Ausstellungseröffnung: MI, 28.01.2009, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: DO, 29.01. bis SO, 01. 03.2009
geöffnet DI-SO, 10.00-18.00 Uhr
Eröffnung mit Leiterin der Diagonale und Kuratorin der Ausstellung Barbara Pichler und den FilmemacherInnen Josef Dabernig, Michaela Grill und Dietmar Offenhuber.
Im Zentrum der Ausstellung "Bewegende Räume" steht die Frage nach dem ästhetischen Potenzial alltäglicher Räume sowie deren visuelle und tonale Übersetzung in den ästhetischen Diskurs des Mediums Film. Gemäß dem HDA-Schwerpunkt "GEMEINSAM SCHÖN SEIN - IST ARCHITEKTUR FORMSACHE?" versammelt die Ausstellung sieben künstlerische Raumvermessungen, die mit den Mitteln des Experimentalfilms unser Verhältnis zur Architektur und dessen Potenziale ausloten und neu formulieren.
7 KURZFILME
Gezeigt werden sieben Kurzfilme von Josef Dabernig, Michaela Grill, Annja Krautgasser, Kurt Kren, stadtmusik (Sam Auinger, Dietmar Offenhuber, Hannes Strobl), Lotte Schreiber, Flora Watzal.
Kuratorin: Barbara Pichler - Leiterin der Diagonale
Ausstellungsdesign: zweintopf
Ausstellung in Kooperation mit der Diagonale, Festival des österreichischen Films.
Ausstellungsort:
HDA Haus der Architektur
Palais Thinnfeld
Mariahilferstraße 2
A-8020 Graz
Der nachfolgende Text ist erstmals in der HDA Gazette "Gemeinsam schön sein . Ist Architektur Formsache" erschienen.
BEWEGENDE RÄUME
von Barbara Pichler
Auch wenn die Qualität unserer Umgebung oft schweigend übergangen wird, so vermag sie doch sowohl Glück wie auch Elend zu verursachen, schreibt Alain de Botton in „The Architecture of Happiness“. Denn die Orte, an denen wir leben, beeinflussen wer wir sind, sie bestimmen unser Dasein, unseren Intellekt und daher obliege es der Architektur, uns an unser tatsächliches Potenzial zu erinnern. Eine bestechende Hypothese, die weniger die raum- als vielmehr die gesellschaftsgestaltende Wirkung der Architektur ins Zentrum stellt. Doch kaum spricht man von Ästhetik, von Form oder gar von Schönheit, tut sich eine ganze Reihe beinahe unbeantwortbarer Fragen auf, vor allem die nach der Definition von Schönheit oder, wahrscheinlich viel wichtiger, die nach der sozialen Definitionsmacht in Bezug auf ästhetische Kriterien. Was empfinden wir als schön? Wann bezeichnen wir ein Gebäude als schön, wann eine Umgebung? Und was an unserer Umwelt kann „gemeinsam schön sein“? So bestimmend diese Fragen sind oder sein sollten, so scheinen sie doch in Bezug auf unsere alltägliche Umgebung kaum eine Rolle zu spielen. Mehr als dass der gemeinsame öffentliche Raum uns zu ästhetischen Diskussionen herausfordert, ist es in der alltäglichen Praxis vielmehr so, dass man ihn in seiner ästhetischen Dimension nicht mehr wahrnimmt und ihn rein pragmatischen Anforderungen der Zweckmäßigkeit unterwirft.
Die Frage nach dem ästhetischen Potenzial alltäglicher Räume sowie deren visuelle und tonale Übersetzung in den ästhetischen Diskurs eines anderen Mediums stehen im Zentrum der Schau „BEWEGENDE RÄUME“ im HDA. Die sieben ausgewählten Arbeiten verhandeln ihre jeweilige Umgebung bzw. architektonischen Elemente auf äußerst unterschiedliche Weise und erschließen sie durch eine experimentelle Filmsprache neu.
„Jogging“ lässt sich als Paraphrase auf das Genre des Roadmovies lesen. Die Fahrt wird zur eigentlichen Handlung, zu einer Bewegung entlang eines Straßensystems, das sich der Benutzung außerhalb des Autos verweigert.
„quadro“ ist das Porträt eines Gebäudes und doch kein herkömmlicher Architekturfilm, sondern vielmehr der Versuch, eine architektonische Form in eine
subjektive filmische Lesart zu übertragen.
„Parabol“, „4/61: Mauern-Positiv-Negativ und Weg“ und „kingkong“ arbeiten mit jeweils einem architektonischen Element, das sie verdichten und abstrahieren.
In „Parabol“ ist es die allgegenwärtige Parabolantenne, die vom Störelement zum visuellen Leitmotiv wird, das den Bildraum neu strukturiert.
„4/61: Mauern-Positiv-Negativ und Weg“ entwickelt durch die schnelle Abfolge von Positiv- und Negativaufnahmen von altem Mauerwerk eine rätselhafte neue Struktur, Raum entsteht hier nur durch die filmische Bewegung. Eine Idee, mit der auch „kingkong“ in seinen unablässigen Schwenks über eine Hochhausfassade spielt, die in der visuellen Reduktion und Desorientierung zu einem ganz eigenen Wahrnehmungserlebnis wird.
„Zurückbleiben bitte!“ löst den realen Raum in einer digitalen Ästhetik auf, greift einzelne Szenen eines Stadtlebens heraus, verdichtet und fragmentiert sie immer wieder.
„frame“ reduziert das Stadtbild überhaupt auf grafische Raumkoordinaten; die Raumvorstellung entsteht nur noch in der visuellen Assoziation und in der Bewegung. Diese kritische ästhetische Befragung unserer Umgebung, die formale Interpretation einzelner Elemente füllen die Lücken unserer Wahrnehmung. Durch den filmischen Blick wird unsere Alltagserfahrung usurpiert, und hier ist es wohl der Film, der uns durch die Rückeroberung des gebauten Raums an die Versprechungen und Utopien der Architektur und des modernen Städtebaus, an unser tatsächliches Potenzial erinnert.
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