Grazer Architekturschaffende in Kärnten ausgezeichnet

Die Wohnanlage Markstein/Feldkirchen von Architekt Dietger Wissounig wurde mit dem Kärntner Landesbaupreis 06 ausgezeichnet. Das Geschäfts- und Wohnhaus Velden von Archi

05/02/2007

Am Donnerstag, den 01.02.2007 wurde das Projekt Wohnanlage Markstein/Feldkirchen von Architekt Dietger Wissounig aus Graz im Klagenfurter Napoleonstadl mit dem Kärntner Landesbaupreis 2006 ausgezeichnet. Ein weiteres Projekt aus einer steirischen Produktionsstätte erhielt einen Anerkennungspreis: das Geschäfts- und Wohnhaus Velden von Architekt Karl-Heinz Winkler. Die hochkarätig besetzte Jury, in der u. a. die Architekten Roland Gnaiger und Elke Delugan-Meissl sowie der renommierte Architekturkritiker Otto Kapfinger vertreten waren, fällte die Entscheidung für den Preisträger einstimmig.

Bereits im Jahr 2005 war übrigens ein Projekt von Architekt Wissounig mit dem wichtigsten Kärntner Architekturpreis ausgezeichnet worden: das Altenwohn- und Pflegeheim Steinfeld.

KÄRNTNER LANDESPREIS 2006:

Wohnanlage Markstein/Feldkirchen

Planung: Arch. DI Dietger Wissounig, Graz

Bauherr: Vorstädtische Kleinsiedlung, Klagenfurt

Die Wohnanlage besteht aus fünf zwei- und dreigeschoßigen Baukörpern, die insgesamt 30 Wohnungen in Größen von 55 bis 95 m² beherbergen. Die Gebäude wurden in Holzbauweise mit Niedrigenergiehaus-Standard errichtet und erst im November 2006 fertiggestellt.

Auszug aus dem Juryprotokoll:

Die Wohnanlage Markstein setzt ihre „Mark“ in den Zwischenbereich der Orte, in einen naturräumlich, aber nicht baulich definierten Ort. Die Definition des Ortes bleibt dem Neubau vorbehalten, der auf die besondere Idylle eines parkähnlichen Landschaftsraumes trifft.

Das Repertoire an baulichen Typologien, innerhalb der engen Grenzen des sozialen Wohnbaus, ist hinreichend bekannt. Es geht somit mehr darum, diese in eine Beziehung zu setzen, in der ein Bedeutungsgleichgewicht zwischen Bau-(körper) und (Frei-)Raum entsteht. Je reduzierter die Baukörper werden, umso wichtiger wird ihre Stellung zueinander und im Raum. Der Entwurf schöpft aus dem Potential neuer Muster, die sich aus der unerschöpflichen Kombination, mitunter alter Elemente, ergeben. Dass es dabei um Feinheiten in der Abstimmung geht, wurde in „Markstein“ erkannt. Baukörper und Naturraum dringen ineinander vor, ohne dabei zwischen „Vorne“ und „Hinten“ zu unterscheiden. Die „durchgesteckten“, manchmal auch dreiseitig orientierten Wohneinheiten sprechen auch über ihre „Rückseiten“ zum Außenraum.

Die an der Ökonomie und am konstruktiven Holzschutz orientierte, nahezu lapidare, Baugestalt bleibt in ihrer Unaufdringlichkeit im Hintergrund. Sie öffnet aber gerade dadurch den Raum für das Leben. Mit diesem Statement wirkt die Anlage „Marktstein“ über den Ort hinaus und wird so ihrem Namen gerecht. Punkto Genossenschaftsbau und Holzbau definiert sie regional einen neuen Standard. National hat sie keine Vergleiche zu scheuen.

ANERKENNUNG ZUM LANDESBAUPREIS 2006:

Geschäfts- und Wohnhaus Velden

Planung: Arch. DI. Karl Heinz Winkler, Graz

Bauherr: Mag. Wolfgang Wenger, c/o Sonnenapotheke, Velden am Wörther SeeAuszug aus dem Juryprotokoll

An einer städtischen Randzone von Velden situiert, bietet dieses Projekt durch sein homogenes und kräftiges Erscheinungsbild ein Entrée zur Stadt. Die vorhandene Größe des Bauplatzes bietet Möglichkeiten einer Mischnutzung, die in stadtstruktureller Hinsicht das Gebiet belebt.

Nutzungen wie Apotheke, Ordination und Wohnen wurden vom Projektanten gekonnt in das Konzept aufgenommen und umgesetzt. Das Gebäude gliedert sich in zwei höhendifferenzierte L-förmige Baukörper, welche sich im Sockelbereich verzahnen und um ein Atrium angelagert sind. Der zur Straße gerichtete Bauteil weist eine weitgehend transparente bzw. transluzente EG-Zone auf, welche die gewerbliche Nutzung einer Apotheke beinhaltet. Durch die gewählte Materialität ist die weitgehende „Auflösung“ des Sockelgeschosses und dadurch die Verbindung mit dem städtischen Außenraum sowie dem introvertierten Hof gegeben. Der Übergang zwischen öffentlichem, halböffentlichem und privatem Raum wird durch die gewählte Konzeption thematisiert und äußerst sensibel bewältigt. Im straßenabgewandten eingeschossigen Baukörper befindet sich die Ordination, die durch die gewählte Fassandengestaltung eine introvertierte Haltung einnimmt.

Der zur Straße gerichtete metallverkleidete Bauteil kragt über das Sockelgeschoß aus und vermittelt somit einen leichten, fast schwebenden Eindruck. Hier sind Wohneinheiten situiert, die durch bewußt gesetzte Fensteröffnungen zur Straße einen homogenen Eindruck vermitteln und zum Hof mit großzügigen Erkerlösungen einen offenen und differenziert atmosphärischen Raum bilden.

Der Zugang zu den Wohneinheiten erfolgt über den Innenhof und ein lichtdurchflutetes Treppenhaus, das durch die höhenversetzten Fensteröffnungen immer wieder neue Perspektiven und Bezüge zum Außenraum bietet, wenngleich die Position des Treppenturmes im Sinner der Gesamtkonzeption nicht konsistent gelöst erscheint.

Dieses Geschäfts- und Wohnhaus wird von der Jury als gutes Beispiel zeitgenössischer Baukunst gewürdigt. Der städtebauliche Ansatz sowie die Raumkonzeption als auch die gewählte Materialität greifen schlüssig ineinander und schaffen eine bemerkenswerte Wohn- und Arbeitssituation.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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Fotos: Paul Ott
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Fotos: Paul Ott
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Fotos: Paul Ott
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Fotos: Paul Ott

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