Im Studio der Neuen Galerie Graz werden Arbeiten der „Morgensterne“ Miriam Mone und Markus & Martin Gansberger präsentiert. Die Galerie im Hof zeigt eine Personale mit Malerei, Collagen und Zeichnungen von Günter Schimunek.Origami ist die aus Japan stammende Kunst, Figuren aus Papier zu falten. Dieser asiatischen Tradition nehmen sich die Zwillinge Markus und Martin Gansberger in ihrem Konzept unter dem Titel „?unst in Heimarbeit“ an. Im Rahmen einer von der Kleinen Zeitung initiierten Aktion „Morgensterne“, einer Plattform für junge Talente aus den Bereichen Literatur, Musik und bildende Kunst, wurden Faltanleitungen für Papierfrösche veröffentlicht, nach deren Muster das interessierte Publikum aufgefordert war, seine selbst gefalteten Exponate an die Künstler zu schicken. Das Ergebnis ist eine Froschkolonie aus einer Unzahl von Individuen, die den Boden des Studios der Neuen Galerie besetzt hat. Markus, Student an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe, und Martin Gansberger, der in Graz Architektur studiert, verstehen es, mit den Spielregeln der zeitgenössischen Kunst umzugehen, indem sie mit ihrem Projekt eine Situation hinterfragen, nach welcher der Künstler seine Rezipienten, eine Zielgruppe oder Teilöffentlichkeit aktiv in die Ausführung seines Konzepts einbezieht. Naturgemäß ist man auch an das Diktum Joseph Beuys’ erinnert, nach dem jeder ein Künstler ist oder wenigstens sein kann.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Frage nach dem multiplen Kunstwerk, wenn ein Gansbergerscher Prototyp „Terrorfrosch“ - aus Zeitungspapier gefaltet und benannt nach dem darauf mehrfach aufscheinenden Begriff „Terror“ - auf einem Podest und in einer Vitrine einer Vielzahl von Klonen gegenübergestellt wird. Und auch das Genre Mailart ist Teil des Prozesses, indem Objekte auf dem Postweg an die Initiatoren dieses Konzepts zurückgehen.
Den zweiten Raum des Studios füllen, in einer präzis reduzierten Installation, Arbeiten von Miriam Mone aus. Wie die Brüder Gansberger wird auch sie von der Kuratorin der „Morgensterne“ und Leiterin der Neuen Galerie, Christa Steinle, vorgestellt. Miriam Mone studiert ebenfalls Architektur in Graz, ist Mitglied der Gruppe „Sofa 23“ und setzt ihre künstlerische Arbeit in verschiedenen technischen Medien um. So entstehen neben Zeichnungen, Gemälden, Videos, Fotos und Illustrationen zu Kurzgeschichten auch Trickfilme. Ihr Environment mit dem phantastischen Titel [Camelium Tyrannus Vagabundus] besteht aus schwarzweißen Grafiken, die nach manuell zeichnerischem Entwurf am Computer bearbeitet wurden, vor Wänden, die durch vertikale gelbe Linien in verschiedenen Stärken strukturiert sind. Auf einen ersten Blick ist man an industrielle Strichcodes erinnert, zugleich verblüfft dieses Spannung und Raumtiefe vermittelnde System wie die überzeugende Korrespondenz der Grafiken auf Papier mit der Struktur der Wandflächen. Ein paradoxes Element entsteht aus dem biologischen Vermögen des Chamäleons, sich durch Camouflage seiner Umgebung anpassen zu können: Mones Chamäleon scheint sich allein an der linearen Struktur zu orientieren. In Erinnerung an Daniel Burens Lineamente steht Mones Installation durchaus für eine geschickte Weiterführung eines an sich minimalistischen Prinzips – sophisticated wäre vielleicht das adäquate, aber schwer zu übersetzende Adjektiv.
„Was gafft uns an?“ - Großformatige Collagen, Bild-im-Bild-Situationen, Monster und Masken, Fotografie in Verbindung mit Malerei lassen surreale und (alb-)traumhafte Bildwelten im Werk Günter Schimuneks entstehen. Der 1942 geborene Grazer akkumuliert Fotomaterial mit malerischen und grafischen Elementen, die als Laserprints wieder auf die Leinwand gebracht werden und evoziert damit komplexe Vorstellungen der Wahrnehmung von und Erinnerungen an Eigenes und einen Bildfundus, entstanden aus Zusammenarbeit mit anderen Künstlern wie Werner Schwab, Helmut Eisendle oder Max Gad. Acrylarbeiten auf Papier in Kombination mit Texten von Günter Brus lassen an Rorschachbilder denken, monströs wie in der Serie „Blockwart“ aus dem Jahr 1998. Im eben erschienenen Katalogbuch „Günter Schimunek. Der Kunstvermalungsverführer“, herausgegeben von Joachim. J. Vötter (Bibliothek der Provinz), beschreibt Max Gad seinen Zugang als ein „En Face mit Schimuneks Bestiarium“ und in der Tat mutet das Figurenrepertoire an wie ein Herüberretten der Bestände mittelalterlicher Bestiarien in eine Zeit der Gentechnologie, gefunden und neu versammelt in den vielen Wirklichkeiten des Günter Schimunek.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek
- "Kommentar"







