Etwa 24 km von Radkersburg entfernt, acht nordöstlich von Murska Sobota, liegt Bogojina. Ein kleines Straßendorf ohne Zentrum, eine Streusiedlung, die nur auf genaueren Karten eingezeichnet ist. Auffallend sind vorerst nur die Storchennester auf den krummwüchsigen Strommasten. Irgendwie urig. Hier ist Osten, keine Spur von Annäherung ans Meer. Sackgassengefühl.
Gerade hier hinterließ der bedeutendste slowenische Architekt Joze Plecnik ein Werk, das seine Verbundenheit mit dem Land, seine Wurzeln verdeutlicht. Für Bogojina plante er eine höchst interessante Kirche, die unter Mitarbeit der Bewohner in den Jahren von 1924 bis 1927 errichtet wurde. Rund um eine romanische Kirche herumgebaut, gehört dieser Bau des Otto Wagner Schülers Plecnik zu den wichtigsten Denkmälern zeitgenössischer Kunst in Slowenien nach dem Ersten Weltkrieg. Bemerkenswert schon in der Annäherung der stämmige Rundturm, dem ein kleines Türmchen - verwegen wie ein schief getragenes Käppi – aufgesetzt ist. Dann das an eine Scheune erinnernde mächtige Dach der Hallenkirche. Die Giebelfassade mit dem Rundfenster hinter der Christusgestalt auf einer hohen Säule, die aus dem Vordach herauszuwachsen scheint. Merkwürdig. Innen die Decke: geschmückt mit unterschiedlichsten keramischen Tellern, die wie die Krüge am Hauptaltar Produkte der einheimischen Töpfer aus Bogojina und dem wenige Kilometer entferntem Filovci sind.
Später Filovci: In dem gottverlassenen Dorf lebten und arbeiteten früher an die 100 Töpfer. Das ganze Dorf war sozusagen eine einzige Töpferei und eine einzigartige Stätte des sogenannten Schwarzbrandes*). In gemauerten Rundkuppeln wurden die Tongegenstände gut zwölf Stunden bei 980 Grad mit dem Schwarzbrand versehen. Das Ergebnis waren schwarzgebrannte Keramikgegenstände, wie sie heute noch in Afrika und Asien erzeugt werden. Einen letzter Töpfer, der von seinem Vater die Schwarzbrand-Kunst erfahren hat, soll übriggeblieben sein. Alojz Peunec sein Name.
*) nicht zu verwechseln mit steirischem Schwarzbrand = illegal erzeugter Obstschnaps.Lehm war traditionelles Baumaterial in dieser Gegend. Folgt man dem kleinen Sträßchen von Bogojina weiter nach Südosten, so ist man wenige Kilometer lang begleitet von sanften Hügeln, auf denen Wein angebaut wird. Biegen Sie in einen der Feldwege links von der Straße ein. Wer’s riskiert und Glück hat, stösst auf kleine Kellergassen, zwischen Nuss- und Zwetschkenbäumen auf Winzerpresshäuser en miniature, Holzblockbau vermutlich, mit Lehm weich verschmiert - ein haptischer Genuss. Teils noch strohgedeckt, jedenfalls um 1991 und etwas weniger, auch noch 2000. Liebevoll gestrichen mit kräftigen Farben, die manchmal über die Hauswand in weicher Kehle in den schmalen Gehsteig übergehen.
Da überkommt das Entdeckerherz plötzlich ein mediterranes Gefühl und für diesen einen Nachmittag, sitzend an die Hausmauer gelehnt, ein Glas Wein in der Hand, faul in die Sonne blinzelnd, ist der Sack ohne Ausgang – wie heißt die Gegend eigentlich? – eine eigene kleine Welt, die keinen Hin-Ausweg braucht.
P.S. Etwa sechs Kilometer vor Bogojina, von Murska Sobota kommend, liegt das Dorf Martjanci. Für besonders eifrige Kunstfreunde ein Muß ist ein Kurzbesuch der Kirche St.Martin, gleich nach der scharfen Linkskurve im Anger auf der rechten Seite. Die kleine gotische Kirche wurde 1392 von Johann Aquila aus Radkersburg erbaut und ist mit Wandgemälden geschmückt. Der Altareinbau und vielleicht noch etwas mehr an Metallarbeiten (Bronze? - da versagt die Erinnerung) stammen ebenfalls von Plecnik.
Empfohlen von Karin Tschavgova. Dobar dan!
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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