeb konnte mit seinem Entwurfsvorschlag die Jury unter dem Vorsitz von Arch.in DI.in Alexandra Stingl überzeugen und gewann den von der Stadtgemeinde Eisenerz ausgelobten, geladenen, anonymen Wettbewerb zur Erlangung von Vorentwurfs- und Nutzungskonzepten zur Neugestaltung des Bergmannplatzes in Eisenerz. Mit dem zweiten Preis wurde Arch. DI Reinhard Schafler ausgezeichnet, den dritten Platz erlangte Arch. DI Stefan Wüntscher.
Die Stadt Eisenerz in der Obersteiermark zählte während der Hochblüte des Bergbaus ca. 15.000 EinwohnerInnen. Diese Zahl ist seit Jahren im Sinken begriffen und beträgt derzeit ca. 5.000.
Die natürliche Berglandschaft, das charakteristische Bild des Erzberges und die Altstadt mit ihren engen Gassen, prägen das Bild von Eisenerz. Tourismus erfolgt hauptsächlich in Form von Tagestourismus in der Stadt Eisenerz mit Schwerpunktinteresse am ehemaligen Bergbau, an sportlichen Aktivitäten im Nahbereich von Eisenerz und an kulturellen Ereignissen. Aufgrund der sinkenden EinwohnerInnenzahl und der Beendigung des Bergbaus wurde der Redesign-Prozess notwendig, um die Stadt hinsichtlich Infrastruktur und Belebung auf das ausreichende Maß zu formieren. Dazu liegt der Stadtgemeinde die Studie „Zentrale Achse – Nussmüller.Architekten 2009“ vor. Sie fasst den seit Jahren laufende Prozesse der Stadtplanung, verschiedene Wettbewerbe und Ergebnisse des Projektes "Redesign" zusammen (GAT berichtete).
Einer der zentralen Plätze der Stadt Eisenerz, die sich auf einer Fläche von 12.452 ha erstreckt, ist der Bergmannplatz. Er ist durch drei sehr markante Gebäude geprägt, das Altes Rathaus, das Marktschreiberhaus und das Getreidehaus. Das Alte Rathaus wird zurzeit zu einem Museum umgebaut, dessen Eröffnung noch 2010 geplant ist. Auch das Marktschreiberhaus befindet sich gerade in Umbau. Dort sollen in Zukunft die Bibliothek und die Verwaltung für die Museen untergebracht werden. Im Getreidehaus, dem „Roten Haus“, sind das Montanmuseum angedacht sowie ein Kunstatelier oder KüntlerInnenwohnungen.
Ausgangs‐ und Schwerpunkt des Wettbewerbs war der Bergmannplatz. Der weitgehend ungenutzte Platz dient hauptsächlich als Durchgangsraum und weniger zum Verweilen oder für Aktivitäten. Ziel der Neugestaltung ist, dem Platz eine neue Funktion zu geben und neues Leben einzuhauchen. Im Bezug auf die Gebäudenutzungen – Museum und Bibliothek – soll eine Möglichkeit der Platznutzung unter dem Stichwort „Kulturzentrum“ als Drehscheibe vom Außenraum zum Innenraum oder umgekehrt entstehen. Ebenso sollen, die sinkende Einwohnerzahl im Auge, angemessene städtebauliche Maßnahmen, innovative Gestaltungsaspekte, neue Nutzungen für Veranstaltungen im Freiraum wie auch in den angrenzenden Gebäuden, Bedienbarkeit des Bergmannplatzes sowie bauliche Maßnahmen und ein neuer grundsätzlicher Ideenoutput zur Revitalisierung und Aufwertung des zentralen Platzes führen.
Beschreibung des Siegerprojektes
Die Neugestaltung des Bergmannplatzes soll Startimpuls für die Weiterentwicklung von Eisenerz sein. Demzufolge sollte der Bergmannplatz Drehscheibe des Zentrums sein. Dafür reicht es nicht, ihn lediglich mit einer neuen Oberfläche auszustatten. Wichtiger erscheint dem Architekten, in Korrespondenz mit den angrenzenden Bauwerken Einfluss auf die Entwicklung der Stadt zu nehmen. Die betreffenden Bauwerke sollen wiederum durch die neu geschaffene Platzsituation und deren Qualitäten in ihrer Nutzung gestärkt werden. Intention des Entwurfs ist auch, dass die Bevölkerung durch bauliche Rückbildungen und Ergänzungen die bestehenden und neuen Potentiale ihrer Stadt wieder erkennt und nutzt und somit eine neue Identität aufbauen kann.
Getreidehaus und Bergmannplatz werden als Initiatoren einer neuen „Platz“-Interpretation gesehen. Sie sind Ausgangspunkt für eine urbane Entwicklungsstrategie, in deren Rahmen die ungenutzten Räume der Kernstadt entfernt und durch nutzbare Potentiale ersetzt werden. Das Konzept sieht vor, durch Abriss von leer stehenden Gebäuden, Rückbau und Ergänzung den Platz freizulegen und neue Nutzungsqualitäten zu schaffen. Der geordnete Rückzug folgt logisch darstellbar dem geringeren Raumbedarf der Kernstadt. Die Oberfläche des Bergmannplatzes wird in Form einer monolithisch wirkenden Bodenplatte ausgebildet, der Trofenbach soll durch ein stark perforiertes Material abgedeckt und somit wieder sicht- und spürbar gemacht werden. Vom Bergmannplatz aus sollen im Laufe der Stadtentwicklung von Eisenerz immer neue Verknüpfungen zu anderen „Platzarten“ entstehen, die in Form von in die Oberfläche des Platzes eingeschriebenen Schlagwörtern ihren Ausgangspunkt haben und auf den jeweils beschriebenen Standort verweisen.
Die Stadtgemeinde Eisenerz beabsichtigt keine Realisierung des Projektes im Anschluss an den Wettbewerb. Sollte die Realisierung zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, verpflichtet sie sich aber, mit Arch. DI Christian Leeb bezüglich der weiterführenden Planungsleistungen in Verhandlung zu treten.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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