Hinterhof: Plus oder Minus?

Hinterhof: Plus oder Minus? – Zur Fotoausstellung „Innenhöfe in Jakomini“ von Edeltraud Ulbl-Taschner in der Traminer Weinstube in Graz.

17/08/2005

Hinterhof: Plus oder Minus? – Zur Fotoausstellung „Innenhöfe in Jakomini“ von Edeltraud Ulbl-Taschner in der Traminer Weinstube in Graz.

Alt muss ja nicht immer gleich schlecht sein. Ungeachtet aller städteplanerischen Bemühungen der Moderne, das freistehende Hochhaus im Grünen als Siedlungsform des 20. Jahrhunderts zu etablieren, aber auch entgegen dem im aktuellen Wohnungsbau populären Trend zur Langeweile braver Reihenhausbebauungen erfreut sich der Gründerzeitblock des ausgehenden 19. Jahrhunderts nach wie vor großer Beliebtheit. Dies auch und vor allem in Graz, dessen städtische Struktur ganz wesentlich vom heute oft überholt geglaubten Modell der Blockrandbebauung geprägt ist. Der für Graz typische Gründerzeitblock zeichnet sich dabei nicht nur durch eine relativ große Ausdehnung bei gleichzeitig geringer Geschoßanzahl aus, sondern auch durch seine noch relativ unbebauten Innenhöfe als unmittelbare Naherholungsgebiete inmitten der Stadt.

In den Innenhöfen liegen denn auch die wesentlichen Qualitäten der Blockrandbebauung begründet, deren altmodischen Fassaden oft über die aktuelle Relevanz dieses städteplanerischen Modells hinwegtäuschen mögen. Die relative Ruhe und hohe Privatsphäre im grünen Inneren steigert die Lebensqualität, die Höfe sind gleichermaßen Ort sozialer Interaktion wie wertvolle Stabilisatoren des ökologischen Gleichgewichts der Stadt. – Aspekte, die gegenwärtig im Rahmen einer Ausstellung fotografischer Arbeiten von Edeltraud Ulbl-Taschner thematisiert werden. „Innenhöfe in Jakomini“ dokumentiert dabei sowohl positive als auch negative Beispiele möglicher Nutzungen von Innenhöfen, zumal deren Fortbestand als Grünraum durch die fortschreitende Bebauung bzw. Versiegelung teilweise stark bedroht ist. Nur mehr 15% der Innenhöfe im Bezirk Jakomini können als intakte Naturräume bezeichnet werden.

Die Ausstellung präsentiert sich damit auch als Teil einer Imagekampagne zum Schutz der Grazer Innenhöfe, die gegenwärtig von Naturschutzbund Steiermark in Kooperation mit dem Stadtplanungsamt und dem Bezirksrat Jakomini lanciert wird. Der Naturschutzbund war in einer ähnlichen Angelegenheit schon 2003 erfolgreich aufgetreten, als im Rahmen einer Publikation die Grazer Vorgärten dokumentiert und ihr Schutz propagiert wurde. Nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit Besitzern der Vorgärten sowie mit Stadtgarten- und Bundesdenkmalamt wurde es möglich, die Erhaltungswürdigkeit der Vorgärten daraufhin in einer (noch zu beschließenden) Novelle des Altstadterhaltungsgesetztes festzuschreiben. Die Erhaltung der Grazer Innenhöfe freilich stellt sich als weitaus komplexere Thematik dar; aufgrund der dort vorhandenen Vielfalt unterschiedlichster Privatinteressen kann ihr Erhalt durch Musealisierung wohl kaum erreicht werden. Da die Bebauung der Innenhöfe im Grunde nur global durch die maximale Bebauungsdichte geregelt ist – exakte Bebauungspläne werden nur im Anlassfall erstellt –, liegt die Genehmigung von Neubauten vor allem im Ermessensspielraum der Baubehörde. Diese entscheidet im Fall kleinerer Bauvorhaben in der Regel eher zugunsten der bauwilligen Partei.

Engagierten Bürgerinnen und Bürgern bleibt aufgrund der weichen Gesetzeslage denn auch nicht viel mehr übrig, als die Anliegen des Naturschutzes durch medial wirksame Aktionen im Bewusstsein der Bevölkerung wie auch der Stadtpolitik zu verankern. Stadtplanungsamt wie Baubehörde wiederum befindet sich in der ebenfalls nicht unproblematischen Schere zwischen der Unterstützung ökologischer Initiativen und der Lockerung gesetzlicher Bestimmungen, um die Stadt im Konkurrenzkampf mit den boomenden Umlandgemeinden als Investitionsstandort attraktiv zu halten. Als eines der wenigen städtischen Gebiete, deren Benützung offen und daher kollektiv immer wieder neu verhandelt werden muss, bleiben die Grazer Innenhöfe damit gleichermaßen Schauplatz vielfältiger Nutzungsinteressen wie auch Abbild mehr oder weniger engagierter Stadtpolitik.

Die Ausstellung in der Traminer Weinstube, Klosterwiesgasse 2, 8010 Graz ist urlaubsbedingt wieder von 22. August bis 9. September 2005, täglich von 18:00 bis 02:00 Uhr geöffnet.

Verfasser/in:
Fabian Wallmüller, Kommentar

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