GAT empfiehlt: Cinestischen Genuss im Landhaushof.
Planen Sie einen Kinoabend. Am Montag, den 19.Juli zeigt „Classics in the city“, das Open air Klassik-Film-Festival, um 20Uhr30 im stimmigen Ambiente des Landhaushofs einen Meilenstein der Filmgeschichte: „Metropolis“ von Fritz Lang. Die jetzt gezeigte Fassung ist eine restaurierte und ergänzte Version der US-Fassung, die um rund ein Drittel kürzer war als die verschollene deutsche Version. Weltweit wurden dafür die besten Materialien recherchiert – manchmal auch nur einige Meter gut erhaltenen Filmbandes - und daraus mit digitalen Bearbeitungsmethoden eine Fassung erstellt, die der Impression der Originalkopie sehr nahe kommen soll.
Der Film aus dem Jahr 1927 begründete, obwohl er einer der letzten in der Ära der Stummfilme war, in Deutschland ein neues Filmgenre: (die) Sciencefiction. Die damals neuen Elemente der Dramaturgie gehören heute zu den gängigen Mustern der Gattung: Eine negative Utopie zeigt die Exposition; der Staat der Zukunft ist eine Zweiklassengesellschaft.
Metropolis ist eine riesige Industriestadt, die aufgeteilt ist in die obere und untere Stadt. In den unteren, vom Sonnenlicht kaum je erreichten Niederungen, leben und arbeiten die mittellosen Menschen, die riesige Maschinen bedienen, um die Stadt mit der nötigen Energie zu versorgen. In der oberen Stadt leben die reichen Bonzen in unermesslichem Luxus. So erscheint folgerichtig, dass der Pöbel seine Kräfte mobilisiert und den Aufstand gegen die Unterdrücker probt.
Bei einem Amerikabesuch anlässlich einer Einladung einer grossen Filmgesellschaft hinterliess für Fritz Lang vor allem die Einfahrt in den New Yorker Hafen und die aus dem Meer empor steigenden Wolkenkratzer den stärksten Eindruck. Da reifte in ihm die Absicht, dies in sein nächstes Filmprojekt mit einzubeziehen. Es gab massive Bedenken hinsichtlich der Möglichkeit der Realisierung eines solch gigantischen Projektes. Selbst die UFA war technisch und finanziell nicht in der Lage, solche Wolkenkratzer für das Filmstudio zu bauen. Doch Fritz Lang wusste von einem Verfahren, das der Kameramann Eugen Schüfftan entwickelt hatte. Es erlaubte, durch einen komplizierten Ablauf von Spiegelung und Gegenspiegelung Modelle so ins Bild zu rücken, dass sie wie riesige Bauten aussahen.
Die Wolkenkratzer und kühnen Straßenkonstruktionen von Metropolis wurden, erstmals in einem Spielfilm, im Schüfftan-Verfahren aufgenommen: Die Einspiegelung winziger Modelle in Realszenen schuf die Illusion riesiger Bauten. Das Verfahren wurde während den Dreharbeiten perfektioniert.
Schon 1925 antwortete Lang auf die Frage nach dem künstlerischen Stand des deutschen Films: „Wir haben Architekten - der ganze Rest ist hoffnungslos schlecht.“ Für die Bauten von Metropolis zeichnete Otto Hunte verantwortlich, dem Buñuel enthusiastisches Lob spendete: „Das Kino wird der zuverlässige Interpret der kühnsten Träume der Architektur sein.“
Die Produktion des Films verschlang gigantische Summen, was auch heute nicht verwundert, wenn man den Film sieht. Ohne die heute zur Verfügung stehenden technischen Mittel entwarf Fritz Lang riesige Apparate, deren Zweck nicht zu erahnen ist, und er zeigte das faszinierende Zusammenspiel mechanischer Abläufe in einem komplizierten Funktionsplan. Die Arbeiter sind Sklaven der Maschine, deren Rhythmus sie sich unterzuordnen haben. Der Maschinentakt bestimmt das Leben in Metropolis, die Technik erscheint als Moloch. Die Bedienung der Apparate zwingt die Arbeiter in strukturierte Einheiten: Menschen bilden Ornamente. Die Masse, in geometrische Formen gepreßt, bewegt sich mechanisch-rhythmisch; in Rechtecken marschieren die Arbeiterkolonnen, während die vorwärtsstoßende Menge, zum Beispiel bei der Zerstörung der Maschinenzentrale, keilförmig gruppiert ist.
Fritz Langs Regie war stark vom expressionistischen Theater, aber auch vom russischen Avantgardetheater beeinflußt.
Wo: Landhaushof Graz, Herrengasse
Wann: Montag, 19.Juli ab 20.30h
Freier Eintritt, rechtzeitig Plätze belegen und Decken nicht vergessen! (wird heute abend nicht notwendig sein. Aktueller Kommentar der GAT-Redaktion)
Ab 19h Gastronomie.
- Verfasser/in:
- GAT Graz Architektur Täglich

