Die Geramb Rose als Auszeichnung für gutes Bauen wird für Leistungen verliehen, die der Erhaltung oder Schaffung einer qualitätsvollen Baukultur in der Steiermark dienen.
Die „Geramb Rose“ (bzw. vormals „Geramb-Dankzeichen für gutes Bauen“) wird ab 1981, dem Jahr der Ortsbildpflege und -gestaltung in der Steiermark vom Verein „Heimatschutz in der Steiermark“ wieder herausgebracht und verliehen. Dieser Verein wurde 2002 in Verein „BauKultur Steiermark“ umbenannt.
GERAMB ROSE 2008
Im Zuge einer Festveranstaltung wurden am 27. Juni 2008 im Musikheim St. Johann im Saggautal 7 hervorragende Projekte mit der Geramb Rose 2008 ausgezeichnet. Eine weitere Geramb Rose erging - wieder einmal - an einen so genannten „Klassiker“.
Insgesamt wurden 70 Projekte eingereicht. Die Beurteilungskommission bestand aus Ass. Prof. Arch. DI Dr. Uli Tischler (Vorsitz), Arch. DI Susanne Fritzer, Mag. Elke Krasny, Arch. DI Alfred Boric, DI Dr. Birgit-Magdalena Skerbetz, DI Hans-Christian Hofmann,
Die Preisträger 2008 im Überblick:
Bestattungszentrum Voitsberg
Planung: ARGE Heil Hoinkes Federspiel ZT GmbH, Acham ZT GmbH, Graz
Fertigstellung 2007
Haus H & L, Irdning
Planung: x architekten, Linz
Fertigstellung: 2004
Musikheim St. Johann im Saggautal
Planung: Leitner Pretterhofer Simbeni Architekten, Graz
Fertigstellung: 2007
„Schule des Daseins“ Stift St. Lambrecht
Planung: reitmayr architekten, Graz
Fertigstellung: 2006
Weinidylle Dreisiebner, Sulztal an der Weinstraße
Planung: Köberl Architekten, Schärding
Fertigstellung: 2007
Weingut Ploder Rosenberg, St. Peter am Ottersbach
Planung: thalerthaler architekten, Wien
Fertigstellung: 2005
Rollstuhlgerechte Wohnküche, Graz
Planung: monomere architekten, Wien
Fertigstellung: 2004
Geramb Klassiker:
Schneidersalon Bernschütz, Graz
Planung 1955 – 57: Arch. Karl Hütter
Fertigstellung: 1958
PREISVERLEIHUNG Geramb Rose 2008:
WO: Musikheim St. Johann im Saggautal, Steiermark
WANN: FR 27 | 06 | 08 - 18:00 Uhr
Veranstalter: Verien BauKultur Steiermark
PROJEKTBESCHREIBUNGEN:
Bestattungszentrum Voitsberg
Planung: ARGE Heil Hoinkes Federspiel ZT GmbH, Acham ZT GmbH, Graz
Fertigstellung 2007
(ARGE Heil Hoinkes Federspiel ZT GmbH, Acham ZTGmbH)
Das Gebäude ist auf die Hauptachsen der Friedhöfe Voitsberg und Bärnbach ausgerichtet. Die zwei unterschiedlichen Seiten, Aufbahrung und Verabschiedung, und Wirtschaftstrakt mit Verwaltung, wurden so miteinander verbunden, dass die logistischen Abläufe der Begräbniszeremonie reibungslos ineinander greifen können. Der langgestreckte, niedrige Baukörper ist durch zwei Höfe gegliedert. Die geringe Gebäudehöhe ordnet die Architektur ihrer Bedeutung unter und setzt auf einen hinter sich selbst zurücktretenden Raum für die Rituale der Verabschiedung.
Haus H & L, Irdning
Planung: x architekten, Linz
Fertigstellung: 2004
Das regionale Element Stadel, für Landschaft und Identität des Ennstals typisch, wurde aus seinem ursprünglichen Kontext gelöst und ins Wohnen übersetzt. Die kompakte Erscheinung des Stadel-Zitats wird ästhetisch transformiert durch den Materialeinsatz. Das Dach als schützende Haut bestimmt die Wirkung: über die Nord- und Südfassade wurde das Aluminiumblech bis zum Boden gezogen. Die Giebelseiten haben Lärchenlattung. Die Kommunikation mit der Umgebung und der Landschaft erfolgt zweifach: tageszeitliche und saisonale Veränderungen spiegeln sich in der Blechhaut, ein Spiel zwischen Öffnung und Verschlossenheit prägt den Außenbezug.
Musikheim St. Johann im Saggautal
Planung: Leitner Pretterhofer Simbeni Architekten, Graz
Fertigstellung: 2007
Die architektonische Konzeption ist durchdrungen von der Funktion des Raums: dem Musizieren. Das ausschlaggebende Kriterium für Formfindung und Materialwahl war die Raumakustik. Dieses architektonische Hinhören drückt sich in der Raumnutzung und den raumplastischen Entsprechungen aus. Die unterschiedlichen Raumhöhen führen zur markanten Form, die an Instrumentenkoffer denken lässt. Die städtebauliche Kommunikation ist gelungen: die verglaste Foyersituation öffnet sich zum Schulplatz hin, die aufragende Vorderfront mit der markanten Farbgebung und dem metallisch glänzenden Fensterband leitet den Blick zur barocken Pfarrkirche hoch.
„Schule des Daseins“ Stift St. Lambrecht
Planung: reitmayr architekten, Graz
Fertigstellung: 2006
In profunder Auseinandersetzung mit dem Bestand wurde mit präzisen funktional und ästhetisch überzeugenden Setzungen weitergebaut. Besonderes Augenmerk lag auf Lösungen zwischen denkmalpflegerischen Auflagen, ästhetischer Anmutung und handwerklicher Umsetzung. Die barrierefreie Erschließung der „Schule des Daseins“ erfolgt über ein neues Stiegenhaus. Klare, kühle Materialwahl wie harte Kontrastierung von weißen Mauern, schwarzen Betonstiegen und Glas des Aufzugs wirken bestimmend. Für die Brandschutzportale wurden Prototypen entwickelt. Die Barockdimensionen sind erhalten, störende Unterteilungen vermieden. Die Interventionen in die barocke Anlage sind von sensibler, dialogischer Rücksichtnahme wie von erkennbar zeitgenössischem Ausdruck im Weiterbauen.
Weinidylle Dreisiebner, Sulztal an der Weinstraße
Planung: Köberl Architekten, Schärding
Fertigstellung: 2007
Unmittelbar neben dem Wohnhaus ist anstelle des Wirtschaftsgebäudes ein Neubau entstanden. Vergleicht man die beiden Baukörper, so wird deutlich, was eine konsequente Relektüre des Bestands hervorbringen kann. Regionalismus im Zitieren und Verwenden von Elementen regionaler Baukultur wird hier als Quelle der Form- und Materialfindung eingesetzt. Authentizität wird durch die Materialwahl unterstrichen: Sägeraues Holz, Stein und unbehandelter Stahl. Wie ein Barcode zieht das Holz der Fassade in unregelmäßigen Abständen vor den Fenstern, vor dem Balkon und fügt so eine spielerische Komponente in die Traditionalität.
Weingut Ploder Rosenberg, St. Peter am Ottersbach
Planung: thalerthaler architekten, Wien
Fertigstellung: 2005
Nichtkonformität statt Konventionalität zeichnet das Weingut aus. Unmittelbar neben dem Wohnhaus entstand das neue Degustations- und Bürogebäude. Mit seiner markanten trapezförmigen Gestalt reagiert das Gebäude auf seinen Kontext nicht durch eine Transformation einer traditionellen Form, sondern durch eine formale Setzung, die mit dem Terrain und der Umgebung interagiert. Die Nutzungsdichte der vielen Funktionen ist dem Raum abzulesen, doch er verträgt sie gut. Der trapezförmige Grundriss wird in der Dreidimensionalität zum Quadrat gezogen, die so entstehenden schrägen Flächen betonen plastisch die Ausgangskonfiguration. Als Landschaftsrahmung wird der Ausblick auf den sich jahreszeitlich verändernden Weingarten gelenkt.
Rollstuhlgerechte Wohnküche, Graz
Planung: monomere architekten, Wien
Fertigstellung: 2004
Mit maßgeschneiderter Eleganz reagiert die Wohnküche funktionell und ästhetisch auf die Anforderungen des Bauherrn: „Ziehen, schieben, rollen, drehen: die Bewegungssprache des Rollstuhls ist in der Wohn-Küche abgebildet,“ so beschreibt er die Planungsvoraussetzungen. Der intensive gemeinsame Entwicklungsprozess zwischen Nutzer und Architekt ist der Wohnküche in all ihren Details abzulesen. Aus dem ursprünglich intendierten Küchenmöbel wurde ein durchgängig bespielter und zu nutzender Küchenwohnraum, der die Funktionen des Möbels bereitstellt und zugleich raumbildend weiterdenkt.
Geramb Klassiker:
Schneidersalon Bernschütz, Graz
Planung 1955 – 57: Arch. Karl Hütter
Fertigstellung: 1958
Der straßenseitige Raum des seinerzeitigen Mietobjektes wurde zu einem Kundenraum mit Verkaufspult, Umkleiden, Schrank für Stoffe und Sitzgruppe für Kunden umgebaut, das Holzportal mit Auslage wich einer zeitgemäßen Form. Die Eingriffe verwendeten aktuelle Materialien und Technologien – das Funder-Plattenmaterial für die Innengestaltung und die Stahl-Glaskonstruktion, die das Schaufenster mit dem Geschäftseingang zu einer Einheit verband.
Der gesamte Umbau mit Eingangsportal, Innengestaltung und Möblierung bis hin zu den Lampen ist nicht nur vollständig erhalten und damit eines der seltenen Beispiele der Einrichtungs- und Baukultur der 50er Jahre, sondern wird auch zum Dokument einer besonderen gegenseitigen Wertschätzung von Auftraggeber und Architekt.
Verein Baukultur Steiermark
Neben der Verleihung der Geramb Rose an herausragende Bauleistungen hat sich der Verein BauKultur Steiermark folgende Schwerpunkte in seiner Vereinstätigkeit gesetzt:
1. UMFASSENDE BEWUSSTSEINSBILDUNG
Neue Wege der Information, Wertevermittlung und Akzeptanzerhöhung zur Baukultur sind zu erproben und zu verbessern
2. AKTIVE BAUBERATUNG – bis zu INNOVATIONSPROJEKTEN
Organisation der regionalen Beratung bis zur Unterstützung von zukunftsweisenden Lösungsansätzen
3. MARKENSETZUNG
„REGIONALE ARCHITEKTUR STEIERMARK“
Information-Motivation-Dokumentation bis zum Marketing neu organisierter Dienstleistungen
4. QUALIFIZIERUNG in BAUKULTURELLEN FRAGEN
Aus der Geschichte über Gegenwartsprobleme: Anforderungsprofile und Organisationshilfe
zur praxisorientierten Weiterbildung anbieten!
5. VERNETZUNG DER BETEILIGTEN
wie Bauherrn, Architekten, Kammern, Bauinnung, TU-Graz, Bundesdenkmalamt, Haus der Architektur, ZT-Forum, Forum Stadtpark u.a.m., vom kulturpolitischen bis in den wirtschaftspolitischen Bereich!
KONTAKT:
Verein BauKultur Steiermark
Landhausgasse, 8010 Graz
T 0316/877-4807, baukultur@steiermark.at
- Verfasser/in:
- Verein Baukultur Steiermark







