Endlich ist das Problem Reininghaus auf ideale Weise gelöst. Und wie alle genialen Lösungen ist sie einfach wie das Ei des Kolumbus.
Lassen wir Reininghaus in Ruhe. So ein ideales Projekt braucht am dringendsten Stille, aus der die Kraft wächst. 25 Jahre Ruhe, Stille, Beschaulichkeit. Dann wird plötzlich alles sehr schnell gehen. Aber jetzt erst einmal die Hände in den Schoß. Und über das Vorhaben meditieren.
Das Konzept der progressiven Untätigkeit wird voll aufgehen. Wir werden es zwar vielleicht nicht mehr erleben, aber unsere Nachkommen werden uns recht geben. Nach uns der Triumph! Wir entwickeln Reinighaus nicht für uns, sondern für die Nachwelt, wenn nicht gar für die Ewigkeit!
Wir haben unsere Gründe. Unsere ewigen Reininghaus-Jagdgründe. Vielleicht wäre es ohnehin im Sinne des Ideals, das Projekt gar nicht zu realisieren. Oder dem Projekt selbst die Realisation zu überlassen. Wir sehen dem Projekt bei seiner Entwicklung zu. Verhaltensforschung an einem idealen Projekt. Wie verhält es sich, wenn es alle Freiheiten hat? Wird es forsch herangehen? Wird es sich Zeit lassen? Wird es sich selbst in Ruhe lassen?
Wir vermuten Letzteres. Und schlagen angesichts der allgemeinen Zustimmung zum Ruhebewahren diese Vorgangsweise auch für andere heikle Materien vor. Denken wir nur an den Feinstaub. Auch in seinem Fall ist es am besten, wir lassen ihn ganz einfach in Ruhe. Dann wird er sich von selbst auflösen.
So werden wir von nun an immer vorgehen. Am besten lassen wir uns die „Grazer Ruhelösung“ patentieren. Wir werden eine Heilstatt der Passivität sein. Die städtische Regierungsform „passiver Absolutismus“ wird Schule machen.
Man wird uns in unserer fundamentalen Untätigkeit nacheifern wollen. Aber Vorbilder sind immer unerreichbar. Das wird andere Kommunen nicht daran hindern, Delegationen nach Graz zu schicken, die das Geheimnis unserer „Politik der ruhigen Hand im Schoß“ aufklären sollen. Freilich können wir sie nicht mehr im Rathaus empfangen. Denn das Rathaus liegt in seligem Dornröschenschlaf.
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse
