„Who is scared …“ – Arbeiten von Marlene Hausegger in der Galerie para_SITE.
Über ihre Website lässt uns die 1984 in Leoben geborene Künstlerin Marlene Hausegger wissen, dass sie eigentlich Zirkusdirektorin werden oder in Papua, Neuguinea, leben wollte. Schließlich entschied sie sich doch dafür, in Wien an der Universität für Angewandte Kunst bei Erwin Wurm und Barbara Putz-Plecko zu studieren. Nach drei Jahren sei sie dann nach Montpellier gezogen, der Sonne wegen, des Meeres und des französischen Käses – schreibt sie. Vorrang dürfte allerdings ein Studium an der Ecole des Beaux Arts gehabt haben.
Seit vergangenem Herbst leitet Daniela Haberz die Galerie para_SITE in Graz mit der Intention, eine Plattform zu sein für junge KünstlerInnen – wie mit der aktuellen Ausstellung von Arbeiten Marlene Hauseggers unter dem Titel „Who is scared of the White Cube“. Damit will sichtlich gar keine Frage gestellt sein, vielmehr schrammt Hausegger bewusst nochmals an das Klischee. Zu sehen sind demnach Arbeiten, die zum überwiegenden Teil aus dem mehr oder weniger öffentlichen Raum stammen. Dort findet Hausegger in ganz alltäglichen Situationen Unscheinbares in Details, das sie mittels subtiler und witziger Eingriffe adaptiert. Dem zuvor Kunstlosen appliziert sie ihr künstlerisches Konzept. Eine Straßenmarkierung, ein Zebrastreifen, wird durch erweiternde Kreidezeichnung zum „Zebra“ (Graz 2007) mit Kopf und Beinen im Stadtraum. Eine schnelle, wohl unangemeldete Intervention, die Spuren nur in der ausgestellten Fotografie hinterlässt. Ähnlich die Situation an einer Hinterhofwand, deren unverputzter Teil an die Silhouette von Häusern mit Kaminen erinnert. Auf einem Sperrgitter im Vordergrund hat Hausegger blaue Folien angebracht, die in der Perspektive der Fotografie nun wie Rauch aus den Kaminen erscheinen – „Smoke“ (Wien 2009). Das plastische Brillenlogo eines Optikers dagegen wird erst auf der Fotografie und im Galerieraum durch bunte Folienbänder erweitert; um das narrative Moment ergänzt, heißt die Arbeit nun „Lasertears“ (Wien 2009). Angelpunkt – und Reverenz an den Weißen Kubus – ist ein Objekt in Form eines maßstäblichen Modells der Galerie. Der weiße Innenraum dieser Sperrholzkiste ist erleuchtet und gerahmt von einem stilisierten Gebiss: hinter gefletschten Zähnen der weiße Rachen des Kunstbetriebes oder das vormals weiße Blatt Papier des Autors (der Autorin immer gleichermaßen, aber es ging ums Klischee), die es mit Sinn zu füllen gilt. Wer hat Angst vor …?
„Who is scared of the White Cube” – Arbeiten von Marlene Hausegger. Bis 27. Februar in der Galerie para_SITE, Kaiserfeldgasse 22, 8010 Graz.
Öffnungszeiten: Di – Fr 15.00 – 19.00 Uhr, Sa 10.00 – 14.00 Uhr und nach Terminvereinbarung unter T 0650 691 1786
www.parasite-net.eu , http://www.mmhhh.com (Marlene Hausegger)
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Rezension
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