GAT empfiehlt: Eine Grenzerfahrung in der Kältekammer

Wir wissen, wie Licht, Farben, Materialien, Oberflächen die Raumwirkung beeinflussen. Doch wie wirkt sich extreme Kälte auf den Raum aus?

16/10/2004

Was man weiß und seit Generationen thematisiert, untersucht und analysiert: Der Raum oder besser die Raumwirkung wird wesentlich bestimmt durch Licht, Farben und Materialien bzw. ihre Oberflächen. Der Temperatur schreibt man dabei, wenn überhaupt, eher im übertragenen Sinn Bedeutung zu. Im Zusammenhang mit Licht oder Farbe spricht man von Wärme. Oder von Kälte (blau galt lange Zeit als „kalte“ Farbe).

„Kälte“ ist das Thema der heurigen Literatur im steirischen herbst. Als Methapher im literarischen Programm steht bei den Programmmachern Kälte für eine gegenüber Normalbedingungen stark herabgesetzte „Temperatur“ in den Beziehungen der Menschen.

Neben der Kälte der Welt, also der psychisch - psychologischen Begriffsdeutung wird im Literaturhaus die Möglichkeit zur physischen Erfahrung von Kälte geboten.

Einige Tage lang ist die kostenlose Benützung einer Kältekammer möglich, wie sie Patienten mit rheumatischen Krankheiten bei der Ganzkörper-Kryotherapie verschrieben wird.

Was das heißt? Sich bzw. seinen Körper einer Temperatur von minus 110 Grad auszusetzen.

Brrrrr!!

Die therapeutische Wirkung besteht darin, dass die Kälte auf der Oberfläche der Haut kurzfristig eine Blockade der Schmerzbahnen bewirkt, in der Tiefe Entzündungen hemmt und abschwellend wirkt.

Im Literaturhaus soll der Besuch der Kältekammer die Gelegenheit zum sinnlichen Erleben einer physikalisch-physiologischen Grenzüberschreitung bieten.

Was das alles mit Architektur zu tun hat? Nun, der Autorin dieser Empfehlung sind keine Untersuchungen zum Einfluss von Kälte auf die Raumwirkung bekannt.

_Wie beeinflusst Kälte Räume und ihre Wirkung?

_Wirkt sie sich in jedem Raum gleich (unangenehm, unwirtlich) aus?

_Kann man mit Form, Farbe, Licht, Material die Kälteempfindung psychologisch beeinflussen?

_Was machen die Inuits in ihren Iglus, um der Kälte standzuhalten?

Der Hobbypsychologe wird sich dazu sicher einen Reim machen, der Ethnologe weiß vielleicht mehr. Der Neugierige kann im Literaturhaus Graz bis 20.Oktober - angetan mit Badeanzug, Handschuhen, Mundschutz und Schuhen - eine konkrete Erfahrung machen. Und danach für GAT vielleicht einen Schüttel- oder Zitterreim*) verfassen. Denn was wir sicher wissen, ist: Bei Kälte verengen sich die Gefäße, der Körper beginnt zu zittern.

*) GAT belohnt originelle Schüttelreimer mit einem Buch eines Autors oder einer Autorin, der/die bei Literatur im Herbst lesen.

Kältekammer mit kryotherapeutischer Betreuung:

Öffnungszeiten: 16.10. von 10.00 bis 18.30

von 17. bis 20.10. jeweils von 10.00 bis 16.00 Uhr.

wo: Literaturhaus Graz

Elisabethstraße 30, 8010 Graz

Infos unter 0316/380 8370 bei Riki Erwa-Winter(!)

Empfohlen von Karin Tschavgova.

Verfasser/in:
GAT Graz Architektur Täglich

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