Nachdem die Planung der Messehalle 1 in Graz ein knappes Jahr auf Eis gelegen war, wurde das Projekt nun behördlich genehmigt. Die Architekten Riegler Riewe sind erleichtert.
Im Glück nicht jubeln, im Leid nicht klagen, das Unvermeidliche mit Würde tragen: Diese alte Bauernregel dürften Florian Riegler und Roger Riewe nach dreijähriger Planungsphase an der Messehalle 1 wohl verinnerlicht haben. In den weißen Hallen ihres Büros kommt wenig Stimmung auf, wenn die beiden Herren nüchtern erklären, dass die Einreichung ihres Projekts seit wenigen Tagen abgesegnet ist. Dennoch macht sich eine gewisse Entspannung breit.
Die Umsetzung des aus dem geladenen Wettbewerb zur Reorganisation des Messeareals 2003 siegreich hervorgegangenen Projekts sollte sich schon bald als schwierig herausstellen. Im April 2004 wurde die auf dem Bauplatz befindliche Halle 11 des Architekten Friedrich Zotter aus dem Jahr 1939 wider alle Erwartungen unter Denkmalschutz gestellt – bei Einholung des Abbruchbescheids. In der Wettbewerbsphase war seitens der Auslober die Bedeutung des konstruktiv nicht außergewöhnlichen, aufgrund seiner Größe allerdings einzigartigen Bauwerks aus der Nazizeit unterspielt worden – ein Taktik, die einen neunmonatigen Planungsstopp zur Folge hatte. Nach Einigung mit dem Bundesdenkmalamt – der Vorschlag Riegler Riewes zur Demontage der alten Halle und Neuerrichtung am östlichen Kopfende der neuen Messehalle 1 wurde positiv bewertet – konnte die Planung fortgesetzt werden. Nach erfolgter Baugenehmigung wird seitens der Architekten mit Baubeginn im Mai 2006 gerechnet. Geplante Fertigstellung ist im Dezember 2007, Eröffnung im Januar 2008 – bezeichnenderweise mit der Häuslbauermesse.
Kühl überschlagen die beiden Architekten im Gespräch die Kosten, die ihnen die Planungspause zur Klärung der Causa Zotter-Halle verursachte: „Wir hatten ein großes Risiko zu tragen.“ Ihr ursprünglicher Vertrag mit der Messe hatte das Architektenduo vor die unangenehme Wahl gestellt, nach Ablieferung des Vorentwurfs entweder auf eigenes Risiko Planunsvorleistungen zu erbringen oder mit einer Weiterplanung zu warten, bis alle Rahmenbedingungen seitens der Messe geklärt sind. Ihr eigenes Risikokapital in diesem Deal beziffern die Architekten aufgrund der beim später eingetretenen Planungsstopp bereits getätigten Planungsvorleistungen mit etwa 200.000,- Euro; die Kosten der Beschäftigung von 10 eigens für das Projekt Messehalle eingestellten Mitarbeitern, die in der Wartephase mit (erfolglos verlaufenen) Wettbewerbsteilnahmen durchgefüttert werden mussten, belaufen sich auf 100.000,- Euro. Die finanziellen Verluste der ebenfalls involvierten Subplaner sind hier noch gar nicht berücksichtigt. „Das war eine zehnmonatige extreme Durststrecke.“
Dennoch zeigen Riegler Riewe Verständnis für die komplexe Sachlage, die ein derartiger Auftrag mit sich bringt. Aufgrund des veränderlichen Baubudgets, das durch die nach wie vor nicht geklärte Veräußerung von Grundstücken des ehemals stadteigenen Messeareals zustande kommt, besitzt das Projekt nicht zuletzt eine politische Dimension – die sich wiederum mit Wahlen ändern kann. So seien die Rahmenbedingungen der Planung permanent im Fluss. Gleichzeitig kommt es zu Lösungen, die im Vorhinein gar nicht vorstellbar sind – siehe Zotter-Halle. Da aber Wettbewerbe von Auslobern ohnehin zunehmend zur Auslotung von Möglichkeiten komplexer Sachverhalte instrumentalisiert werden, raten Riegler Riewe dazu, derartige Bauvorhaben konsequenterweise auch offener auszuschreiben: „Das Programm sollte im Wettbewerb weniger eng gezurrt sein, damit man später besser reagieren kann. Viele wichtige Informationen kommen ja erst im Nachhinein.“ Darüber hinaus wäre es sinnvoll, Architekten bei komplexen Bauvorhaben nicht mit der – ohnehin unwahrscheinlichen – Umsetzung ihres ursprünglichen Entwurfs, sondern gleich mit einer Planungspartnerschaft zu beauftragen. So kann ein wechselhafter Projektentwicklungsprozess effektiver begleitet werden. Zudem schützt ein solcher Schritt auch vor der eigenen Kollegenschaft, die im Falle einer Änderung wesentlicher Rahmenbedingungen die Wiederholung des Wettbewerbs einklagen könnte. Dies sei aber, so versichern Riegler Riewe, im Fall der Messehalle nicht geschehen.
„Wenn man vorher zu viel weiß, ist man beim Entwurf in jedem Fall gehandicapt,“ sinnieren die beiden Architekten im Rückblick auf den steinernen Weg. Eines ist für Riegler Riewe jedenfalls gewiss: „Hätten wir das alles schon vor dem Wettbewerb gewusst, hätten wir wahrscheinlich gar nicht teilgenommen.“ So gesehen ist die Sache ja dann doch ganz gut gelaufen.KONTAKT:
Riegler Riewe Architekten ZT Ges.m.b.H
Arch. Dipl.-Ing Florian Riegler
Prof. Arch. Dipl.-Ing. Roger Riewe
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- Verfasser/in:
- Fabian Wallmüller, Bericht
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