Der Grazer Architekt Dietger Wissounig gewann mit seinem Projektvorschlag das geladene Gutachterverfahren zur Erlangung von Bebauungsvorschlägen für die Errichtung eines Seniorenzentrum in Leoben-Göss.
Weitere geladene Teilnehmer waren:
Architekt Univ. Prof. DI Dr. Hansjörg Tschom, Graz
Architektur Consult ZT Gmbh, Graz
Architekt DI Amadeus Piantino, Graz
Architektin DI Claudia Gruber, St. Marein
Architekt DI Dominik Aichinger ZT GmbH
Architektin DI Gabriele Summerer-Nussbaumer, Graz
Zusammensetzung des Preisgerichtes:
Architekt DI Wolfgang Schwarzenbacher, AIK
DI Daniel Kampus, FA 13B - Stmk. Landesregierung
OBR DI Johann Tatzl, Abt. 15 - Stmk. Landesregierung
Baudir. Dipl.-Ing. Heimo Berghold, Stadtgemeinde Leoben
BM Ing. Johann Frank, ÖWG
Vorprüfung:
Arch. DI Dr. techn. Roland Heyszl, Graz
Ausschreibende Stelle:
ÖWG Österreichische Wohnbaugenossenschaft
BESCHREIBUNG DES SIEGERPROJEKTES
Verfasser: Arch. DI Dietger Wissounig
Die bestehende Situation
Der Bauplatz zwischen Hirschgraben und Gösser Straße ist auf der einen Seite von einem hohen Lärmaufkommen belastet. Andererseits ist er geprägt von den starken landschaftlichen Reizen des parkähnlichen Bewuchses am Grundstück und von der kulturellen, religiösen Ausstrahlung des ältesten Klosters der Steiermark, des Stiftes Göss mit seinen Bauten und Gartenmauern. Die Aussicht auf das nahe Stift und der Blick in den eigenen Garten werden in dem Projekt in weiterer Folge thematisiert. Das Grundstück mit seinem Baumbestand und angewachsenen Strauchwerk unterstreicht das Ruhe- und Erholungspotential der Bauaufgabe.
Das architektonische Konzept
Der Baukörper, der das Pflegeheim enthält, steht als Solitär in der Parklandschaft und bildet mit ihm eine gestalterische Einheit. Die Gebäudeteile nehmen in ihrer Gestaltung, Geometrie und Materialisierung auf die umliegenden Gebäude Bezug. Trotz der einfachen und klaren Volumina entsteht eine spannende räumliche Qualität. Die spezifische Situierung des Gebäudes im Park verleiht ihm einen starken öffentlichen Charakter. Das Erdgeschoss vermittelt dank seiner überdachten loggienähnlichen Terrassen und der durchgesteckten Foyer – Andachtsraumfolge zwischen Gebäude und Parkraum. Der Baukörper für das betreute Wohnen nimmt an der Gösser Straße die den Straßenraum bildende Bebauung in Form einer winkelförmigen Anbindung auf.
Freiräume – Atmosphäre
Biotopähnliche Erweiterungen, Holzstege und raumbildende Bepflanzungen schaffen eine angenehme Atmosphäre beim Spazieren im Naturraum. Die Wegführungen beschreiben immer einen Rundgang, sodass verwirrte Bewohner wieder am Ausgangspunkt ankommen. Funktionen wie Gemüsebeete, Kräuterhochbeete, Sitzplätze im Sichtbereich der umliegenden Gebäude sind im Rundgang angeordnet.
Organisation Pflege- und Wohnhaus:
Das Raumprogramm ist auf drei Geschosse aufgeteilt. Die beiden Obergeschosse beherbergen im 1.OG die Demenzpflegeeinheiten und im 2.OG eine herkömmliche Wohn- und Pflegeeinheit. Im EG befindet sich abgesetzt das Kompetenzzentrum. Der südliche Parkraum, das Foyer mit Cafe und der Andachtsraum bilden eine fließende Raumfolge, die sich zur Pfarrkirche hin orientiert.
Zwei innen liegende Atrien bestimmen als immergrüne Oasen den Kern des Gebäudes.
Jeder Raum des Gebäudes ist auf kurzem Weg, barrierefrei und mit dem Pflegebett erreichbar – das gewährleistet die Flexibilität bei Nutzungsänderungen im Laufe der Jahre.
Organisation betreutes Wohnen:
Das Raumprogramm ist auf drei Regelgeschosse aufgeteilt. Im Erdgeschoss sind zur Gösser Straße hin die halböffentlichen Nutzungen angeordnet.
Gartenoasen – Terrassen mit Ausblick, passive Solarenergie:
Ein abwechselndes Öffnen des Gebäudes zu den Atrien lässt ein angenehmes Raumempfinden entstehen. Im Demenzgeschoss sind Aufenthaltsbereiche nach Südosten, Südwesten und Nordwesten vorgesehen. So ist der direkte Bezug zur Umgebung, zum Park, zur Witterung, zur Landschaft und zum Stift von jedem Punkt gegeben. Dem Bewohner wird das Gefühl vermittelt, in einem Hotel zu wohnen. Die Ausblickachsen der Terrassen setzen sich im Park fort. Im Pflegegeschoss sind die Zimmer um eine große Sonnenterrasse angeordnet, die auch als Demenzgarten genutzt werden kann.
Konstruktion:
Es wird vorgeschlagen, die gesamte Gebäudetragstruktur als Betonskelett, raumteilende Elemente mit Mantelsteinwänden (Schallschutz) und die Fassadenelemente aus vorgefertigten Betontafeleln (Schallschutz) auszubilden. Damit sind die Vorteile der Massivbauweise - ein optimierter Schall- und Brandschutz - und jene der Montagebauweise - Flexibilität und eine hohen Wärmedämmung - optimal miteinander verbunden. Das Ergebnis ist ein Gebäude mit Niedrigenergiestandard, das eine Optimierung der Kosten in der Herstellung und im Betrieb garantiert.
Das Siegerprojekt erinnert in Form und Struktur an das von Wissounig geplante und im Jahr 2005 fertig gestellte Altenwohn- und Pflegeheim Steinfeld in Kärnten, das bereits mit zahlreichen Preisen - Neues Bauen in den Alpen 2006, Landesbaupreis Kärnten 2006, Holzbaupreis Kärnten 2006 - ausgezeichnet wurde.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich