Irgendetwas ist anders. Oder, was passiert, wenn Grenzen wegfallen?
Studierende der Architekturfakultät der TU Graz und der Universität Maribor gestalteten im Rahmen des gemeinsamen Studentenwettbewerbs "OPEN BOARDERS" die Räume der ehemaligen Grenze in Sentlj / Spielfeld.
Die Projekte sind bis 27. Juni 2004 im Restaurant KOMPAS (Brückenbauwerk)in Sentilj zu sehen.
Öffnungszeiten: 10:00 – 18:00 Uhr. Eintritt frei!
In drei Tagen, am 25. Juni 2004, jährt sich die Unabhängigkeitserklärung Sloweniens, eine der ersten Teilrepubliken des ehemaligen Jugoslawien, zum 13. Mal. Wir erinnern uns noch an den Einmarsch der Truppen der jugoslawischen Volksarmee am darauf folgenden Tag, die die Bestrebungen zur Unabhängigkeit zu verhindern versuchten, aber glücklicherweise nicht sehr lange blieben, um Slowenien schließlich doch in die Unabhängigkeit zu entlassen. Seit 1. Mai dieses Jahres ist Slowenien mit neun weiteren Staaten, von denen vier unmittelbare Nachbarn von Österreich sind, Mitglied der EU.
Das bedeutet eine Öffnung von mehr als der Hälfte der gesamten Außengrenze unseres Landes.
Das bedeutet aber auch ein Um- und Neudenken von Grenzräumen, die wir mit der Geschichte in unseren Köpfen tragen - sind mit den Grenzen, vor allem auch zwischen Österreich und Slowenien, doch Jahrzehnte von traumatischen Grenzerfahrungen für die Bewohner dieser Regionen, die nunmehr wieder eine Region werden soll, verbunden.
(Inge Moraths Ausstellung "Grenz.Räume Steirisch-slowenische Wegzeichen" im Rahmen von Graz 2003 verdeutlichte in ihrer "Spurensuche: nach der eigenen Herkunft und nach dem Wechselspiel von Geschichte, Alltag und Kultur im Grenzland." diese mitunter konfliktreiche Auseinandersetzung auf besonders berührende Weise.)
Aber es geht auch um Chancen und Entwicklungspotenziale dieser neuen Wirtschaftsräume, im genannten Fall um den "Agglomerationsraum der Region Graz-Maribor", um die Entwicklung von möglichen Leitbildern, die vor allem im Hinblick auf eine subtile Raumplanung, gegen entgleitende Zersiedelung, Möglichkeiten neuer Formen einer Regionalentwicklung initiieren könnten. In diesem Sinne sind Projekte wie Kooperationen auf universitärer Ebene sicherlich positive Ansätze, die nicht im Elfenbeinturm der Universitäten verbleiben sollten, sondern im Dialog - in der "Vernetzung" und im "interdisziplinären" Austausch, um diese strapazierten Begriffe zu gebrauchen – weiterzutragen und -denken. Und wie kürzlich erwähnt, (siehe untenstehenden Link "Mikrologie der Visionen") gibt es eine ganze Reihe von Projekten und Initiativen, die sich mit diesem Thema beschäftigen.
Hinzufügen möchte ich an dieser Stelle auch noch Arbeiten im künstlerischen Umfeld, die dieses Thema behandeln, wie z.B. Judith Siegmunds "Soziale Geräusche", die sie im Rahmen des Stipendienprogrammes AIR_port im Forum Stadtpark 2001 erarbeitet hat, indem sie biografische und gesellschaftliche Befindlichkeiten von Anwohnern diesseits und jenseits der Grenze aufspürte und in Buchform veröffentlichte.
(Judith Siegmund, "Soziale Geräusche. Slubice Frankfurt (Oder). Übermurgebiet. Slowenische Steiermark. Graz." Hrsg. Forum Stadtpark 2003, ISBN: 3-901 109-04-8)
Der Studentenwettbewerb "OPEN BOARDERS" ist unter Wettbewerbe auf GAT dokumentiert (siehe untenstehenden Link).
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer "Freie Meinung"




