Hoffnung auf Ruhm – Die Entstehung des Schlossmuseums Linz

Genauso bemerkenswert wie der erste Auftritt von HoG aus Graz, die sich in der Architekturszene spielerisch ‘Hope of Glory’ Architektur nennen, ist auch ihr erstes öffent

21/06/2010

(Zur englische Version des Artikels gelangen Sie über den Link am Ende dieser Seite; Übersetzung Susanne Baumann-Cox, Y´plus)

Genauso bemerkenswert wie der erste Auftritt von HoG aus Graz, die sich in der Architekturszene spielerisch ‘Hope of Glory’ Architektur nennen, ist auch ihr erstes öffentliches Projekt, das preisgekrönte Linzer Schlossmuseum, einer der wichtigsten Bauten der Kulturhauptstadt. Tatsächlich sind HoG und das Schlossmuseum so miteinander verbunden, dass man sie unweigerlich gemeinsam besprechen muss.

Vom Konzept bis zur Fertigstellung rankten sich unzählige Geschichten um das Projekt. Vor mehr als drei Jahren und nur wenige Monate, nachdem man den Wettbewerb gewonnen hatte, präsentierte Mitbegründer Martin Emmerer die Wettbewerbsentwürfe im Rahmen seiner Diplomarbeit. Er tat dies vor einem informierten Publikum, da seine Studienkollegen und Professoren bereits wussten, dass das vorliegende Projekt den Wettbewerb gewonnen hatte und auch irgendwie umgesetzt werden würde. Zu diesem Zeitpunkt wusste man allerdings noch nicht wie, aber es gab ein Ziel und ein Bekenntnis zur Realisierung. Zur Umsetzung des Projektes wurde HoG GmbH gegründet, eine Partnerschaft mit Emmerers Schulfreund Clemens Luser und berührenderweise auch Clemens Vater, dem wesentlich älteren Hansjörg Luser.

Der Wettbewerbsbeitrag wurde von der Jury hauptsächlich wegen der nuancierten Antwort auf das Grundstück favorisiert. Das Zubau wurde der abgebrannten Schlossruine aufgesetzt und bietet einen atemberaubenden Ausblick auf Altstadt und Donau. Dem Vorschlag folgend, bildet in etwa an der Stelle des zerstörten Gebäudeflügels eine relativ massive Fläche den Hof. Sie erstreckt sich entlang der Linie der steilen Festungsmauern, um dann über der Hügelspitze auszukragen. Eine verglaste oder gegebenenfalls offene Zone strukturiert die Ausstellungsflächen auf Eingangsebene. Durch diesen transparenten Bereich wird die umgebende Mauer sowohl visuell als auch physisch unterbrochen. Darunter liegen drei Ausstellungsebenen sowie die Serviceräume verborgen, darüber eine Galerie und eine Veranstaltungshalle, die spektakuläre Ausblicke über die Stadt und zurück in den Hof bieten. Und am Abend, wenn die Lichter im Bauch des Gebäudes zu blinken beginnen, wirkt der obere Stock wie „ein Raumschiff, das in friedlicher Absicht über der Stadt zu schweben scheint.“

Die Festungsmauer, auf der der Zubau errichtet wurde, ist gebogen. Das neue Gebäude wurde außen zur Stadt hin einfach an diesen Achsenwechsel angepasst. Im Inneren, zum Hof hin, wird der Winkel durch eine raffiniert gekippte Glaswand überbrückt. Diese schiefe Ebene konterkariert das Gefühl der Eingeschlossenheit noch stärker und zeigt wunderliche Spiegelungen von Schloss und Himmel. Diese Fläche wirkt beim Auftreffen auf den Grat noch stärker, indem die Transparenz im Untergrund verkehrt und als überhängende monolithische Betonwand weitergeführt wird, die die vertikale Zirkulation strukturiert. Ein weiteres ungewöhnliches Moment ensteht durch den Tunnel, der durch Bestand und Neubau führt.

Zusätzlich zur verbesserten Verbindung zwischen den bestehenden Gebäudeflügeln bietet der Bau über eine unterirdische Treppe auch Zugang zum Schlossberg. Diese führt durch einen Tunnel in der Festung und umgeht damit einen langen steilen Aufstieg, der für Fahrzeuge besser geeignet ist. Die Architekten waren davon überzeugt, dass ein solcher Zugang für die Neustrukturierung des Hofes, die Mobilitätssteigerung und Veranstaltungen von großer Bedeutung ist. Außerdem wurde so auch eine öffentliche Promenade geschaffen, die für alle, und nicht nur für zahlende Gäste, wunderbare Ausblicke auf die Stadt ermöglicht. Vom äußersten Ende dieser Promenade sind das „Ars Electronica Zentrum“ sowie das „Lentos Museum“ zu sehen. Sie alle zwinkern einander mit ihren elektronischen Lichtern hinter Stahl- und Glashäuten über die Donau hinweg zu. Somit gibt es eine optische Verbindung zwischen drei von Linz’ jüngsten Gebäuden, die so ein kulturelles Dreieck bilden, das die Stadt hoffentlich auch noch lange nach dem Kulturhauptstadtjahr 2009 bereichern wird.

Biografische Notiz:

Craig Chamberlain veröffentlichte 2009 sein erstes Buch mit dem Titel ‘Rising/Falling - Always Hoping’, während er noch an der Universität in Sheffield Architektur studierte. Er schrieb für das RIBA Journal sowie das HDA Graz und genoss bei einem Praktikum im Büro von Architekt Alfred Bramberger (Graz) einen Sommer lang die Steiermark.

Verfasser/in:
Craig Chamberlain, Bericht

Weiterführende Links

hog_schlossmuseum_paulott_slmu_09.jpg
Foto: Paul Ott
hog_schlossmuseum_paulott_slmu_16.jpg
Südflügel - Erweiterung Schlossmuseum Linz (2009), Planung: HoG Architektur, Graz. Foto: Paul Ott
hog_schlossmuseum_paulott_slmu_49.jpg
Foto: Paul Ott
hog_schlossmuseum_paulott_slmu_50.jpg
Foto: Paul Ott

Artikelempfehlungen der Redaktion