Harmonische Umwelt als Gestaltungsziel

In Bruck a. d. Mur wurden am 28.04.2006 die Landesausstellung "Wege der Gesundheit" und zu diesem Anlass der neu gestaltete Hauptplatz eröffnet. Vorweg bringt GAT ein Int

26/04/2006

In Bruck a. d. Mur wurden am 28.04.2006 die Landesausstellung "Wege der Gesundheit" und zu diesem Anlass der neu gestaltete Hauptplatz eröffnet. Vorweg bringt GAT ein Interview mit Bernd Rosenberger, dem Bürgermeister der Stadt.

"Harmonische Umwelt als Gestaltungsziel"

ISG: Stadt- und Ortsbildpflege sind zentrale Themen des ISG (Internationales Städteforum Graz, Anm.) und heute auch im Steiermärkischen Baugesetz in vielen Paragraphen verankerte Begriffe. Dennoch können viele Menschen in unserem Land damit nicht viel anfangen. Die Begriffe klingen nach „Oberflächlichkeit“ – das „Bild der Stadt, des Ortes“ und damit nach etwas, das dann, wenn das Geld knapp wird, verzichtbar sein könnte. Wie stehen sie zur Stadt- und Ortsbildpflege?

Rosenberger: Wenn man bedenkt, dass ein Ortsbild letztlich so etwas wie ein Summenbild verschiedenster Aktivitäten in einer Ortsgemeinschaft darstellt, ergeben sich von vorn herein dazu zwei sehr verschiedene Zugänge: entweder man zielt mehr auf das Bild des Ortes selbst und versucht die Dinge danach „schön“ zu machen, oder man beschäftigt sich auch mit den Zusammenhängen dahinter, getragen von der Hoffnung, dass sich in der Folge ein entsprechendes Ortsbild einstellt. Der allgemeine Zugang entspricht eher ersterem, wobei nicht unterschätzt werden darf, dass eine zunehmend sensibilisiertere Bevölkerung verstärkt auch die hintergründigeren Aspekte in die Thematik einbezogen sehen möchte.

Damit wird die Sache zwar ungleich anspruchsvoller, man läuft aber weniger Gefahr, Ortsbild als isoliertes und „oberflächliches“ Aufgabenfeld zu sehen, wo man über eine gewisse Beliebigkeit leicht zur Entbehrlichkeit abrutschen kann. In Zeiten knapper werdender Finanzmittel wird daraus sehr leicht ein Streichposten. Eine harmonische Umwelt als Gestaltungsziel wird grundsätzlich ja niemand in Frage stellen. Auch kann die Rückwirkung im Positiven wie im Negativen auf die jeweilige Stadtbefindlichkeit und darüber hinaus nicht hoch genug eingeschätzt werden. Leider sind diesbezügliche Anforderungen nicht so standardisierbar und einforderbar wie z.B. technische Kriterien. Es ist zugleich ein sehr wichtiges wie auch sensibles Thema, wo zugestandenermaßen noch viel Bewusstseinsarbeit zu leisten sein wird.

ISG: Wenn man sich die Städte und Gemeinden in der Steiermark ansieht, so sind bei den ca. 10 % Gemeinden, die Ortsbildpflege streng betreiben und auch bei den weiteren 10 %, welche diese Pflege auf freiwilliger Basis durchführen, die Ortszentren relativ gepflegt, die Peripherie meist nicht so sehr. Sollte nicht jeder Steirer ein Anrecht auf eine gepflegte Umwelt haben?

Rosenberger: Dem ist sicher zuzustimmen. Gleichzeitig muss man aber auch zur Kenntnis nehmen, dass eine Stadt ja kein homogenes Bedeutungsgebilde ist, und dass diese Unterschiede letztlich auch im jeweiligen Ortsbild ihren Niederschlag finden. Nur aus der Sicht eines Ortsbildes auf diese Frage zuzugehen ist sicher ein zu verkürzter Ansatz.

ISG: Österreich ist ein Land, das stark vom Tourismus lebt! Für wen sollte die Stadt- und Ortsbildpflege gemacht werden? Für die Bewohner oder für den Touristen oder für beide?

Rosenberger: Nicht unproblematisch dürfte es sein, wenn Ortsbildmaßnahmen vornehmlich in Ausrichtung auf Touristen gesetzt werden. Es führt allzu leicht zu aufgesetzten Ausprägungen, wo die örtliche Identität verloren geht. Beispiele dafür gibt es jedenfalls genug. In einem gelungenen Ortsbild müsste sich letztlich immer auch die lokale Einstellung widerspiegeln, deshalb dürfte die Ausrichtung auf den Bewohner die ungleich wichtigere sein.

ISG: Es gibt Stadtarchäologie, die sich mit dem Untergrund einer Stadt, eines Ortes befasst, und solche, die man auch Bauarchäologie nennen könnte, daneben auch Industriearchäologie. Was halten Sie davon?

Rosenberger: Die Stadt Bruck an der Mur hat aufgrund ihrer günstigen Lage im Zentrum der Steiermark, im Schnittpunkt der wichtigsten Verkehrswege seit mehr als 2.000 Jahren eine wichtige Rolle in Politik, Kunstschaffen und Wirtschaft unseres Landes gespielt. Daher ist die Stadt auch reich an bedeutenden Denkmälern von der Römerzeit bis zur Gegenwart, von sakraler Baukunst bis zu moderner Krankenhausarchitektur, von Kunsthandwerk bis zu Industriedenkmälern.

Für die Stadt Bruck an der Mur ist daher die Erhaltung und Erforschung dieser Denkmäler nicht nur Pflicht, sondern auch ein Anliegen, wohl wissend, dass der Verlust jedes einzelnen, ja jeder einzelnen Detailinformation ein unwiederbringlicher Verlust wäre. Stadtarchäologie ist für Bruck daher in den vergangenen Jahren eine Selbstverständlichkeit geworden, auch wenn eine Stadtarchäologie hier nicht direkt eingerichtet ist.

Seit 2001 sind nun verschiedene Maßnahmen durchgeführt worden, die je nach Notwendigkeit alle Aspekte der Stadtarchäologie betreffen. (*)

ISG: Das Geschäftssterben in den Stadt- und Ortszentren wird zwar gerne auf die Restriktionen in den Zentren allgemein und speziell auf die Einführung von Fußgängerzonen zurückgeführt. Das stimmt allerdings so sicher nicht. Schon die Verkehrsexzesse in den späten 60er Jahren waren Auslöser der ersten Shoppingcenter und gaben diesen eine erste Chance. Welche Gefahren sehen sie in der Entwicklung zu den Shopping Citys an der Peripherie und auch jenseits der Stadt- und Gemeindegrenzen?

Rosenberger: Gegen die hoch problematische Verlagerung von Shoppingcenters in periphere Lagen wurde ja viel versucht, allerdings mit insgesamt nur mäßigem Erfolg. Letztlich aufzuhalten war die Entwicklung offensichtlich nicht. Für substanziell hochwertige Ortsstrukturen mag das mitunter auch ein Vorteil gewesen sein, weil Entwicklungen, die mit einer derartigen Brachialität hereinbrechen, sich - wenn überhaupt - mehr schlecht als recht integrieren lassen.

Chancen genereller Art sind in dieser Entwicklung für mich nicht erkennbar.

Tatsache ist jedenfalls, dass mit der Installierung von Shopping Centers an der Peripherie das Geschäftesterben in den Zentren begonnen hat. Wo es leere Geschäfte gibt, gibt es bald auch leere Wohnungen, zumindest in den mittleren und kleinen Städten. Neuere Studien belegen, dass es möglich ist, mittel- bis langfristig das Einkaufsverhalten wieder zu ändern. Weg von der grünen Wiese in die Stadtkerne, wenn es z.B. attraktive Innenstädte gibt, der Branchen-Mix passt und leistbarer Parkraum vorhanden ist. Sich in diesem Spannungsfeld zu bewegen, auf der einen Seite kluge Verkehrskonzepte zu erstellen und andererseits die Ortskerne wieder zu füllen, ist eine Herausforderung der Zukunft.

ISG: In London hat man eine City Maut eingeführt: in Banska Stiavnica (Schemnitz) in der Slowakei hatte man schon vor 15 Jahren eine solche Maut eingeführt. Wie stehen sie zu dieser Idee?

Rosenberger: Wenn es ein halbwegs konkurrenzfähiges öffentliches Verkehrsnetz als Alternative zum motorisierten Individualverkehr gibt, dann lassen sich damit in einem gewissen Ausmaß sicher die allgemeinen Lebensbedingungen in einer Stadt verbessern. Unter einer entsprechenden Ortsgröße wird das aber nicht zu machen sein.

Die allgemeine Einhebung von Parkgebühren in einer Stadt ist ja auch eine Maßnahme, die letztlich auf das gleiche Ziel hinausläuft. Für eine zusätzliche Maut müssen einzelne Orte schon eine besondere Zugkraft innerhalb ihres siedlungsmäßigen Umfeldes erlangt haben, um nicht unweigerlich in einen schwerwiegenden Standortnachteil abzurutschen. Für „durchschnittliche“ Ortschaften im heute üblichen städtischen Wettbewerb wird sich das eher nicht ausgehen.(*)

Bodendenkmäler:

• Ausgrabungen im Baderhaus mit einem besonders schönen und für die Steiermark einzigartigen Befund einer Badestube aus dem Jahr 1613

• Dokumentation eines beim Kanalbau auf dem Kirchplatz gefundenen gemauerten Grabfundamentes

• Dokumentation der Fundamentreste des Schlosses Landskron und des ehemaligen Restaurants auf dem Plateau des Schlossbergs anlässlich eines Leitungsbaus.

• Ausgrabungen auf dem Koloman-Wallisch-Platz anlässlich des Tiefgaragenbaus.

Alle Daten aus diesen Ausgrabungen und Dokumentationen sind im GIS der Stadt Bruck an der Mur (BRUGIS) abgespeichert und können in unterschiedlichen Maßstäben zu unterschiedlichen Themen abgefragt und dargestellt werden.

Denkmäler:

• Förderung einer Diplomarbeit über bauhistorische Untersuchungen am Bürgerspital (ehem. Musikschule).

• Im Zuge der Restaurierung des gotischen Steinkreuzes wurden auch verschiedene Untersuchungen durchgeführt, die u.a. die Herkunft des Steines von einem Steinbruch bei Parschlug ergaben, sowie auch spärliche Reste der originalen Bemalung der Nischen zum Vorschein brachten (wird in den nächsten FÖ publiziert).

• Bauhistorische Untersuchungen wurden Ende Juli 2005 am Stadtturm im Stadtpark durchgeführt. Dabei hat sich ergeben, dass der Turm gleichzeitig mit der Stadtmauer, also in den sechziger Jahren des 13. Jahrhunderts und danach einige Umbauten mitgemacht hat. Sein heutiges Aussehen hat er um 1850 erhalten.

• Im Zuge der Restaurierungsarbeiten des Eisernen Brunnens werden u.a. auch weitere Analysen der Anstriche durchgeführt, um die originale Farbgebung festzustellen. Weiters wird auf Werkstättenzeichen und Stempel geachtet, um evtl. den Künstler der Laube und ihre genaue Datierung herauszufinden (wir wissen bis heute nur die Datierung der ersten Restaurierung des Brunnens 1626).

Präventiver Denkmalschutz

• Digitaler Denkmälerkataster der Stadt Bruck an der Mur: Erfassung der Denkmäler mit ortsbezogenen und themenbezogenen Infos wie Adresse, Geschichte, Erhaltungszustand, Schutzstatus, Restaurierungen, Datierung etc. Die Daten werden in einer Access – Datenbank erfasst und mit dem BRUGIS verbunden. Wird laufend ergänzt.

• Digitale Ausweisung von Fundhoffnungszonen: Zum besseren Schutz der Bodendenkmäler der Stadt Bruck an der Mur werden Fundhoffnungszonen ausgewiesen, die im BRUGIS abfragbar sind. Fundhoffnungszonen sind jene Orte, an denen aufgrund verschiedener Hinweise (Literatur, Bodenmerkmale, Streufunde, Beobachtungen, Ausgrabungen) Bodendenkmäler zu erwarten sind. In Bruck sind dies u.a. das Areal der römerzeitlichen Villa auf der Postwiese, die römerzeitlichen Gräber in der Fabriksgasse, der Bereich Schlossberg, der Bereich entlang der Leobner Straße in St. Ruprecht etc. Diese Flächen sind bei dort geplanten Bauvorhaben lt. Gemeinderatsbeschluss vom 15.11.2001 auszuweisen und es hat eine archäologische Baubegleitung bzw. bei Bedarf eine Ausgrabung zu erfolgen. Bestellung des ISG Magazins (Publikation des Internationalen Städteforums Graz) unter office@staedteforum.at

Weiterführende Links

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